2. Dezember 2013, 09:00
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Tempolimit für LV-Abschlusskosten

Fraglich ist darüber hinaus, ob eine effiziente Senkung der Vertriebskosten dadurch bewirkt werden kann, dass der Vertriebsweg der ungebundenen Vermittler durch eine Maximierung der Abschlusskosten unter Druck gesetzt wird. Denn diese Maßnahme hat nur für den ungebundenen Vertrieb einschneidende Wirkung. Sie trifft Pools, Vertriebe und Makler in ihrer Existenz.

Pools leben von Overheadprovisionen, die weit über der angedachten Abschlusskostengrenze liegen. Aus diesen müssen sie ihre umfassenden Unterstützungsleistungen für ungebundene Vertriebler finanzieren.

Die existentielle Bedeutung der Abschlusskostengrenze für Pools ist nicht zuletzt dadurch deutlich geworden, dass sie sich sofort zu Gesprächen zusammengefunden haben, um dem Wirken der Versicherer entgegenzusteuern.

Aber auch Vertriebe müssen den Unterhalt ihrer eigenen aus Handelsvertretern bestehenden Absatzorganisation ebenso wie Versicherer aus der Provision finanzieren. Bisher gelingt es ihnen, die Kosten deutlich unter denen einer Stammorganisation eines Versicherers zu halten.

Auswirkungen der Provisionsbegrenzung in der Beratungspraxis

Die Auswirkungen der angestrebten Provisionsbegrenzung zeichnet sich schon heute in der Beratungspraxis ab: Vorhaben, neue Vertriebsgesellschaften in den deutschen Markt einzuführen, werden wegen des drohendenden Limits auf Eis gelegt.

Vertriebe denken darüber nach, ihre Dienstleistungen zu erweitern, weil sie sich kaum mehr lebensfähig ansehen, wenn die Pläne zur Begrenzung der Abschlussprovisionen in die Praxis umgesetzt werden.

Schließlich sind auch Makler von der Begrenzung betroffen und zwar im Hinblick auf die Sicherstellung der laufenden Betreuung ihrer Kunden im Personengeschäft. Makler können die vertraglich mit Haftungsfolgen geschuldete Betreuung ihrer Kunden in den Verträgen mit diesen nicht formularmäßig ausschließen.

Auskömmliche erstjährige Provision für dauerhafte Kundenbetreuung fundamental

Der Ausschluss würde Kunden unangemessen benachteiligen, weshalb er unwirksam wäre. Zur Sicherstellung der dauerhaften Betreuung der Versicherungsverträge sind Makler auf auskömmliche erstjährige Provisionen angewiesen, weil diese Kosten aus der Courtage ab dem zweiten Versicherungsjahr nicht zu bestreiten sind.

Es kommt hinzu, dass die vom GDV erstrebte Begrenzung der Abschlusskosten keineswegs in den Versicherungsprodukten ankommen muss. Deshalb ist kaum verwunderlich, dass die Tarifbeiträge in der Krankenvollversicherung trotz der Begrenzung der Abschlusskosten nicht gesunken sind.

Versicherer mit großen Ausschließlichkeitsorganisationen können die Kostenersparnis im ungebundenen Vertrieb dazu nutzen, ihren Organisationen mehr Schlagkraft zu verleihen. Geschieht dies, werden die vom ungebundenen Vertrieb abhängigen Versicherer dabei erfahrungsgemäß aber auch nicht tatenlos zusehen.

Keine Verbesserung des Verbraucherschutzes – im Gegenteil

Vielmehr ist zu erwarten, dass Sie den Vermittlern auf anderem Wege Vergütungen zukommen lassen. Dies zeigt die aktuelle Situation im Krankenversicherungsgeschäft. Jedenfalls ist deshalb keine Verbesserung des Verbraucherschutzes zu erwarten – im Gegenteil.

Seite drei: Nettopolice versus Bruttopolice

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3 Kommentare

  1. “Damit bleibt der Versicherungsnehmer trotz Storno vor Ablauf von sechzig Monaten weiterhin vollumfänglich zur Zahlung der Abschlussprovisionen verpflichtet.”

    Dieser Aussage widerspricht die aktuelle Rechtssprechung regelmäßig.
    Solche Kostenvereinbarungen, die nach Kündigung weiterleben, sind als Umgehungstatbestand des VVG unwirksam und müssen in voller Höhe rückabgewickelt werden!
    Selbst wenn der Vertrag noch besteht, kann der Kunde diese Rückabwicklung verlangen.
    Somit bleibt der Makler, dessen Kunde klagt, auf seinen Kosten komplett sitzen. Daher kann ich nur empfehlen, davon die Finger zu lassen.

    Kommentar von Vermittler — 5. Dezember 2013 @ 09:37

  2. In Deutschland ist eine Provisionsdeckelung oder besser noch eine Abschaffung dieser mehr als überfällig! Leider ist die Lobby der Finanz-und Versicherungswirtschaft so einflussreich, dass eine positive Veränderung des Finanzmarktes zum Kundenschutz noch lange dauern wird. Und so werden weiterhin Tag für Tag gutgläubige Bürger um ihr Geld betrogen. Gut, dass Verbraucher nicht mehr ganz so Naiv sind, diese ganzen Diskussionen zum größen Teil mitbekommen und reagieren. Sie sind verunsichert und machen gar nichts mehr- oder Verschieben Ihre Entscheidungen auf unbestimmte Zeit. Ich verstehe diese ganzen Diskussionen nicht. Das Übel liegt ganz und Alleine in der hohen Kostenstruktur der Verträge und damit meine ich nicht die viel zu hohen Abschlussprovision, die in keinem Verhältnis zum erbrachten Zeit und Know-How Einsatz stehen. Mehr Transparenz würde dem Finanzmarkt auf Dauer wieder mehr Vertrauen bringen. Jedoch ist man davon noch sehr weit entfernt. Honorarberatung ist da eine echte Alternative: Klar geregelte vertragliche Kosten, keine Zuwendungen dritter, Verständliche Finanzprodukte, Vermögensaufbau statt Vermögensvernichtung.

    Kommentar von André Jonas — 2. Dezember 2013 @ 20:43

  3. Die Provisionsdeckelung trifft insbesondere die Makler und ist eine beodenlose Frechheit. Schlimm genug, dass man erst nach 5 Jahren seine Courtage verdient hat. In welcher anderen Branche gibt es sowas? Makler sind vielen Versicherungsgesellschaften ein Dorn im Auge, da Sie sich nicht steuern lassen wie die eigenen Ausschließlichkeitsvertreter. Der Kunde wird durch ein Deckelung in keiner Weise profitieren. Ziel ist es den Auschließlichkeitsvertreter und die Honorarberater zu stärken. Das einzig positive bei einer Deckelung: Die unsäglichen Strukkivertriebe, bei denen in der Spitze bis zu 70 Promillle und mehr bezahlt wird, würden endlich vom Markt verschwinden.

    Kommentar von stefan — 2. Dezember 2013 @ 14:47

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