Anzeige
27. März 2013, 14:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Altersvorsorge muss neu überdacht werden

Laut einer Studie des Versicherungskonzerns Allianz SE muss die kommende Rentnergeneration mehr Verantwortung für die eigene Altersvorsorge übernehmen. Zudem müssen sich demnach die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer erhöhen. Nur so könne im Alter ein angemessenes Einkommen erreicht werden.

Jay Ralph, Allianz: Jeder Einzelne muss mehr Verantwortung übernehmen.

Jay Ralph, Allianz: “Jeder Einzelne muss mehr Verantwortung für ein angemessenes Einkommen im Alter übernehmen.”

“Damit zukünftige Ruheständler ein Alterseinkommen in vergleichbarer Höhe mit dem der heutigen Rentner erzielen, müssen sie ihr Sparverhalten und ihre Arbeitseinstellung ändern. Jeder Einzelne muss mehr Verantwortung für ein angemessenes Einkommen im Alter übernehmen und seine Altersvorsorge überdenken“, sagt Jay Ralph, Vorstandsmitglied der Allianz SE, zuständig für Asset Management.

Laut der Studie “Allianz Demographic Pulse” vollziehe sich nach zehn Jahren Rentenreformen in Westeuropa und der Einführung neuer Altersvorsorge-Systeme in Osteuropa und Asien ein Strukturwandel bei den Alterseinkommen. Es wachsen demnach nicht allein die Anteile privater und betrieblicher Renten, sondern auch die Bedeutung privater Vermögen und der Erwerbstätigkeit als Pensionseinkommen nehmen zu. Es sei aber noch nicht abzusehen, ob diese Zuwächse ausreichen, um die Abstriche bei der staatlichen Rente auszugleichen.

Anteil der 60- bis 64-Jährigen im Erwerbsleben gestiegen

Zudem werde der Strukturwandel im Rentensystem in Deutschland durch Schuldenkrise, starke und häufige Schwankungen an den Finanzmärkten sowie durch das Niedrigzinsumfeld substantiell herausgefordert, so die Studie. Diese Entwicklungen hätten die Möglichkeiten einer kapitalgedeckten Altersvorsorge eingeschränkt.

Mittlerweile üben demnach Arbeitnehmer ihren Beruf nicht nur deshalb länger aus, weil das Renteneintrittsalter angehoben wurde, sondern weil ihre Einnahmen aus kapitalgedeckten Rentenplänen krisenbedingt niedriger als erwartet ausfallen und sie länger als vorgesehen für das Alter sparen müssen. Infolgedessen habe sich in Europa, Asien und den USA die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen über die letzten zehn Jahre erhöht. In Europa war der Zuwachs in Deutschland und in den Niederlanden mit einer satten Verdoppelung der Studie zufolge besonders hoch.

Zum Vergrößern auf die Grafik klicken

Jay Ralph, Allianz: Jeder Einzelne muss mehr Verantwortung übernehmen.

Quelle: Allianz Demographic Pulse

Bedeutung der gesetzlichen Rentenimmt ab

Die zahlreichen Rentenreformen in westlichen Ländern vor zehn bis 15 Jahren hatten einen Rückgang des Rentenniveaus bei der gesetzlichen Vorsorge zur Folge, so die Studie. Berechnungen für 16 OECD Länder zeigen demnach, dass es in Staaten mit besonders weitreichenden Reformen im Durchschnitt Leistungskürzungen um 22 Prozent für Männer und um 25 Prozent für Frauen gab.

Gleichzeitig seien allerdings Maßnahmen eingeleitet worden, um die betriebliche und private Altersvorsorge zu fördern. Zukünftig werden moderne Rentensysteme daher auf verschiedenen Säulen ruhen, prognostiziert die Allianz-Studie. Das Alterseinkommen werde nicht allein aus der staatlichen Rentenversicherung kommen, sondern auch aus Erwerbstätigkeit und Einkünften aus privaten Pensionsvermögen.

Mehr sparen und Beschäftigungschancen verbessern

Nach mehr als zehn Jahren Rentenreformen habe sich die Altersvorsorgestruktur in fast allen Ländern, die in der Allianz-Studie untersucht wurden, geändert, besonders deutlich dort, wo der Prozess früh angestoßen wurde. Fast durchgehend sei der Anteil am Alterseinkommen aus der gesetzlichen Rente zurück gegangen. In Schweden, Deutschland oder Frankreich wurden diese Einbußen demnach durch Alterseinkommenszuwächse aus Vermögen oder privater Altersvorsorge ausgeglichen.

Ob diese Zuwächse jedoch in der tatsächlichen Ruhestandsphase ausreichen werden, um Kürzungen bei der staatlichen Rente vollständig aufzufangen, bleibt der Studie zufolge offen. “Eine der zukünftigen Herausforderungen ist es, die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer zu verbessern. 65 Prozent der Beschäftigten in Europa möchten die Möglichkeit erhalten, im Alter teils von Erwerbsarbeit und teils von Renteneinkommen zu leben”, sagt Ralph.

Die Menschen müssten sich an die neue Renten-Wirklichkeit gewöhnen. Dabei sei mehr sparen wichtig. Das Sparen könnte demnach beispielsweise dadurch gefördert werden, dass vermehrt von der Möglichkeit Gebrauch gemacht werde, Altersvorsorge-Beiträge direkt vom Gehalt abzubuchen und in einen Rentenplan einzuzahlen. (jb)

 

Foto: Shutterstock

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

2 Kommentare

  1. Ich finde die Studie sagt nichts neues. Aber solange der Staat die Leute nicht wach rüttelt werden die Bürger nicht mehr sparen.

    Kommentar von Jan Lanc — 2. April 2013 @ 19:53

  2. Es bedarf einer grundlegenden Reform bei der Altersvorsorge mit klaren, verständlichen sowie einfachen Umsetzungsregeln für eine verbraucherfreundliche und gesellschaftliche sinnvolle Vorsorge. Viele Menschen in diesem Lande setzen den Schwerpunkt bei der Vorsorge auf Geldwerte statt auf Sachwerte und wissen zu wenig um die Unterschiede sowie die damit verbundenen Folgen für ihre Zukunft.

    Kommentar von Roppel,Claus — 29. März 2013 @ 07:58

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

xbAV Beratungssoftware mit neuem Geschäftsführer

Boris Haggenmüller verantwortet als Geschäftsführer seit September 2017 das operative Geschäft der xbAV Beratungssoftware GmbH. Zuvor war er der verantwortliche Prokurist des Tochterunternehmens der xbAV AG.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Die Service-Champions

Welche Banken bieten deutschen Kunden den besten Kundenservice bei der Baufinanzierung? Die Kölner Beratungsgesellschaft Servicevalue hat Kunden der Banken hierzu befragt. Eine Bank konnte besonders überzeugen und sicherte sich einen “Gold-Rang”.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

IPP-Fonds der Deutschen Finance schütten aus

Der Asset Manager Deutsche Finance aus München kündigt für seine beiden Fonds IPP Institutional Property Partners Fund I und Fund II Auszahlungen für das Geschäftsjahr 2016 an die Privatanleger an.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...