Anzeige
29. Mai 2013, 12:18
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

BVK will Bürgerversicherung “einmotten”

Die Interessengruppen formieren sich zum Kampf gegen die Bürgerversicherung: Neben dem Deutschen Ärztetag hat sich auch der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) gegen die Abschaffung des dualen Systems in der Krankenversicherung ausgesprochen.

Bürgerversicherung stößt bei Versicherungsvermittlern auf AblehnungAuf dem 116. Deutschen Ärztetag, der am Dienstag in Hannover stattfand, haben sich die Mediziner deutlich gegen ein Einheitssystem ausgesprochen. “Die Geldspeicher sind voll. Es herrscht also überhaupt keine Not, das System von den Füßen auf den Kopf zu stellen”, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery.

Laut einer aktuellen Umfrage der Zeitschrift “Focus Money”, auf die sich der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) beruft, haben sich 87 Prozent der niedergelassenen Ärzte gegen einen entsprechenden Umbau des Gesundheitssystems ausgesprochen.

Debatte um Altersrückstellungen

Ähnlich einhellig fiel das Votum der Delegierten auf der BVK-Jahreshauptversammlung vom 23. Mai in Friedrichshafen aus. Wie die Interessenvertretung der Versicherungsvermittler mitteilte, sehen die BVK-Mitglieder vor allem die Verwendung der rund 170 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen in der PKV als “höchst problematisch” an. Diese könnten bei der Einführung der Bürgerversicherung verstaatlicht werden und dann verloren gehen, fürchtet der Verband. “Das wäre ein beispielloser Fall von Enteignung”, sagte BVK-Präsident Michael H. Heinz.

Würde die Bürgerversicherung Wirklichkeit, gäbe es zunächst nur einen Einheitstarif für alle und alle individuellen Wahlmöglichkeiten müssten zusätzlich bezahlt werden, so Heinz. Für die fast neun Millionen Privatversicherten wäre das mit weiteren Belastungen verbunden und würde zudem einen Eingriff in ihr Selbstbestimmungsrecht bedeuten.

Der BVK befürchtet zudem, dass sich viele niedergelassene Mediziner aus Verdienstgründen aus der gesetzlichen Bürgerversicherung verabschieden würden und ihre Leistungen nur noch privat anbieten. “Dadurch würde nicht nur die heute bestehende Mitfinanzierung von technisch aufwändigen Untersuchungen durch die PKV wegfallen, sondern auch dazu führen, dass eine noch größere Ungleichheit zwischen den gesetzlich Versicherten und privat zahlenden Patienten entsteht”, heißt es.

BVK: Konzept gehört in die “Mottenkiste”

Aus Sicht des BVK-Präsidenten ist der Fall daher klar: “Schlechtere Versorgung, mehr Bürokratie und Gleichmacherei und dann noch massive Arbeitsplatzverluste”. Das brauche Deutschland auf keinen Fall, so Heinz. Die Bürgerversicherung gehöre daher in die “Mottenkiste”. (lk)

Foto: Shutterstock

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

4 Kommentare

  1. Beitragebemessungsgrenze aufheben (auch bei der PKV) würde ausreichen, um Gerechtigkeit in die Diskussion zu bringen

    Kommentar von ryymar — 3. Juni 2013 @ 10:50

  2. Eine Bürgerversicherung ist doch eine Entmündigung aller Privat Versicherten. Das kann doch keine ernstgemeinte Diskussionsgrundlage werden. Wir sind hier nicht in der DDR.

    Kommentar von Jan Lanc — 1. Juni 2013 @ 14:26

  3. Ist es solidarisch, wenn der Geringverdiener die Operation eines Direktors mitfinanziert? Das war seinerzeit die soziale Grundüberlegung, als das 2-Säulen-System eingeführt wurde.
    Die Medien sollten klarstellend endlich die “sog Bürgerversicherung” als das bezeichnen, was sie ist, nämlich eine geplante Zusatzsteuer.

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 31. Mai 2013 @ 12:05

  4. Da spricht das Eigenintersse der Versicherungswirtschaft BVK und auch PVK Eine Reform ist überfällig, alle müssen sich solidarisch an den Gesundheitskosten, auch der Geringverdiener beteiligen, nicht nur die GK-Versicherten sollen diese Kosten weiterhin allein tragen

    Kommentar von karl — 31. Mai 2013 @ 09:39

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

Kfz-Policen: Worauf Verbraucher beim Wechsel achten sollten

Viele Verbraucher machen beim Wechsel der Kfz-Versicherung den Fehler, nur auf den günstigsten Beitrag zu achten, nicht jedoch auf die besten Versicherungsbedingungen. Davor warnt der Bund der Versicherten (BdV). “Der Fehler rächt sich spätestens im Falle eines Schadens”, so BdV-Pressesprecherin Bianca Boss. 

mehr ...

Immobilien

Vonovia vereinbart Kooperation mit französischer Groupe SNI

Der Immobilienkonzern Vonovia und sein französisches Pendant, die Groupe SNI, haben vereinbart, zusammenzuarbeiten. Die Unternehmen wollen gemeinsam nach Wachstums- und Investitionsmöglichkeiten suchen.

mehr ...

Investmentfonds

Was Chinas Neusortierung tatsächlich bedeutet

Der 19. Parteikongresstag der Kommunistischen Partei Chinas im Oktober ändert politisch viel und ökonomisch – vorerst – nichts. Zu diesem Schluss kommt Witold Bahrke, Senior-Stratege bei Nordea Asset Management.

mehr ...

Berater

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Capital Stage baut institutionelles Erneuerbare-Energien-Portfolio aus

Die innerhalb der Capital Stage Gruppe auf das Asset-Management-Geschäft für institutionelle Anleger spezialisierte Chorus Clean Energy AG hat für einen von ihr gemanagten Luxemburger Spezialfonds weitere Solar- und Windparks in Deutschland mit einer Gesamterzeugungsleistung von nahezu 20 MW erworben.

mehr ...

Recht

Immobilienverkauf: Die wichtigsten Schritte für Käufer und Verkäufer

Beim Immobilienverkauf sind unabhängig von der Preisverhandlung einige Schritte nötig, die sich bei Käufer und Verkäufer gar nicht so sehr unterscheiden. Wie sich beide Parteien auf den Notartermin vorbereiten sollten und welche Dokumente dafür wichtig sind:

mehr ...