Anzeige
23. April 2013, 11:12
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Erwerbsminderungsrente: Zum Leben zu wenig

Jeder vierte Arbeitnehmer muss vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, so die Statistik der deutschen Rentenversicherung. Altersrente können die Betroffenen noch nicht in Anspruch nehmen – also wovon leben?

Gastbeitrag von Klaus Morgenstern, Deutsches Institut für Altersvorsorge

Erwerbsminderungsrente

Klaus Morgenstern, DIA

Das soziale Sicherungssystem sieht dafür die Erwerbsminderungsrente vor. Wer aus gesundheitlichen Gründen weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kann, wobei die Lage auf dem Arbeitsmarkt keine Rolle spielt, kann eine Erwerbsminderungsrente bekommen. Die Höhe richtet sich nach dem noch vorhandenen Arbeitsvermögen. Wer noch mindestens drei Stunden am Tag arbeiten kann, bekommt die halbe Erwerbsminderungsrente. Erst wenn auch das nicht mehr möglich ist, wird die volle Erwerbsminderungsrente gezahlt.

Erwerbsminderungsrente nach Entgeltpunkten

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente richtet sich nach den Entgeltpunkten, die der Versicherte bisher angesammelt hat. Die Jahre zwischen dem Eintritt der Erwerbsminderung und dem regulären Renteneintrittsalter werden als Zurechnungszeit behandelt, für die nach dem Durchschnitt der bisher erworbenen Entgeltpunkte weitere hinzugerechnet werden. Dann gibt es wieder Abschläge für jeden Monat, den der Rentenbeginn vor Vollendung des 63. Lebensjahrs liegt, maximal 10,8 Prozent.

Seit 2012 wird auch bei der Erwerbsminderungsrente das Regelrentenalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Entscheidend für die Betroffenen ist, dass zwischen der Erwerbsminderungsrente und dem bisherigen Einkommen eine große Lücke klafft.

Zum Vergrößern auf die Grafik klicken

Erwerbsminderungsrente

Nicht jeder erhält bei Erwerbsminderung eine Rente

Erst wenn der Versicherte in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, besteht ein Anspruch.

Diese als 3/5-Regel bezeichnete Voraussetzung entfällt nur bei voller oder teilweiser Erwerbsminderung wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Wehrdienstbeschädigung oder wenn eine volle Erwerbsminderung innerhalb von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung eingetreten ist. Es gilt eine Wartezeit von fünf Jahren, das heißt, der Antragsteller muss vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens fünf Jahre versichert gewesen sein. Wegen dieser Zugangsvoraussetzungen stehen Berufsanfänger in den ersten fünf Jahren meist ohne Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente da.

Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar

Weil die Erwerbsminderungsrenten nicht zum Leben reichen, ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ein Muss. Sie bewahrt vor dem finanziellen Ruin, wenn jemand wegen eines Unfalls oder einer Krankheit keine oder nur in sehr geringem Maße eine berufliche Tätigkeit ausüben kann.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollte so bemessen sein, dass sie die Lücke zwischen der Erwerbsunfähigkeitsrente und dem letzten Nettoeinkommen schließt. Weil die Prämien mit zunehmendem Abschlussalter steigen, wird es für Ältere schwierig, eine gute und bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden. Deshalb sollten schon junge Beschäftigte, am besten bereits bei Eintritt ins Berufsleben, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Vertrauensschutz für Ältere

Ausgenommen von der Erwerbsminderungsrente sind nur Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden. Sie können bei gesundheitlichen Einschränkungen eine Rente wegen Berufsunfähigkeit bekommen, wenn sie in ihrem bisherigen Beruf nicht mehr oder nur noch weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können – auch dann, wenn sie in einem anderen Beruf noch mindestens sechs Stunden einsetzbar wären.

Autor Klaus Morgenstern ist Mitglied des Sprecherkollegiums des Deutschen Instituts für Altersvorsorge in Berlin.

Foto: DIA

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

xbAV Beratungssoftware mit neuem Geschäftsführer

Boris Haggenmüller verantwortet als Geschäftsführer seit September 2017 das operative Geschäft der xbAV Beratungssoftware GmbH. Zuvor war er der verantwortliche Prokurist des Tochterunternehmens der xbAV AG.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Die Service-Champions

Welche Banken bieten deutschen Kunden den besten Kundenservice bei der Baufinanzierung? Die Kölner Beratungsgesellschaft Servicevalue hat Kunden der Banken hierzu befragt. Eine Bank konnte besonders überzeugen und sicherte sich einen “Gold-Rang”.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

IPP-Fonds der Deutschen Finance schütten aus

Der Asset Manager Deutsche Finance aus München kündigt für seine beiden Fonds IPP Institutional Property Partners Fund I und Fund II Auszahlungen für das Geschäftsjahr 2016 an die Privatanleger an.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...