Fondspolicen: Warten auf den Sinneswandel

Zugleich geht Mischler mit der eigenen Branche hart ins Gericht: „Den meisten Versicherungsunternehmen fehlt eine klare Positionierung. Man kann sich dem Kunden nicht einmal als Experte für konventionelle Produkte präsentieren und im nächsten Moment als Spezialist für fondsgebundene Produkte.“ Dies sei weder dem Markt noch den Kunden glaubhaft zu vermitteln und habe insbesondere den Fondspolicen geschadet, so Mischler. Für Unternehmen, die sich auf Fondspolicen spezialisiert haben und innovative Anlagekonzepte anbieten, gebe es hingegen sehr große Chancen, den Marktanteil deutlich zu steigern. Hier sei Standard Life als investmentorientierter Anbieter für Altersvorsorgeprodukte hervorragend positioniert, freut sich Mischler.

„Im vergangenen Jahr haben wir gegen Markttrend deutliche Zuwächse im fondsgebundenen Bereich erzielt. Ich bin mir sicher, dass sich dieser Trend fortsetzt und es uns für uns künftig großes Wachstumspotenzial gibt.“ Im vergangenen Frühjahr haben die Briten mit großem Marketing-Aufwand die fondsgebundene Rentenversicherung Maxxelllence Invest im deutschen Markt lanciert.

Nach eigenen Angaben sei diese „hervorragend“ gestartet, was auch am Werbeslogan „Die Rente ohne Börsenangst“ gelegen haben könnte. Wie dieses Versprechen ohne jegliche Garantie überhaupt einzulösen sei, erklärt Mischler so: „Dass deutsche Kunden nach wie vor sicherheitsorientiert sind, steht außer Frage. Es setzt sich aber immer mehr durch, dass es auch Lösungen gibt, die ohne kostspielige Garantien für mehr Sicherheit sorgen können.“

Mit dem sogenannten Capital Security Management System (CSM) habe man eine moderne Lösung auf den Markt gebracht, die in dieser Art einzigartig sei und ihren Platz als Alternative zu Garantien gefunden habe. Das CSM basiert auf einem automatisierten Trendfolgesystem. Deuten die Daten auf eine länger anhaltende Abwärtsbewegung hin, wird das Kapital in sicherheitsorientierte Fonds umgeschichtet. Bei einem anhaltend positiven Markttrend soll das Investment wieder in die ursprüngliche Fondsauswahl zurückgeführt werden. Die Fondspalette umfasst insgesamt 21 Fonds aus den wichtigsten Anlageklassen sowie drei aktiv gemanagte Fonds.

Garantie versus Sicherheit

Auf die vielfach im Markt verbreiteten dynamischen Drei-Topf-Hybrid-Konzepte verzichtet man hingegen bei Standard Life. Bei diesem Ansatz wird das Kapital auf drei Töpfe – den Deckungsstock mit einem Garantiezins von 1,75 Prozent, den Wertsicherungsfonds sowie auf frei wählbare Fonds – verteilt. „Drei- Topf-Hybride haben das Problem, dass sie nicht transparent sind und daher für den Endkunden nur schwer zu verstehen sind.

Zusätzlich wird es auch für Drei-Topf-Hybride im jetzigen Marktumfeld immer schwieriger, Garantien darzustellen, denn diese Produkte sind ebenfalls zum Teil auf den Garantiezins des konventionellen Deckungsstocks angewiesen“, kritisiert Mischler. Beim Anbieter Moneymaxx, der seit 2008 einen dynamischen Drei-Topf-Hybriden anbietet, hält man dagegen. So hätten Garantien im Rahmen von fondsgebundenen Versicherungen für viele Kunden einen hohen Stellenwert als „Reißleine nach unten“, sagt Expertin Tiedemann. Zwar räumt sie ein, dass es sehr stark von der weiteren Zinsentwicklung abhänge, ob die derzeitigen Garantiekonstrukte dauerhaft bestehen bleiben könnten, man sei aber von der Leistungsfähigkeit des Hybridprodukts überzeugt.

Kampf dem Cash-Lock-Effekt

Die entscheidende Komponente ist aus Sicht von Tiedemann der Wertsicherungsfonds. Dabei habe man sich bewusst für den DWS Garant 80 FPI entschieden, da die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank eine hohe Expertise im Bereich der Garantien aufweise.

Auch der Versicherer VHV aus Hannover setzt beim Wertsicherungsfonds im Rahmen seiner Fondsrente Variorente-Invest auf den DWS Garant 80 FPI. Dieser begrenze das Risiko von Kursverlusten und ermögliche damit weitere Investitionen in die renditeorientierte freie Fondsanlage, heißt es bei der VHV. Denn nur das Geld, das nicht für die Bruttobeitragsgarantie benötigt wird, kann in die freie Fondsanlage fließen – oftmals sind dies nur rund 20 Prozent der Beiträge – einige Anbieter, wie etwa die Stuttgarter Versicherung, versprechen immerhin 30 Prozent.

Zusätzlich zur Beitragsgarantie hat die VHV eine Höchststandgarantie eingeführt, wodurch Kursgewinne während der Laufzeit abgesichert werden sollen und der sogenannte Cash-Lock-Effekt „auf ein Minimum“ reduziert werden könne. Diese Gefahr ist vor allem bei kurzfristigen Verträgen gegeben, nämlich immer dann, wenn das Ende der Vertragslaufzeit mit einem Börsenabschwung zusammenfällt und somit die Anteilswerte unter das Einstiegsniveau sinken.

Zurich bleibt bei I-CPPI

Beim Versicherer Zurich kooperiert man bereits seit vielen Jahren mit der DWS. Statt eines dynamischen Drei- Topf-Hybriden setzt man allerdings auf das I-CPPI-Modell (Individual Constant Proportion Portfolio Insurance) der Fondsgesellschaft. Das Produkt verzichtet komplett auf den Deckungsstock und bildet die Garantie nur über das Umschichten zwischen Fonds mit unterschiedlichen Risikoklassen ab. „Dabei stellt sich das Portfolio täglich den Herausforderungen der Märkte und wird für jeden Kunden individuell angepasst“, verspricht der Vorstand des Bonner Unternehmens Nagel.

„Klassik“ beerdigt

Klassische Lebens- und Rentenversicherungsprodukte bietet Zurich hingegen seit Jahresbeginn 2013 nicht mehr aktiv an. Sicherheitsorientierten Kunden offeriere der Versicherer mit dem Konsortialprodukt „Renteclassic select“ eine Alternative, so Nagel. Der Zurich-Mann ist sicher, dass Fondspolicen zukünftig einen größeren Anteil am Neugeschäft für Lebensversicherungen ausmachen werden.

„Durch diese Produkte können Kunden neben Rendite und Sicherheit auch von vielen weiteren Vorteilen profitieren, die zum Beispiel ein Fondssparplan in dieser Form nicht bietet“, sagt Nagel. Dies sei beispielsweise die Absicherung der Beiträge gegen Berufsunfähigkeit oder Tod, die Ersparnis der Abgeltungssteuer während der Ansparphase sowie die lebenslange Rentenzahlung. Um zusätzlich dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis der Kunden Rechnung zu tragen, hat die Telefunken Invest Management AG mit Sitz in Berlin im Sommer 2012 eine Multi-Sachwert-Police aufgelegt.

„Anlegern ist bewusst, dass der Aktienmarkt mit hohen Volatilitäten zu kämpfen hat und mit den damit verbundenen Risiken. Diese Zielgruppe sucht Sicherheit, was sich auch im Erfolg der Kapitallebensversicherung ausdrückt und in dem Wunsch nach Sachwertvermögen. Eine typische Fondspolice kann dies nicht bieten, da sie nur an der Entwicklung von Börsenwerten partizipiert, ohne selbst Sachwerte zu besitzen. Dies war für uns der Grund für die Entwicklung einer anteilsgebundenen Sachwertpolice“, führt Kent Schwirz, Geschäftsführer der Telefunken Vertriebs GmbH, aus.

Bereits seit eineinhalb Jahren ist die Immobilien-Police der Robustus GmbH mit Sitz in Berlin am Markt. Das Immobilien-Asset-Management obliegt der Fairvesta- Unternehmensgruppe, während die Wealth Assurance AG in Liechtenstein als Versicherungspartner fungiert. Investiert wird schwerpunktmäßig in Immobilien und immobiliennahe Anlagen in Deutschland.

Wer steuert hier wen?

Innovative Ansätze wie diese sollen nach Überzeugung der Brancheninsider keine Einzelfälle bleiben: „Die Innovationskraft im Bereich der Fondspolice ist aus meiner Sicht noch nicht ausgeschöpft“, sagt HDI-Vorstand Frieg. So fordere das Niedrigzinsszenario innovative Produkte und alternative Vorsorgekonzepte mit und ohne Garantien, die in der Lage seien, Risiken in allen Marktphasen dynamisch zu steuern, ist sich Frieg sicher. Der Branche steht damit noch eine wahre Herkulesaufgabe bevor, denn viele Anleger haben eher das Gefühl, dass die Versicherer von den Risiken gesteuert werden – und nicht umgekehrt. (lk)

Fotos: Shutterstock und Frank Seifert

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