Beitragsschuldenstrudel: Debatte um Notlagentarif

Säumigen Zahlern dürfen private Versicherer und Krankenkassen mit der Einführung der allgemeinen Versicherungspflicht zwar nicht mehr kündigen, doch die Beitragsschulden bleiben bestehen. Der sogenannte Notlagentarif soll die Schuldenspirale verlangsamen.

In der privaten Krankenversicherung (PKV) gibt es nach Verbandsangaben rund 144.000 Nichtzahler, welchen mit Einführung der Versicherungspflicht zum 1. Januar 2009 nicht mehr gekündigt werden darf. Die Beitragsrückstände summierten sich nach vorläufigen Zahlen 2012 auf rund 745 Millionen Euro. Die Bundesregierung plant einen Gesetzentwurf, der die Einführung eines sogenannten Notlagentarifs mit einem Monatsbeitrag von etwa 100 Euro vorsieht.

Versicherte, die ihre Beiträge nicht zahlen können oder wollen, sollen demnach nach einem gesetzlich festgelegten Mahnverfahren in diesen Tarif überführt werden. Dieser deckt die Kosten für akute Erkrankungen sowie Schwangerschaften.

Versicherungswirtschaft begrüßt Notlagentarif

„Dem avisierten, sehr preisniedrigen Notlagentarif stehen wir als Unternehmen positiv gegenüber – insbesondere, weil dadurch weitere Verschuldungen von in finanzielle Not geratenen Versicherten weitgehend gestoppt werden. Gleichwohl stehen den Betroffenen ausreichende Notfallleistungen zu“, sagt Peter Thomas, Vorstandsvorsitzender Inter Versicherungsgruppe aus Mannheim

Doch es gibt auch Krankenversicherungsexperten, die sich kritisch zur Initiative der Bundesregierung äußern, so etwa Patrick Ott vom Maklerunternehmen Neue Krankenversicherung (Neue KV): „Der Nottarif doktert nur an ein paar Symptomen herum und entlastet vor allem die deutschen PKV-Unternehmen, ohne den Versicherten eine wirkliche Besserung zu gewähren.“

Der Notlagentarif sei vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen eine Notlösung, die einen Wechsel zu einer anderen Versicherung unmöglich machen, so Ott. „Für all diejenigen, die nur darunter leiden, dass ihre ehemaligen Billigtarife im Preis explodiert sind, ist das keine wirkliche Lösung.“ Sie bräuchten eine bezahlbare Krankenversicherung mit soliden Leistungen. Ott verweist dazu auf den Ausweg „europäische Krankenversicherung“.

Sein Haus vermittelt Policen von Anbietern aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), beispielsweise von der britischen Tochterniederlassung des US-Versicherers Aetna. Laut Ott funktionieren die EWR-Dienstleister ähnlich wie deutsche PKV-Unternehmen, das heißt Versicherte gehen im Krankheitsfall in Vorleistung.

Seite zwei: Europäische Police als Brücke

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