22. Mai 2014, 08:15
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

BU-Leistungsregulierung: Versicherer keine Drückeberger

Es ist ein beliebtes Vorurteil bei Vorsorgeskeptikern, dass sich Versicherer im Ernstfall um eine BU-Leistungsregulierung herumdrücken. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass von einer systematischen Benachteiligung der Versicherungsnehmer keine Rede sein kann.

Leistungsregulierung

Hauptablehnungsgrund ist nach wie vor die fehlende Reaktion des Kunden im Rahmen der Leistungsfallbeantragung.

Die objektive Einsicht, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist, macht den BU-Abschluss nicht unbedingt zu einer Selbstverständlichkeit. Die im April veröffentlichte “Biometrie-Studie” im Auftrag der Gothaer Versicherung ergab, dass jeder dritte Erwerbstätige (31 Prozent) die am Markt angebotenen BU-Tarife als zu teuer erachtet. Jeder fünfte (20 Prozent) kritisiert die Leistungen der Versicherungen als zu gering oder fürchtet, dass diese im Ernstfall nicht erbracht werden.

Vorurteil Leistungsregulierung

Dem beliebten Vorurteil, dass sich Versicherer im Ernstfall um eine Leistungsregulierung herumdrücken, tritt Branchenbeobachter Michael Franke entgegen: “Die Regulierungspraxis der Gesellschaften weist im Schnitt keine besonderen Auffälligkeiten auf. Im Gegenteil hat sich gezeigt, dass sich die relevanten Kennzahlen in den letzten Jahren verbessert haben oder zumindest konstant geblieben sind”, sagt der Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg.

Der BU-Experte und sein Team haben Stichproben von mindestens 100 Leistungsfällen von jeweils sieben Versicherer, die zusammen mehr als 50 Prozent des Gesamtmarkts repräsentieren, untersucht. “Auch wenn es umstrittene Fälle gibt, zeigen die Ergebnisse der Studie eindeutig, dass die Vorwürfe einer systematischen Benachteiligung von Versicherungsnehmern durch Fakten nicht zu belegen sind und nicht dem Gesamtbild entsprechen”, betont Franke.

Ablehnungen aus medizinischen Gründen

Auf die rund 22.400 BU-Leistungsfall-Neuanmeldungen 2012 entfallen demnach rund 13.200 Anerkenntnisse (59 Prozent), 3.600 vorsorgliche Anmeldungen, die von Anspruchstellern nicht weiter verfolgt wurden (16 Prozent) und 5.600 Ablehnungen (25 Prozent).

Der Großteil der Ablehnungen wird laut Franke und Bornberg aus medizinischen Gründen ausgesprochen (38 Prozent), da der nötige BU-Grad von meistens 50 Prozent nicht erreicht worden sei.

Experte Franke moniert allerdings, dass rund 31 Prozent der Ablehnungen aus Anfechtungen und Rücktritten der Versicherer resultierten: “Die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht ist durch Aufklärung von Verbrauchern und Vermittlern überwiegend vermeidbar. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass dieser Anteil bei den untersuchten Unternehmen seit Jahren rückläufig ist.”

Versicherer optimieren Antragsprozess

Diese Sichtweise wird von Frankes Mitbewerber Morgen & Morgen geteilt. Es sei davon auszugehen, so das Hofheimer Analysehaus, dass die Versicherer den Antragsprozess zunehmend dahingehend optimiert haben, die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht zu reduzieren.

In nicht einmal zehn Prozent der beantragten Leistungsfälle gilt die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht als Ablehnungsgrund. 2008 waren es noch 15 Prozent. Diese Verbesserung macht sich auch im Ranking der häufigsten Ablehnungsgründe positiv bemerkbar: Statt Platz drei steht hier nur noch Platz fünf zu Buche. Hauptablehnungsgrund ist nach wie vor die fehlende Reaktion des Kunden im Rahmen der Leistungsfallbeantragung.

Viele Versicherer unterstützen ihre Vertriebspartner inzwischen mit optimierten und beschleunigten Prozessen, lobt Morgen & Morgen, und verweist auf folgende Beispiele: Quick-Checks zur Auskunft über Vorerkrankungen direkt am Point-of-Sale, Vertragsunterzeichnung am Unterschriften-Pad, Tele-Underwriting und Tele-Claiming sowie Apps für das Smartphone. Neue Ideen und Technologien wie diese, machten vieles leichter und komfortabler, so das Fazit der Analysten. (lk)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Eine BU ist leider nicht günstig aber ischer wichtig. Und wenn nicht ständig in den Medien von ein paar abgelehnten Fällen berichtet werden würde dann wäre das Vertrauen auch größer. Und zur Sicherheit immer mal eine Rechtsschutzversicherung mit abschließen.

    Kommentar von Jan Lanc — 23. Mai 2014 @ 14:09

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Gefahr für eine zweite Corona-Welle steigt: Stärkerer Anstieg der Krankschreibungen bei Jüngeren

Bei jungen Menschen sind die Krankschreibungen wegen einer Covid-19-Infektion in den letzten Wochen wieder deutlich angestiegen. Das geht aus einer neuen Auswertung der Barmer hervor. Innerhalb von vier Wochen (vom 21. Juni bis 18. Juli) sind demnach die Fallzahlen in der Gruppe der bis 39-Jährigen um 31 Prozent gestiegen, von 744 auf 978.

mehr ...

Immobilien

Bestandsmieten wachsen stärker als Neuvertragsmieten

Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis-und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 2. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 1,7 % und im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,1 %. Die mit dem Index gemessene Wachstumsdynamik hat sich also im Verlauf des 2. Quartals 2020 in der Gesamtschau des deutschen Wohnimmobilienmarktes abgeschwächt, wobei vor allem die Preise für Einfamilienhäuser die größten Wachstumsbeiträge lieferten, erklärt F+B-Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner.

mehr ...

Investmentfonds

“Die TikTok-Affäre ist eine tickende Zeitbombe”

„Die TikTok-Affäre ist eine tickende Zeitbombe, die den internationalen Wettbewerb bedroht“, sagt Jacques-Aurélien Marcireau, Co-Head of Equities und Portfoliomanager des EdR Fund Big Data bei Edmond de Rothschild Asset Management.

mehr ...

Berater

Mehr Durchblick bei Girokonto-Gebühren – Vergleichswebseite gestartet

Die erste unabhängige und kostenlose Internetseite zum Vergleich von Girokonten-Kosten ist an den Start gegangen. Der TÜV Saarland erteilte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dafür dem Vergleichsportal Check24 die Zertifizierung.

mehr ...

Sachwertanlagen

Trotz Corona: Schroders sammelt über 400 Millionen Euro für Hotelfonds ein

Die Immobilien-Sparte des Investment und Asset Managers Schroders hat nach einer weiteren Schließung bisher 425 Millionen Euro an Kapitalzusagen für seinen ersten Hotelfonds, den Schroder European Operating Hotels Fund I, eingesammelt. Die für diese Branche besonders gravierenden Auswirkungen der Pandemie waren dafür kein Hinderungsgrund.

mehr ...

Recht

Corona-Hilfskredite: Große Herausforderungen

Der Gesetzgeber hat auf die Coronakrise mit vielfältigen Maßnahmen zügig reagiert. Generell zielen die Maßnahmen darauf ab, die Folgen für Privatpersonen und Verbraucher abzufedern. Wie mit Krediten umzugehen ist, die an Unternehmen projektbezogen oder zur laufenden Finanzierung des Geschäftsbetriebs ausgereicht wurden. Gastbeitrag von Rechtsanwalt Dr. Ferdinand Unzicker

mehr ...