„Kostensenkungen allein reichen nicht aus“

Frank Neuroth, Mitglied des Vorstands der Ergo Lebensversicherung, erklärt im Cash.-Interview, wie das Unternehmen seine Produktstrategie im Niedrigzinsumfeld ausrichtet und wehrt sich gegen die Kritik, dass die neu entwickelten Produkte der Lebensversicherer viele Kunden überfordere.

Frank Neuroth, Ergo: „Sämtliche Produkte, die auf dem Modell der klassischen Kapitallebensversicherung basieren, stehen auf dem Prüfstand.“

Cash.: Auf dem Neujahrspresseempfang der Bafin empfahl Bafin-Präsidentin Dr. Elke König den Versicherern, dass sie Kosten sparen und innovative Produkte auf den Markt bringen sollten, um den niedrigen Zinsen zu begegnen. Welcher der beiden Handlungsansätze ist für Sie von vordringlicher Bedeutung?

Neuroth: Wir sind einer der Vorreiter im Markt und bieten seit 2013 neue Lebensversicherungsprodukte an, die den heutigen Anforderungen besser gerecht werden. Kostensenkungen sind wichtig, reichen allein aber nicht aus um mit den extrem niedrigen Zinsen fertig zu werden.

Zudem kritisierte König, dass sich die Kunden bei den von der Branche seit 2013 entwickelten Produkten zwar objektiv auf das Leistungsversprechen verlassen könnten, subjektiv würden aber viele Produkte als „unverständlich und zu komplex“ empfunden. Haben Sie Verständnis für die Kritik?

Für die Kunden sind unsere neuen Produkte gut verständlich, da wir großen Wert auf Transparenz gelegt haben. Klassische Lebensversicherungen sind eigentlich im Vergleich komplexer und schwerer zu verstehen. Ein Teil der Kritik ist eine reine Insider-Diskussion, die unsere Kunden kaum interessiert.

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Mit einer neuen fondsgebundenen Direktversicherung versucht Ihr Haus verstärkt im schwierigen Geschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen Fuß zu fassen. Ist dies so zu verstehen, dass der betrieblichen Altersversorgung in der Ergo-Produktstrategie ein höherer Stellenwert als bisher zukommen soll?

Die betriebliche Altersversorgung hatte für Ergo schon immer einen hohen Stellenwert. Im Bereich der Großunternehmen sind wir bereits einer der größten Anbieter. Da wir bei kleinen und mittleren Unternehmen den größten Bedarf sehen wollen wir unsere Marktstellung dort ausbauen.

Welche Produktformen würde Ihr Haus gegebenenfalls im Gegenzug künftig weniger stark forcieren – insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich immer mehr Versicherer, so bereits auch die Ergo Direkt, aus dem aktiven Riester-Geschäft zurückziehen?

Sämtliche Produkte, die auf dem Modell der klassischen Kapitallebensversicherung basieren, stehen auf dem Prüfstand. Bei der Direktversicherung bieten wir seit Januar nur noch die neu entwickelte fondsgebundene Variante an. Riester bleibt ein Teil unseres Versorgungskonzepts, gerade für Geringverdiener und Familien.

Das Produkt ist inzwischen jedoch so komplex, dass es beispielsweise für einen Direktversicherer kaum noch darstellbar ist. Wir hoffen, dass der Gesetzgeber bald den Weg für einfachere Lösungen freimacht.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Katrin Stein

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