25. August 2015, 14:46
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

GKV in Not: Höhere Beiträge und steigende Kassendefizite drohen

Angesichts steigender Defizite der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) müssen deren Versicherte im kommenden Jahr mit höheren Beiträgen rechnen. “Zum Jahreswechsel ist ein Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes um 0,2 bis 0,3 Beitragssatzpunkte realistisch”, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes Florian Lanz am Dienstag in Berlin.

GKV in Not: Höhere Beiträge und steigende Kassendefizite

Durch das Einfrieren des Arbeitgeberanteils bei der GKV-Finanzreform müssten nun allein die Versicherten die stetig steigenden Kosten schultern, sagte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink.

“Für die Mehrausgaben für Kliniken, Ärzte und Medikamente reicht der gesetzliche Einheitsbeitragssatz nicht”, fügte Lanz hinzu.

Kassen verzeichnen steigende Defizite

Die gesetzlichen Krankenkassen fuhren nach einem Bericht des “Handelsblatts” (Dienstag) im ersten Halbjahr 2015 ein Defizit von fast einer halben Milliarde Euro ein. Bei den Innungskrankenkassen habe sich das Defizit binnen Jahresfrist auf 118 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Mit einem Minus vor rund 100 Millionen Euro schnitten demnach die Betriebskrankenkassen ähnlich ab.

Bei den Ersatzkassen sei der Fehlbetrag zwar geschrumpft, betrage aber immer noch 191 Millionen Euro. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) verzeichneten in diesem Zeitraum ein Defizit von 110 Millionen Euro.

Durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 0,9 Prozentpunkten erwartet

Der Beitragssatz zur Krankenversicherung setzt sich seit Jahresbeginn zusammen aus einem allgemeinen, festen Bestandteil von 14,6 Prozent, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte bezahlen, sowie einem Zusatzbeitrag. Diesen müssen die Kassen je nach Finanzlage regelmäßig neu bestimmen, er wird allein von den Arbeitnehmern aufgebracht. Für das laufende Jahr wird mit einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozentpunkten gerechnet.

Das Ministerium wollte sich dazu nicht äußern. Es verwies auf den Schätzerkreis, der seine Prognose im Oktober vorlegen will. Die “Bild”-Zeitung zitierte indessen aus einer Unterrichtung des Bundestages durch das Finanzministerium, in der “eine Steigerung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags bei der Gesetzlichen Krankenversicherung” nicht mehr völlig ausgeschlossen scheint.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink sagte, die Versprechungen von sinkenden Beiträgen für die Versicherten seitens Minister Hermann Gröhe (CDU) noch Ende letzten Jahres “waren nur Augenwischerei. Klar ist: Bis 2017 werden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Zusatzbeiträgen von 1,4 bis zwei Prozent rechnen müssen.” Durch das Einfrieren des Arbeitgeberanteils bei der GKV-Finanzreform müssten nun allein die Versicherten die stetig steigenden Kosten schultern.

KKH Kaufmännische Krankenkasse warnt vor Kostenabwälzung auf Versicherte

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse warnte davor, drohende Kostensteigerungen im Gesundheitswesen ausschließlich auf die Versicherten abzuwälzen. “Von einem funktionierenden Gesundheitssystem profitiert der Wirtschaftsstandort insgesamt, daher sollten auch die Arbeitgeber an der Finanzierung der höheren Kosten beteiligt werden”, sagte KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit.

Quelle: dpa-Afx

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Gothaer Kranken: Sylvia Eichelberg übernimmt 2021 Vorstandsvorsitz

Dr. Sylvia Eichelberg wird zum 1. Januar 2021 neue Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung. Eichelberg kommt von der Axa Konzern AG. Sie übernimmt die Aufgaben von Oliver Schoeller, der den Vorstandsvorsitz seit 2017 innehatte.

mehr ...

Immobilien

Erneuerbare-Energien-Investments statt Immobilien

Die Rendite-Risiko-Schere zwischen Investments in Erneuerbare Energien und Immobilien öffnet sich. „Beide Anlageklassen sind vor allem für institutionelle Investoren eine Alternative zueinander“, sagt Markus W. Voigt, CEO der aream Group. „Während beide ungefähr die gleiche Rendite erwarten lassen, steigt das Risiko bei Immobilien derzeit steil an.“

mehr ...

Investmentfonds

“Big Movers auf dem Vormarsch”

Wir befinden uns jetzt in einer sehr wichtigen Woche für die Märkte und die Weltwirtschaft. Die Märkte zeigen typischerweise signifikante Bewegungen, wenn unerwartete Daten oder politische Ankündigungen auf der Tagesordnung stehen – und es gibt in der Tat vieles, was in dieser Woche für Aufregung sorgen könnte. Die Marktteilnehmer werden die Entwicklungen an den folgenden Fronten beobachten. Ein Beitrag von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

mehr ...

Berater

Genossenschaftsbanken wehren sich gegen Check24

Das Vermittlungsportal Check24 hat wegen seines Einstiegs ins Bankgeschäft Ärger mit Volks- und Genossenschaftsbanken. Der Verband der Sparda-Banken und der bayerische Genossenschaftsverband (GVB) fordern die Bundesregierung zum Einschreiten auf, weil sie einen Interessenkonflikt sehen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Isaria verkauft zwei Wohnanlagen in München an DWS-Spezialfonds

Die Münchner Isaria hat insgesamt 219 Wohnungen für 119,2 Millionen Euro an den Vermögensverwalter DWS für einen institutionellen Spezialfonds veräußert. Das Projekt wird die mittlerweile zur Deutschen Wohnen gehörende Isaria München Projektentwicklungs GmbH im Auftrag der Isaria Wohnbau AG schlüsselfertig erstellen.

mehr ...

Recht

 Pfandkredit: Das schnelle Geld aus dem Pfandleihhaus 

Laut dem Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZdP) werden jährlich über 630 Millionen Euro an Krediten von rund 250 Mitgliedsbetrieben ausbezahlt. Die etwa eine Million Kunden, die diese unbürokratischen Blitz-Kredite nutzen, kommen aus allen Schichten. In Corona-Zeiten boomt das Geschäft mit Pfandkrediten. Für wen sich eine Pfandleihe lohnt?

mehr ...