Zinsanstieg in der Lebensversicherung: BdV kritisiert Bundesbank-Studie

Der Bund der Versicherten (BdV) hat scharfe Kritik an einer Studie der Bundesbank geübt, aus der hervorgeht, dass deutsche Lebensversicherer bei einem Zinsanstieg in Gefahr geraten könnten. Die „Panikmache“ der Bundesbank gehe an der Realität vorbei, teilte der BdV am Dienstag mit.

Historische Erfahrungen hätten gezeigt, dass ein Zinsanstieg „keine realistische Gefahr“ für die Lebensversicherer sei, argumentiert der BdV.

Wie „Spiegel Online“ am Samstag berichtete, halten es die Studienautoren der Bundesbank für möglich, dass viele Kunden infolge eines Zinsanstiegs ihre Lebensversicherungen kündigen, um in besser verzinste Alternativanlagen zu wechseln.

„Verbraucherverhalten jenseits jeglicher Realität“

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV, kritisierte dieses Szenario als „Panikmache“: „Diese Studie unterstellt ein Verbraucherverhalten jenseits jeglicher Realität und missachtet zudem einfache Grundregeln der Lebensversicherung.“ So berücksichtige die Studie etwa nicht, dass Stornoabzüge und andere Senkungen der Auszahlbeträge eine Kündigung unattraktiv machten.

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Zudem hätten historische Erfahrungen gezeigt, so die Argumentation der Verbraucherschützer, dass ein Zinsanstieg „keine realistische Gefahr“ für die Lebensversicherer sei. Der BdV verweist dazu auf Erfahrungen in den 1980er Jahren: In dieser Zeit seien die Zinsen sehr deutlich gestiegen, eine Kündigungswelle habe es dennoch nicht gegeben. „Die Studie unterstellt einen finanzrationalen Kunden“, so Kleinlein. Den habe es jedoch „weder damals noch heute“ gegeben.

BdV sieht bei Lebensversicherungen nur „eingeschränkte Wechselmöglichkeiten“

Der BdV betont darüber hinaus, dass Versicherte nur „eine eingeschränkte Möglichkeit“ hätten, von einem Lebensversicherungsvertrag in eine alternative Anlage zu wechseln. Hohe anfängliche Abschlusskosten, Stornoabzüge und starke Einschränkungen in der Überschussbeteiligung verhinderten dies, heißt es. „Lebensversicherungen sind zu unflexibel um tatsächlich auf Marktänderungen wie einen Zinsanstieg reagieren zu können“, so Kleinlein. (lk)

Foto: Shutterstock

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