Anzeige
14. Dezember 2015, 11:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Versicherungsbranche befindet sich nicht in Schockstarre”

Christian Mylius, Partner bei Innovalue Management Advisors, spricht über die wichtigsten Aufgaben, die 2016 von den Versicherern zu lösen sind, den wuchernden “Start-up-Dschungel” und erklärt, warum die Branche keine Angst vor Fintechs haben sollte.

Start-ups

Christian Mylius: “Wir beobachten auf Versicherer-Seite ein gewisses Selbstbewusstsein, denn man hat erkannt, dass viele Fintechs auch nur mit Wasser kochen und auf dieselben Herausforderungen stoßen.”

Cash.: Das Jahr 2016 hält umfassende Veränderungen für die Versicherer bereit: Das EU-Finanzregelwerk Solvency II tritt in Kraft, zudem müssen sich die Unternehmen verstärkt mit den Themen “Big Data” sowie der fortschreitenden Vernetzung von Kunden, Vermittlern und Unternehmen befassen. Welchen Hausaufgaben muss die Branche dabei Vorrang einräumen?

Mylius: Die Erfüllung regulativer Anforderungen zum Beispiel im Hinblick auf Solvency II, die Zinszusatzreserve oder das LVRG, aber auch die Brancheninitiativen “Verhaltenskodex” oder “gut beraten” werden sicherlich für Beschäftigung sorgen. Darüber hinaus sollten sich die Versicherer mit ihren Kunden und dem sich massiv veränderten Informations- und Abschlussverhalten befassen.

Dabei müssen zentrale, erfolgskritische Fragen beantwortet werden: Welche Kunden erreichen wir eigentlich noch über welchen Zugangskanal? Wie können wir unsere Vermittler auf dem Weg in das digitale Zeitalter und letztlich auch bei der Bindung bestehender Kunden unterstützen? Welche Technologien braucht es dafür? Wie müssen Produkt- und Preisstrategie ausgerichtet werden, um in allen Zugangswegen, die von den Kunden genutzt werden, präsent und erfolgreich zu sein? Insofern haben die Versicherer im nächsten Jahr eine Menge an Hausaufgaben zu erledigen.

Der Hebel für neue Start-up-Unternehmen im Versicherungsmarkt sei der Kundenkontakt, da traditionelle Versicherer dort eine Schwäche hätten, sagte Ihr Branchenkollege Peter Heidkamp von KPMG der “Börsen-Zeitung”. Stimmen Sie dem zu?

Die Schnittstelle zum Kunden ist sicherlich relevant und bietet Angriffspunkte für digitale Start-ups, die sogenannten Fintechs beziehungsweise Insurtechs. Hier ist in letzter Zeit viel passiert. Wir beobachten mittlerweile mehr als 100 digitale Start-ups in Deutschland, die aber nicht alle auf die Kundenschnittstelle zielen. Es gibt viele spannende Start-ups, die andere Teile der Wertschöpfungskette angreifen und teilweise versuchen, das Versicherungsgeschäft ein Stück weit neu zu definieren, so zum Beispiel Bought by Many oder Oscar.

Auf der anderen Seite erleben wir derzeit einen gewissen Hype. Denn beim genauen Hinschauen ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Wir begreifen es als eine unserer Aufgaben, in diesem “Start-up-Dschungel” für Orientierung zu sorgen. Denn wir können sehr gut bewerten, ob ein Insurtech lediglich versucht, ein analoges Geschäftsmodell zu digitalisieren, oder über die technologische Grundlage und damit Skalierbarkeit verfügt, um den etablierten Anbietern wirklich gefährlich zu werden.

Seite zwei: “Fintechs nicht nur als Gefahr begreifen

Weiter lesen: 1 2

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Axa strukturiert Vorstand um – Dahmen geht

Die Axa gibt ihrem Konzern in Deutschland zum 1. Januar eine neue Struktur. Dazu wird der Versicherer die Vorstandsressorts bündeln, um damit gezielt für weiteres Kundenwachstum aufgestellt zu sein.

mehr ...

Immobilien

Gebrauchtimmobilie: Gekauft wie gesehen?

Beim Kauf einer gebrauchten Immobilie sollte nicht gleich der erste Eindruck entscheiden. Wer genauer hinschaut, kann teure Überraschungen vermeiden. Ist der Vertrag erst unterschrieben, wird es schwierig, Baumängel geltend zu machen.

mehr ...

Investmentfonds

Der Weg zur Planwirtschaft

Die expansive Geldpolitik lähmt Innovationen und lässt Blasen entstehen, die platzen werden. Die größte Gefahr ist, dass gescheiterte Unternehmen verstaatlicht werden. Davor warnte gestern auf dem Faros Institutional Investors Forum Professor Gunther Schnabl. Gibt es einen Ausweg aus diesem Szenario?

mehr ...

Berater

EZB-Präsident und Deutsche-Bank-Chef fordern Kapitalmarktunion

EZB-Präsident Mario Draghi und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing haben einmal mehr einheitliche Regeln für Banken und die Kapitalmärkte in Europa gefordert. Das sei die einzige Antwort auf die Bedrohungen denen sich die Währungsunion ausgesetzt sehe.

mehr ...

Sachwertanlagen

Noch immer Prozesse rund um die Göttinger Gruppe anhängig

Die Pleite der Securenta/Göttinger Gruppe im Jahr 2007 beschäftigt noch immer die Gerichte. Das belegt ein aktueller Beschluss des BGH: Er hatte in Zusammenhang mit einer überlangen Verfahrensdauer eines der Prozesse zu entscheiden. 

mehr ...

Recht

Kampf ums “Bayerische”: Watschn vom Richter

Nach langwierigem Prozess über zwei Instanzen wird ein Hahnenkampf zweier Versicherungen ums “Bayerische” aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Offensichtlichen enden: Ein bayerisches Unternehmen darf sich auch bayerisch nennen.

mehr ...