„Das Bewusstsein für Risiken muss geschärft werden“

Hochwasserpass und Resilizen-Pass sollen Hausbesitzern helfen, Umweltrisiken realistisch einzuschätzen. Cash. sprach darüber mit Rolf Mertens und Jens Birnbaum, Experten für die Haftpflicht-, Hausrat- und Wohngebäude-Versicherungen der Ergo Group.

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Rolf Mertens (links) und Jens Birnbaum, beide Ergo: „Uns ist wichtig, dass sich unser Kunde mit dem Schadenrisiko seines Gebäudes auseinandersetzt.“

Der Hochwasserpass für Hausbesitzer könne ein wirkungsvolles Beratungsinstrument sein, um Hauseigentümer über das tatsächliche Ausmaß der Bedrohung aufzuklären, heißt es bei Ergo. Was hat es mit dem Hochwasserpass auf sich?

Birnbaum: Der Hochwasserpass ist eine Initiative des Hochwasser-Kompetenz-Centrums und dient der Standortanalyse und Bewertung von bestehenden oder geplanten Privat- und Gewerbeimmobilien in hochwassergefährdeten Gebieten. Ziel ist es, die Bürger über Gefahrenpotenziale und Risiken zu informieren, zum Beispiel durch Hochwasser, Starkregen oder Rückstau. Wir nutzen den Hochwasserpass bei der Kundenberatung. Uns ist wichtig, dass sich unser Kunde mit dem Schadenrisiko seines Gebäudes auseinandersetzt. So kann er ein Bewusstsein für mögliche Gefährdungen entwickeln. Denn nur wer sein Risiko kennt, versichert sich auch dagegen und betreibt Eigenprävention.

Der GDV schlägt vor, dass analog zum Hochwasserpass ein „Resilienz-Pass“ eingeführt wird, der einem Gebäude bescheinigen soll, bestimmte Wetterereignissen widerstehen zu können. Begründen Sie die Forderung oder besteht die Gefahr Immobilienbesitzer mit noch mehr Bürokratie zu überfordern?

Birnbaum: Das Bewusstsein für Risiken muss geschärft werden. Wir begründen alle Bemühungen in diese Richtung. Ein „Resilienz-Pass“ kann daher ein hilfreiches Instrument sein, um Risiken zu erkennen, individuelle Schutzmaßnahmen abzuleiten und sie baulich umzusetzen.

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In der Schaden- und Unfallversicherung blieb die Schaden Kosten-Quote in 2015 nach GDV-Angaben stabil bei 96 Prozent nach knapp 95 Prozent im Vorjahr. „Dafür, dass die Schadenleistungen fast doppelt so stark gestiegen sind wie die Beitragseinnahmen, ist das ein vergleichsweise gutes Ergebnis“, sagte GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland. Erwarten Sie in der Zukunft weiter steigende Schadenleistungen und welche Folgen hätte dies für die Branche und ihre Kunden?

Mertens: Die Fehlentwicklungen in einzelnen Produkten werden über alle Sparten und Produkte kompensiert. Der Trend in der Wohngebäudeversicherung geht bei den Schadenaufwänden und -häufigkeiten weiter nach oben. In den letzten Jahren haben besonders die wetterbedingten Schäden zugenommen, vor allem durch Blitzschläge, Starkregen, Hagel und starke Windböen. Die dadurch verursachten Belastungen müssen durch Beitragsanpassungen ausgeglichen werden. Versicherer achten daher zunehmend darauf, Prämien risikoadäquat zu berechnen. In der Hausratversicherung erleben wir derzeit eine signifikante Zunahme von Einbruchdiebstählen. Diese Entwicklung müssen wir in den kommenden Jahren durch Aufklärung und Beratung stoppen.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Guido Schiefer

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen Cash.-Magazin 06/2016.

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