GDV: Keine Konsolidierungs-Welle in Sicht

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erkennt im Gegensatz zur öffentlichen Diskussion derzeit keinen Konsolidierungstrend im Versicherungsmarkt. Eine aktuelle Studie lässt sogar eine Zunahme bei Anbietern und beim Produktangebot vermuten. 

Klaus Wiener neu in der GDV-Geschäftsführung
Klaus Wiener, GDV: „Gerade die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten für ganz unterschiedliche Strategien.“

Angesichts der seit Jahren rückläufigen Zahl von Versicherungsunternehmen wird oft auf eine Konsolidierungswelle geschlossen. „Anders als häufig vermutet, gibt es dafür aber keine Anzeichen“, sagt GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener. „Gerade die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten für ganz unterschiedliche Strategien. Die Vielfalt der Anbieter und des Produktangebots könnte deshalb sogar zunehmen.“ Wie die GDV-Untersuchung zeigt, hängt der Erfolg dabei nicht von der Unternehmensgröße ab.

Der deutsche Versicherungsmarkt ist vielfältig: Das Spektrum reicht vom globalen Konzern bis zum regionalen Versicherer, von der Versicherungs-AG über Versicherungsvereine bis zum öffentlich-rechtlichen Versicherer. Vor dem Hintergrund von Digitalisierung, dem neuen Aufsichtssystem Solvency II und Niedrigzinsumfeld unterliegt der Markt einem fundamentalen Wandel.

Auf Gruppenebene keine Konsolidierungswelle in Sicht

Dabei hat sich zwar die Gesamtzahl der Lebens-, privaten Kranken- sowie Schaden- und Unfallversicherer unter Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in den letzten 10 Jahren von 384 auf 336 verringert. Das entspricht einem Minus von 12,5 Prozent. „Drei Viertel dieser Firmen gehören allerdings zu Versicherungsgruppen“, sagt der GDV-Chefvolkswirt. Zutreffend könne der Konzentrationsgrad der Branche nur auf Gruppenebene eingeschätzt werden, so Wiener: „So verschwinden vielleicht einzelne Versicherer, aber oft nur deshalb, weil sie in Konzernen umstrukturiert werden und ineinander aufgehen. Auch für die Jahre 2015 und 2016 setzt sich dieser Trend bisher fort.“

„Deutscher Markt ist weder konzentriert noch übermäßig fragmentiert“

Auf Gruppenebene zeigt sich daher bisher keine Marktkonsolidierung. Das ergibt die Strukturanalyse des GDV auf Basis der zuletzt verfügbaren Daten der Bafin für 2009 bis 2014. In jedem dieser Jahre erzielten die fünf größten Versicherungsgruppen in Deutschland insgesamt jeweils rund 44 Prozent der gesamten Beitragseinnahmen in der Erstversicherung. Im Fall der Top 10 bzw. 15 sind es knapp 64 bzw. rund 74 Prozent. „Damit bewegt sich der Konzentrationsgrad der deutschen Versicherungswirtschaft im Vergleich mit anderen großen Versicherungsmärkten in Europa auf mittlerem Niveau“, so Wiener. „Der deutsche Markt ist also weder besonders konzentriert noch übermäßig fragmentiert.“ (fm)

Foto: GDV

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