9. Juni 2016, 09:35
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Unser Geschäftsmix lautet nicht nur Rente, Rente, Rente”

Dr. Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns Alte Leipziger-Hallesche, und Dr. Jürgen Bierbaum, Vorstand Alte Leipziger, sprechen mit Cash. über das Nullzinsumfeld und die Zukunft der Lebensversicherung.

 in Unser Geschäftsmix lautet nicht nur Rente, Rente, Rente

Jürgen Bierbaum (links) und Walter Botermann, Alte Leipziger: “Stabilität und Sicherheit werden nie aus der Mode kommen.”

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im März auf null Prozent abgesenkt: Halten Sie es für möglich, dass der Eurozone ein ähnliches Zins-Szenario droht, wie Japan, das seit rund 20 Jahren in einer Niedrigzinsphase verharrt?

Botermann: Wir liegen glücklicherweise gute 14 Jahre hinter der japanischen Entwicklung zurück, sowohl hinsichtlich der Demografie als auch was die Phase der niedrigen Zinsen anbetrifft. Gleichwohl sehe ich eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine lang andauernde Niedrigzinsphase in Europa. Dabei ist aber wichtig zu betonen, dass in Japan nicht permanent ein Nullzinsumfeld herrscht, sondern der Zins über die Jahre zwischen null und zwei Prozent hin und her pendelt. Diese Verhältnisse könnten auch bei uns eintreten. Das ist meine Befürchtung.

Viele Versicherer in Deutschland müssen Übergangsregeln in Anspruch nehmen, um die erhöhten Sicherheitsanforderungen infolge des neuen Eigenkapitalregimes Solvency II einhalten zu können. Wie gut sieht sich die Alte Leipziger für den Fortgang der Niedrigzinsphase gerüstet?

Botermann: Unsere Berechnungsmodelle berücksichtigen auch ein langfristiges Nullzins-Szenario. Diese bestärken uns darin, dass wir in der Lage sind, eine lange Zeit mit einem sehr, sehr niedrigen Zins durchhalten zu können. Zum einen, weil wir entsprechende Kapitalpuffer aufgebaut haben, zum anderen hat die Alte Leipziger die Duration der Zinspapiere verlängert, bevor die Zinsen am Kapitalmarkt runtergegangen sind. Nicht zu vergessen ist, dass unser Geschäftsmix eben nicht nur Rente, Rente, Rente lautet.

Hatten Sie in der Kapitalanlagepolitik somit auch etwas mehr Glück als die Mitbewerber?

Botermann: Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben uns im Rahmen der Risikosteuerung nur eine ganz einfache Frage gestellt: Was würde uns „umbringen“? Eine Überschussbeteiligung, die bei uns niedriger ist als im Markt, gehört sicherlich nicht dazu. Wir hatten ja bereits über zehn Jahre hinweg die Erfahrung gemacht, dass wir hier nicht zur Spitzengruppe gehören und trotzdem gewachsen sind. Die Antwort auf die Frage war dann recht einfach: Wir ruinieren das Unternehmen, wenn wir die Garantien nicht mehr bedienen können. Deshalb war es notwendig, sich relativ hohe Zinssätze für eine lange Laufzeit zu sichern.

Wie hoch ist der durchschnittliche Garantiezins, den Sie im Leben-Bestand bedienen müssen?

Bierbaum: 2015 lagen wir ohne Zinszusatzreserve ziemlich genau bei drei Prozent. Mit Zinszusatzreserve sind wir schon auf dem Weg in Richtung 2,5 Prozent. Dies zeigt, dass die Zinszusatzreserve zweifellos ein sehr sinnvolles Instrument ist, denn es dient dazu, die Differenz zwischen Garantie und Anlagezins über 15 Jahre hinweg auszufinanzieren. Diskussionswürdig ist allenfalls die Kalibrierung, etwa was den Referenzzinsatz angeht. Jetzt sind wir in einer relativ komfortablen Situation.

Botermann: Zur Finanzierung einer zukünftig maximal erwarteten Zinszusatzreserve von 4,6 Milliarden Euro stehen heutige Puffer, inklusive der bereits gebildeten Zinszusatzreserve, von 5,6 Milliarden Euro zur Verfügung. Planmäßig erwartete weitere Eigenkapitalstärkungen sind hierin noch nicht berücksichtigt.

Seite zwei: Haben die Neukunden dadurch das Nachsehen in puncto Überschussbeteiligung?

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

Au Backe: Was zahlt meine Zahnzusatzversicherung?

Welche Behandlungen übernimmt meine Zahnzusatzversicherung und welche Kosten kommen auf mich zu. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt zeigt, dass die Deutschen hier Wissenslücken haben. Und das kann teuer werden.

mehr ...

Immobilien

Baunebenkosten: So überwindet man die Eigenkapital-Hürde

Deutschland liegt bei der Wohneigentumsquote im europäischen Vergleich immer noch auf einem Abstiegsplatz. Ein wichtiger Grund dafür: Die Nebenkosten beim Immobilienerwerb sind hierzulande so hoch, dass sie für viele das Haupthindernis auf dem Weg in die eigenen vier Wände sind. Wie Bauwillige in vier Schritten diese Eigenkapitalhürde dennoch meistern können.

mehr ...

Investmentfonds

Die Top 5 der Woche: Investmentfonds

Welche waren die fünf relevantesten Meldungen der Woche vom 18. Februar im Investmentfonds-Ressort? Finden Sie heraus, welche Themen die Cash.-Online-Leser in der vergangenen Woche am meisten interessiert haben:

mehr ...

Berater

Risikominimierung: „Dann investieren, wenn Aktienkurse wieder deutlich abgetaucht sind“

Die Kurse sind zum Ende des vergangenen Jahres deutlich eingebrochen. Durch die Verabschiedung des Zinserhöhungszyklus steigen diese aktuell allerdings wieder an. Entwicklungen lassen laut Andreas Dagasan, Leiter Globale Aktien bei Bantleon, Rückschlüsse auf erhöhte Risiken zu.

mehr ...

Sachwertanlagen

Die Top 5 der Woche: Sachwertanlagen

Welche Themen stießen in der Woche vom 18. Februar auf das größte Interesse bei den Lesern von Cash.Online? Im unserem wöchentlichen Ranking finden Sie die fünf meistgeklickten Beiträge im Ressort Sachwertanlagen.

mehr ...

Recht

Reform in Sicht: Wandel der Pflegeversicherung in eine Teilkaskoversicherung?

Die derzeitigen Kosten für Pflegeleistungen sind so hoch wie noch nie. Dennoch steigen sie stetig weiter und treiben viele Pflegebedürftige in die Sozialhilfe. Hamburg spricht sich nun für eine Reform aus. Was dies bedeutet und warum sich nun dringend etwas ändern muss.

mehr ...