Betriebsrentenstärkungsgesetz: „Schnelle Reaktion auf die neue Gesetzeslage garantiert“

Ulrike Hanisch, Vorstand des Campus Institut, sprach mit Cash. über die Rentenreform und die Folgen für bAV-Spezialisten. Das Campus Institut führt zusammen mit der Hochschule Koblenz seit 2003 das Studium Betriebswirt/-in für betriebliche Altersversorgung (FH) durch. Der Abschluss gilt als einer der angesehensten bAV-Qualifikationen in Deutschland.

Ulrike Hanisch, Campus Institut: "In der bAV wird ein hohes Maß an Expertenwissen gefragt sein."
Ulrike Hanisch, Campus Institut: „In der bAV wird ein hohes Maß an Expertenwissen gefragt sein.“

Cash: Frau Hanisch, vor dem Hintergrund der Rentenreform wird das Thema der betrieblichen Altersversorgung derzeit aus vielen Perspektiven diskutiert. Inwieweit sorgt der vorliegende Gesetzentwurf für eine stärkere Verbreitung der bAV?

Hanisch: Das ursprüngliche Ziel der Regierung, mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz den Prozess für Unternehmen zu erleichtern, wird in dem vorliegenden Entwurf leider verfehlt. Dennoch könnte die Anhebung des Freibetrags von bis zu 100 Euro monatlich für die Rentenleistung einen positiven Effekt bewirken, wodurch die Grundsicherung im Alter besonders im Niedriglohnsektor gestärkt wird. Zusätzlich werden Niedrigverdiener durch die Einführung des sogenannten Förderbeitrags zur bAV unterstützt.

Welche Nachbesserungen sind aus Ihrer Sicht erforderlich, um die Marktdurchdringung der bAV in Deutschland zu erhöhen?

Ich würde mir wünschen, dass die reine Beitragszusage auch für die bisherige „bAV-Welt“, also außerhalb des Sozialpartnermodells, möglich ist. Diese Erleichterung in Bezug auf Garantien wäre gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase ein wichtiges Instrument, um die bAV zu stärken. Von den Vorteilen des Sozialpartnermodells profitieren ja vorwiegend die großen Branchen, in denen das Versorgungsniveau bereits relativ hoch ist. Kleine und mittelständische Unternehmen bleiben auf der Strecke. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Haftung des Arbeitgebers, die, so lange sie im jetzigen Umfang besteht, die bAV bremst. Also wäre hier eine Erleichterung absolut wünschenswert.

Was sind die konkreten Herausforderungen im bAV-Bereich in den nächsten Jahren?

Da viele Menschen in den Ruhestand gehen, werden in den nächsten Jahren vermehrt Renten ausgezahlt. Zudem wird der Wandel in der Arbeitswelt für noch mehr Fluktuation und eine Zunahme von Arbeitgeber-Wechseln sorgen. Dies führt insgesamt zu einem größeren Verwaltungsaufwand beim Arbeitgeber wie beim Versorgungsträger. Aktuell ist die größte Herausforderung nach wie vor das niedrige Zinsniveau, mit dem vermutlich auch in Zukunft gerechnet werden muss. Natürlich sorgt auch das geplante zusätzliche Modell dafür, dass die bAV komplexer wird und der Beratungsbedarf weiter steigt. In Zukunft wird also ein hohes Maß an Expertenwissen in allen Durchführungswegen – arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlich sowie bilanztechnisch – gefragt sein.

Seite zwei: „Optimale Begleitung durch die gesetzlichen und strukturellen Veränderungen“

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