1. Februar 2018, 14:29
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“Breites Einfallstor in die Bürgerversicherung”

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe, hat die in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD diskutierte Angleichung der Arzthonorare scharf kritisiert. “Man gewinnt dadurch gar nichts”, sagte er im Rahmen eines Pressegesprächs in Hamburg.

Leitermann Signal-Iduna in Breites Einfallstor in die Bürgerversicherung

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe

“Die Bürgerversicherung scheint momentan vom Tisch zu sein, doch es werden verschieden Einstiegsszenarien diskutiert“, sagte Leitermann und bezeichnete eine mögliche Angleichung der Arzthonorare als “breites Einfallstor.”

Hintergrund: Wie das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtet, gibt es in der Union Überlegungen, der SPD bei ihrer Forderung nach einem Abbau der Zweiklassenmedizin entgegenzukommen. Für führende Sozialdemokraten sei dies eine Bedingung für eine Neuauflage der Großen Koalition. Konkret erwäge die Union, die Arzthonorare für die Behandlung gesetzlich Versicherter in einzelnen Bereichen anzuheben.

Durch eine einheitliche Gebührenordnung würde die private Krankenversicherung (PKV) nach Berechnungen von Branchenkennern zwischen fünf und sieben Milliarden Euro entlastet – und die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) entsprechend belastet. Dadurch käme es zu einem Beitragssatzanstieg für gesetzlich Versicherte, der vermutlich bei 0,6 Punkten läge.

Zinswende erst ab 2025

Man versündige sich an den nachfolgenden Generationen, wenn man aus rein politischen Gründen – um eine Regierungskoalition bilden zu können – eine Angleichung der Arzthonorare vereinbare, kritisierte Leitermann. Dies sei unverantwortlich, nicht in die Zukunft gerichtet und geschehe lediglich zum Wohle der Parteien, nicht der Bevölkerung, sagte er – und ließ durchblicken, dass ihm eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen lieber gewesen wäre als eine Neuauflage der Großen Koalition.

Auch zum anhaltenden Niedrigzinsumfeld hat Leitermann eine klare Meinung. Er rechnet nicht vor der Mitte des nächsten Jahrzehnts mit einer “echten Zinswende”. Die Europäische Zentralbank werde keine Rücksicht auf die Probleme der deutschen Sparer nehmen. (kb)

Foto: Signal Iduna

1 Kommentar

  1. Vor allem ist der angebliche Hauptgrund für die Bürgerversicherung, gleiche Behandlung und Terminvergabe nicht realistisch! Der Vermögende wir immer eine Möglichkeit finden bevorzugt zu werden, schlicht weil er es sich leisten kann! Dann gibt er halt dem Arzt einige Scheinchen, wie es ja in vielen Ländern täglich passiert. Das würde Zustände wie in der Dritten Welt bedeuten. Auch kann ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen dass 9% der Versicherten, in einem Land mit der Größten Ärztedichte der Welt, jetzt alle Praxen blockieren könnte. Das ist einfach mit normaler Logik nicht erklärbar. Beispiel: Ein Arzt behandelt 30 Patienten am Vormittag, 3 davon werden bevorzugt behandelt, nach einer halben Stunde sind alle ganz normal dran. Deswegen kann diese ganze Hysterie nur Mediengemacht sein und Politiker folgen dieser Hype. Man könnte aber auch diese Zusammenhänge in den Medien erklären. Dazu kommt noch der, bemessen an der Zahl der Versicherten, wesentlich höhere Anteil an den Gesundheitskosten, der letzthin hilft die Beiträge für GKV Versicherte günstiger zu gestalten. Resümee: Es wird dramatisch überspitzt, die Realität sieht anders aus!!!

    Kommentar von Wilfried Strassnig Versicherungsmakler — 2. Februar 2018 @ 07:04

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