Anzeige
28. August 2018, 11:15
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die Versicherungs-Branche braucht eine Zulieferer-Industrie

Der Versicherungsmarkt ist im Umbruch. Durch den digitalen Wandel kommen neue Produkte und Anbieter auf den Markt. Die IT wird für die Versicherer zunehmend zum Flaschenhals. Eine Zusammenarbeit mit White Label-Anbietern ist eine Option, um mitzuhalten. Gastbeitrag von Dr. Christian Macht, Element

Christian-Macht in Die Versicherungs-Branche braucht eine Zulieferer-Industrie

Dr. Christian Macht,  Generalbevollmächtigter und designierter CEO von Element.

Angesichts der Donnerschläge aus Haftbefehlen und Geldbußen mag es ungewöhnlich klingen, sich die Auto-Branche zum Vorbild zu nehmen: Doch was ihre Wertschöpfung angeht, taugt sie durchaus dazu. Nur rund ein Viertel dessen, was Auto-Hersteller verarbeiten, kommt von ihnen selbst. Hochspezialisierte Zulieferer kümmern sich um die übrigen Dreiviertel und geben damit einen Weg vor, den auch Versicherer einschlagen könnten.

IT wird zum Flaschenhals

Denn der digitale Wandel erfordert gerade in der IT eine steigende Schlagzahl und immer spitzere Kompetenzen. Durch den Flaschenhals der IT müssen schließlich alle Innovationen. Sie ist jedoch oft damit beschäftigt, in die Jahre geratene Systeme zu modernisieren.  Limitierte Kapazitäten bremsen so Ideen aus und sorgen für Frust.

Versicherer geraten von zwei Seiten unter Druck. Erstens erlauben es modulare Baukästen externer Anbieter – sogenannte White-Label-Lösungen – inzwischen nahezu jedem Unternehmen, eine Versicherung anzubieten: Sowohl einzelne Prozessschritte und Arbeitsbereiche als auch das Risiko lassen sich auslagern. So steigt die Zahl der Wettbewerber in Nischen; ein erstes Leck, durch das Umsätze etablierter Anbieter abfließen können.

Ein Mobilfunker könnte etwa selbst Handy-Versicherungen komplementär vertreiben, ein Drohnen-Hersteller eine kleine Sach- und Haftpflichtpolice anbieten, ein Start-up eine Mini-Hausrat nur für Studierende entwickeln, die typische Risiken der Altersklasse günstig trägt. Um ihren Markt zu verteidigen, müssen Versicherer mitziehen – und mit Hilfe aktueller Technologie ebenfalls innovative Produkte einführen.

Innovationstempo wird sich erhöhen

Denn, zweitens, dürfte sich auch das Innovations-Tempo bei den Policen selbst erhöhen. Nicht nur die Zahl der Produkte steigt – siehe oben –, sie werden in sich auch beweglicher: Durch situative Elemente, also ad-hoc buchbare und abbestellbare Optionen.

Ein Beispiel ist etwa eine Testfahrt-Versicherung fürs Auto, die nur kurzzeitig aktiv ist, oder eine Telematik-gesteuerte E-Bike-Versicherung, deren Preis davon abhängt, wo und wie viel man fährt. Auch ein neue Art von Versicherung für Individual-Reisende ist möglich, die etwa den Flug und Mietwagen und nach Bedarf weitere Risiken kombiniert abdeckt.

Durch diese Art von Individualisierung lassen sich Produkte oft nicht so gut auf Portalen vergleichen – darin liegt aber auch eine Chance, Qualitäts-Aspekte neben dem Preis wieder stärker in den Fokus der Konsumenten zu rücken.

Bei Element liefern wir solche individuellen Lösungen, sowohl mit Versicherungen als auch mit anderen Partnern. Mit der Signal Iduna etwa bieten wir die „Versicherung09“ an, eine kombinierte Hausrat- und Haftpflichtversicherung mit Extras für Fans des Borussia Dortmund, wie einer Prämie für jedes erzielte Tor des BVB.

Wir kooperieren als Risikoträger aber auch mit dem Cyber-Sicherheits-Anbieter CPP, mit einer „eingebetteten“ Versicherung gegen Schäden durch Datenklau: Oder wir bieten mit dem Fluggastrecht-Portal FairPlane eine Versicherung gegen verspätete Flüge an.

Kooperationen fragementieren Wertschöpfungskette

Eine Vielfalt solcher Kooperationen denkbar – aber damit fragmentiert sich auch die Wertschöpfungskette. Das gilt insbesondere – aber nicht nur –  am sogenannten Point of Sales, also den Momenten und Orten, an denen Kunden Versicherungen abschließen.

Gerade bei kleinen und mittleren Versicherern ist die Bereitschaft groß, sich durch neue Produkte und Services zu unterscheiden. Dem entgegenstehen aber unbesetzte IT-Stellen und lange Wartezeiten, bis ein neues Projekt Wirklichkeit wird.

Wo Konzepte stehen und Kapazitäten fehlen, kommen externe Technologie-Partner ins Spiel, die sich mit ihrer IT nahtlos andocken und modulare Baukästen bieten. Technisch möglich ist es heute schon, ein neues Versicherungsprodukt in weniger als drei Monaten zu entwickeln. Ohne Zulieferer aber ist das für kleine und mittlere Versicherungen nur schwer machbar.

Foto: Element

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset – Kfz-Policen – Immobilieninvestments – Ruhestandsplanung

Ab dem 13. September im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Ausbildung, Studium, Arbeitslosigkeit: Wie Schulabgänger versichert werden

Für viele Schulabgänger beginnt der Ernst des Lebens mit einer Ausbildung, andere starten ins Studium. Wer keinen Platz für die Lehre oder an der Uni ergattert hat, ist möglicherweise erst einmal arbeitslos. Je nach Situation muss die Vorsorge und Krankenheitsabsicherung anders geregelt werden.

mehr ...

Immobilien

Ergebnisse des Wohngipfels: IVD zieht gemischte Bilanz

Der Wohngipfel im Kanzleramt ist zuende gegangen. Zu den geplanten Maßnahmen gehören unter anderem Veränderungen bei der Erstellung von Mietspiegeln und mehr Fördermittel für den Städtebau. Auch eine Erhöhung des Wohngelds ist geplant. Der Immobilienverband IVD sieht einige gute Ansätze, bemängelt aber zu viel Regulierung.

mehr ...

Investmentfonds

Warum der US-Handelskrieg eine Chance für die EU ist

Amerikas saure, nicht süße Handelspolitik zwingt China, Alternativen zu suchen. So belebt Peking die eurasische Seidenstraße wieder und holt Russland mit ins Boot. Beide Länder verbindet sicher keine Liebesbeziehung, aber für eine Vernunftehe gegen den gemeinsamen Feind USA reicht es allemal. Könnte man auch noch Europa anbinden, würde sich der bislang zeitintensive Seeweg chinesischer Exporte in die westliche Welt erheblich verkürzen. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

Plausibilitätsprüfung! Unbegrenztes Haftungsrisiko für Vermittler?

Anlagevermittler sehen sich vor Gericht nicht selten dem Vorwurf ausgesetzt, sie hätten die Plausibilität des Prospekts nicht geprüft. Wo sind die Grenzen und wie können Vermittler Pflichten reduzieren?

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium veröffentlicht geprüften Portfoliobericht

Solvium Capital, Anbieter von Direktinvestments in Container und Wechselkoffer, hat den aktuellen Portfoliobericht des Unternehmens vorgelegt. Anders als offenbar beim ehemaligen Konkurrenten P&R läuft demnach alles vertragskonform.

mehr ...

Recht

Welche finanziellen Vorteile die Eheschließung bringt

Heiraten – ja oder nein? Keine einfache Entscheidung, doch auch neben der Liebe gibt es gute Gründe dafür. Die Experten der DVAG erklären, wie sich Eheleute bei Steuern und Versicherungen besserstellen können und geben Tipps, was sie beachten sollten.

mehr ...