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5. Februar 2018, 10:00
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Erbrecht: Wann ist die Lebensversicherung steuerfrei?

Es geht immer wieder das Gerücht um, dass die Auszahlung einer Lebensversicherung im Todesfall steuerfrei ist. Das ist grundsätzlich richtig – aber nur in einer ganz bestimmten Konstellation.

Gastbeitrag von Hans-Peter Rien, Rechtsanwalt

Erbrecht: Wann ist die Lebensversicherung steuerfrei?

Hans-Peter Rien: “Überprüfen Sie ihre bereits abgeschlossenen LV-Verträge, damit sie im Erbfall auf der sicheren Seite sind.”

Die Steuerfreiheit besteht nur dann, wenn der Versicherungsnehmer, also der, der den Vertrag mit der Versicherung abschließt und die Beiträge zahlt, die Versicherungssumme am Ende auch selbst bekommt. Eine Vertragskonstellation, die in vielen Fällen gerade nicht gewählt worden ist.

In der Regel ist es doch so: der sorgende Ehemann sichert seine Frau oder die Familie in der Form ab, dass er selbst eine Versicherung abschließt, die Beiträge zahlt und die Versicherungssumme im Todesfall dann seiner Ehefrau oder Familie zukommt.

Aber, gut gedacht ist nicht immer gut gemacht: in dieser Vertragsgestaltung fällt die Versicherungssumme in den Nachlass und wird bei der Ehefrau oder den Kindern erbschaftssteuerpflichtig, wenn die Freibeträge von 500.000 Euro (Ehefrau) oder 400.000 Euro (Kind; jeweils ohne Versorgungsfreibetrag) überschritten werden.

Wie kann man die Steuerpflicht vermeiden?

Zum besseren Verständnis sei die Konstruktion des Versicherungsvertrages kurz erläutert. Bei einem Versicherungsvertrag gibt es einen Versicherungsnehmer, dass ist derjenige, der den Vertrag mit der Versicherung abschließt und die Prämien bezahlt.

Dann gibt es die versicherte Person, das ist derjenige, dessen Todesfallrisiko versichert wird. Und schlussendlich gibt es den oder die Bezugsberechtigten, die im Falle des Todes der versicherten Person die Prämie ausgezahlt bekommen.

War der Erblasser Versicherungsnehmer und hat die Prämien gezahlt, gibt es steuerlich folgende Fallgestaltungen:

  • Es wurde kein Bezugsberechtigter benannt, dann fällt die Versicherungssumme inklusive der Überschussbeteiligung in den Nachlass und erhöht entsprechend den Wert und 
damit eine potentielle Steuerpflicht der Erben.
  • Es wurde ein Bezugsberechtigter benannt, der auch Erbe ist, dann wird die Versicherungssumme dem Nachlassanteil des benannten Erben hinzugerechnet und erhöht die Erbschaft des Bezugsberechtigten.

War der Erblasser hingegen die versicherte Person und der Erbe Versicherungsnehmer, Prämienzahler und Bezugsberechtigter, so fällt die Versicherungssumme weder in den Nachlass noch wird Sie dem Erben oder Versicherungsnehmer als Erbe zugerechnet und bleibt somit von der Erbschaftssteuer befreit.

Seite zwei: Kosten bei falscher Vertragskonstruktion

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3 Kommentare

  1. Das, was der Anwalt schrieb, ist sogar fast richtig. 😉
    Die Auszahlung aus der Todesfallleistung ist IMMER erbschaftssteuerfrei, weil immer ein Begünstigter im Todesfall in eine Risiko-Lebensversicherung eingetragen werden muss. Somit erfolgt eine Vorabaussonderung, die Todesfallleistung fällt nicht in die Erbmasse. Gleichwohl, bevor sich hier alle diebisch freuen, ist es in der Auswirkung dasselbe, weil statt der Erbschaftssteuer die Schenkungssteuer fällig wird. Im Ergebnis hat das Kind also nur einen anderen Namen.

    Die Frage der beiden Kommentatoren, wie es denn richtig geht, sei so beantwortet: Absicherung über Kreuz. A wird Versicherungsnehmer, zahlt auch die Beiträge und wird Bezugsberechtigter im Todesfall. B dagegen wird die versicherte Person auf deren Leben die Versicherung abgeschlossen wird. Ein zweiter Vertrag: B wird Versicherungsnehmer, zahlt auch die Beiträge und wird Bezugsberechtigter im Todesfall. A dagegen wird nun hier die versicherte Person auf deren Leben die Versicherung abgeschlossen wird. Dann bleibt es tatsächlich vollständig steuerfrei (nach derzeitigem Steuerrecht). Ein einzelner Vertrag, bei dem der erste Überlebende die Zahlung erhält, ist zwar günstiger (da 1 Vertrag, 2 versicherte Personen, aber nur 1 Leistung), umgeht aber im Zweifel nicht die Steuerpflicht.

    Kommentar von Müller — 26. Februar 2018 @ 17:26

  2. Wie sollte bzw. kann dann die Kontellation bei einer verbundenen Todesfallabsicherung sein?

    Gint es hier auch Gestaltungsmöglichkeiten um die Erbschaftssteuer zu umgehen?

    Kommentar von Ermer Roland — 6. Februar 2018 @ 14:26

  3. Was ist wenn die Ehefrau Versicherungsnehmerin ist & die Prämien zahlt von ihrem Konto – aber der Ehemann ihr das Geld (z.B. vorher) überweist??? Dann bleibt die ausgezahlte Versicherungssumme steuerfrei??!
    Was ist wenn die unverheiratete Lebensgefährdin (oder Freundin) Versicherungsnehmerin ist & die Prämien von ihrem Konto zahlt – aber der unverheiratete Partner (Freund) ihr das Geld (z.B. vorher) überweist ??? Ebenfalls steuerfrei!??? (Umgehung der 20.000 € Erbschaftssteuergrenze!)

    Kommentar von weisenheimer — 6. Februar 2018 @ 11:23

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