30. Juli 2018, 13:08
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

TÜV für Pflegeheime: Reform ist überfällig

Es gibt in Deutschland rund 13.600 Pflegeheime mit rund 730.000 Beschäftigten, die rund 780.000 Pflegebedürftige vollstationär betreuen. Künftig sollen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bei der Suche nach einem Heim auf aussagekräftige Bewertungen durch einen Pflege-TÜV vertrauen können.

 

Shutterstock 258221702 in TÜV für Pflegeheime: Reform ist überfällig

Der neue Pflege-TÜV für Pflegeheime kommt voraussichtlich Mitte 2019.

 

“Es dürften erhebliche Unterschiede zwischen den Einrichtungen sichtbar werden”, sagte der Bielefelder Pflegewissenschaftler Klaus Wingenfeld der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Wingenfeld leitet ein Projekt, das die Grundzüge eines neuen Pflege-TÜV liefern soll.

Beim Pflege-TÜV werden Heime und Pflegedienste vom Medizinischen Dienst der Kassen geprüft und benotet. Der Hauptkritikpunkt an den online abrufbaren Benotungen ist mangelnde Aussagekraft. So erzielten im Juli die Pflegeheime eine bundesweite Durchschnittsnote von 1,2. Von Land zu Land variieren die Noten zwischen 1,1 und 1,4. Mit solchen durchgängigen Traumnoten dürfte künftig Schluss sein, sagte Wingenfeld.

Reform längst überfällig

Die Reform des Pflege-TÜV ist seit langem überfällig. Bereits mit einer 2015 in Kraft getretenen Pflegereform beauftragte der Gesetzgeber die Pflegeeinrichtungen, Pflegekassen und Kommunen bis März 2017 ein neues Prüfverfahren zu entwickeln. Die Vertreter der Heime und der Kostenträger kommen dazu in einem Gremium namens Qualitätsausschuss zusammen. Doch es gab immer wieder Verzögerungen.

Bis Ende Juli wollen die Wissenschaftler um Wingenfeld dem Qualitätsausschuss nun ihren Abschlussbericht vorlegen. Die bisherigen Heim-Prüfungen krankten vor allem daran, dass die Prüfer schwerpunktmäßig die Dokumentation der Heime prüften, also das Festhalten der Pflege-Arbeit in ihren Unterlagen.

Neuerdings soll geschaut werden, wie gut die Pflege wirklich ist: Wie häufig sind Sturzverletzungen? Liegen sich Heimbewohner wund? Wie hat sich ihre Mobilität binnen der letzten sechs Monate entwickelt? Dazu müssen die Heime die entsprechenden Vorkommnisse erst einmal erfassen

Qualitätsunterschiede sollen sichtbar werden

Die Prüfer sollen dann stichprobenartig prüfen, ob die Daten vertrauenswürdig sind. Aber auch weitere Vor-Ort-Prüfungen sollen in die Heimbewertung einfließen. Zur Information sollen Menschen auf Heimsuche noch nachlesen können, ob ein Heim beispielsweise Haustiere zulässt oder spezielle Angebote für Menschen mit ausländischen Wurzeln hat.

Geht es nach Wingenfeld, dessen Institut hier mit dem Göttinger Aqua-Institut zusammenarbeitet, soll der neue Pflege-TÜV mit dem alten wenig gemeinsam haben. “Qualitätsunterschiede und -defizite werden sichtbar”, sagt er.  Statt der Noten könnten die Menschen beispielsweise an Symbolen oder Punkten sehen, wie gut die Heime sind. Wingenfeld führt frühere Projekte mit einem System aus fünf Bewertungen als mögliche Vorbilder an: weit über Durchschnitt; etwas über Durchschnitt; nah am Durchschnitt; etwas unter Durchschnitt, weit unter Durchschnitt.

Seite 2: TÜV für Pflegeheime soll Mitte 2019 starten

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Time to say goodbye – Der Brexit und die Folgen für Versicherungskunden

Der 31. Januar 2020 ist ein historisches Datum: Großbritannien verlässt die Europäische Union. Der GDV erklärt, welche Änderungen der Brexit für Versicherungskunden mit sich bringt.

mehr ...

Immobilien

Altmaier und Seehofer reden Klartext zu Enteignungen und Mietendeckel

Im Rahmen des Neujahresempfangs der Verbände im Zentralen Immobilien Ausschuss ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, haben sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesbauminister Horst Seehofer am Dienstagabend klar für die Soziale Marktwirtschaft und ebenso unmissverständlich gegen Mietendeckel, Bodenwertsteuer und Enteignung ausgesprochen.

mehr ...

Investmentfonds

Bundesregierung hebt Wachstumsprognose wieder an

Im vergangenen Jahr hat die deutsche Wirtschaft merklich an Tempo verloren, der Konjunkturboom ist damit vorerst vorbei. Vor allem der Export schwächelt. Wie geht es weiter?

mehr ...

Berater

Trendwende eingeläutet? Mehr Wechsler von der GKV in die PKV

Im vergangenen Jahr wechselten erneut mehr Menschen aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung. Der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV-Verband) sieht eine Trendwende. Eine hohe Nachfrage melden die privaten Krankenversicherer auch bei den Zusatzversicherungen und insbesondere in der betrieblichen Krankenversicherung. Der Trend zur privaten Zusatzabsicherung im Gesundheitswesen hält an. 

mehr ...

Sachwertanlagen

Asuco: Zweitmarkt-Investitionen ohne Zweitmärkte

2019 gelang dem Vermögensanlagen-Anbieter Asuco nach eigenen Angaben ein neuer Rekord bei den Investitionen am Zweitmarkt geschlossener Immobilienfonds. Nur ein winziger Teil davon kam über öffentliche Handelsplattformen. Das Neugeschäft lief derweil weiter gut.

mehr ...

Recht

Autokredit: Landgericht Ravensburg bremst Bundesgerichtshof aus

Das Landgericht Ravensburg hat mit Beschluss vom 07.01.2020 – AZ. 2 O 315/19 – dem Europäischen Gerichtshof im Zusammenhang mit dem Widerruf eines Autokredits Fragen zur Auslegung der Europäischen Richtlinie vorgelegt. Es geht hierbei u.a. um die Frage, ob und wie beispielsweise Verzugszinsen in einem Verbraucherdarlehen anzugeben sind. Ein Kommentar von Oliver Renner, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Rechtsanwälte Wüterich Breucker.

mehr ...