22. Juni 2018, 12:08
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Unfallforscher der Versicherer: Gurtverweigerung kostet 200 Menschenleben

Es gibt sie seit 1976 – die Gurtpflicht in Deutschland. Dennoch schnallen sich immer noch nicht alle Autoinsassen korrekt an. Nun hat die Unfallforschung der Versicherer eine neue Auswertung vorgelegt. Demnach könnten etwa 200 Verkehrstote und rund 1.500 schwer Verletzte pro Jahr vermieden werden. Dies ist das wichtigste Ergebnis einer aktuellen Auswertung der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

Unfallforscher der Versicherer: Gurtverweigerung kostet 200 Menschenleben

Rund 200 Tote und 1.500 schwer Verletzte. Nicht angeschnallt können selbst niedrige Geschwindigkeiten fatale Folgen haben. Darauf weist der GDV hin.

Nach offiziellen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen fahren rund 98 Prozent aller Pkw-Insassen angegurtet. Laut Auswertung der UDV waren aber 28 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten nicht oder falsch angeschnallt. „Das zeigt das große Potential, das hier liegt. Mit keiner anderen Einzelmaßnahme lassen sich so viele Verkehrstote vermeiden“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann.

Weitere Ergebnisse: Am häufigsten getötet oder schwerverletzt wurden nicht angeschnallte Fahrer (43 Prozent), gefolgt von Rücksitzinsassen (36 Prozent) und Beifahrern (21 Prozent). Mehr als zwei Drittel der Opfer waren männlich, das Durchschnittsalter lag bei 32 Jahren.

Da die Sicherheitswirkung des Gurtes allgemein bekannt ist, wollte die Unfallforscher wissen, was Pkw-Fahrer dennoch veranlasst, nicht angeschnallt zu fahren. In einer bundesweiten Online-Befragung im Frühjahr 2018 zeigte sich, dass insbesondere notorische Gurtverweigerer glauben, bei innerstädtischen Geschwindigkeiten ausreichend geschützt zu sein.

Wie im realen Unfallgeschehen abgebildet, bekannten sich mehr Männer als Frauen dazu, nicht angeschnallt gefahren zu sein. Interessant auch, dass Fahrer sehr viel häufiger nicht gegurtet sind, wenn keine weiteren Insassen im Fahrzeug sind. Offenbar haben weitere Personen im Fahrzeug eine soziale Kontrollfunktion.

Mögliche Strafen wie das Bußgeld von 30 Euro, dass für Gurtmuffel fällig wird, schrecken hingegen nicht ab. Grund: Die meisten Befragten halten eine Kontrolle durch die Polizei für unwahrscheinlich.

Siegfried Brockmann fordert deshalb deutlich mehr polizeiliche Kontrollen und höhere Verwarnungsgelder. Die Industrie müsse alle Sitzplätze mit Gurtwarnern ausstatten, die mit Blinklicht und Warnton darauf aufmerksam machen, wenn Insassen nicht angeschnallt sind.

Manipulationen des Gurtwarners, beispielsweise durch eingesteckte Gurtschlösser, müssten technisch verhindert werden. Zugleich gelte es, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu stärken, dass Kollisionen auch bei niedrigen Geschwindigkeiten ohne Gurt zu schwersten Verletzungen führen können. „Ziel muss eine hundertprozentige Anschnallquote sein“, so Brockmann.

Die Gurtpflicht in Deutschland gilt nicht nur für Erwachsene. Auch Kinder müssen angeschnallt sein. Zusätzlich besteht eine Kindersitzpflicht bis zu einer Größe von 150 cm beziehungsweise einem Alter von zwölf Jahren. Ansonsten kann der angelegte Sicherheitsgurt nicht richtig greifen, wenn abrupt abgebremst werden muss und die Kleinen schweben in großer Gefahr. (dr)

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