23. Juli 2019, 12:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Ablaufprognosen der Lebensversicherer: Wer vor 2005 abschloss, der hat ein solides Produkt

Wie stark haben die deutschen Lebensversicherungsgesellschaften und deren Kunden in den letzten acht Jahren im Zinstief gelitten? Dieser Frage geht eine Auswertung des Analysehauses Partner in Life S.A. (PiL) nach. So haben 90 Prozent der Policen aller Versicherungsgesellschaften Kürzungen hinnehmen müssen; im Marktdurchschnitt in Höhe von 5,5 Prozent im Vergleich zu den Ablaufprognosen aus dem Jahr 2002.

Bildschirmfoto-2019-07-23-um-12 35 58 in Ablaufprognosen der Lebensversicherer: Wer vor 2005 abschloss, der hat ein solides Produkt

„Dass, was jeder Sparer in den letzten Jahren gefühlt hinnehmen musste, haben wir für die Lebensversicherung jetzt in Zahlen nachgewiesen“, sagt Dean Goff, Vorstand der PiL.

“Versicherer haben sich meist gut geschlagen”

„Wir weisen aber auch nach, dass sich die Versicherer – trotz der schwierigen Rahmenbedingungen – am Ende meist gut geschlagen und für ihre Kunden einen positiven Wertzuwachs erwirtschaftet haben.“

So hat die Allianz als Marktführer beispielsweise ihre Prognosen bei nahezu allen Policen über die Zeit gekürzt, bei den Policen, die in den vergangenen sechs Jahren abgelaufen sind aber eine durchschnittliche Brutto-Beitragsrendite von 3,5 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. „Das kann sich sehen lassen“, so Goff weiter.

Neben der Betrachtung der jeweiligen Ablaufleistung ist es wichtig zu erkennen, in welchem Umfang die Versicherungsgesellschaften nach Stückzahl der analysierten Verträge tatsächlich signifikant (mehr als zwei Prozent) reduziert haben.

Welcher Versicherer hat sich wie geschlagen?

Die Versicherer am rechten Rand wie Neue Leben, LVM oder LV 1871 haben mit jeweils über 90 Prozent nahezu alle konventionellen Verträge nach unten angepasst.

Dabei ist zu beachten, dass Versicherungsgesellschaften, die hier vergleichsweise wenige Verträge reduziert haben, wie die Volksfürsorge, Zürich Deutscher Herold oder Nürnberger, vor Jahren gegebenenfalls eine unzulängliche Mitteilungspraxis an den Tag gelegt hatten und daher zum Beispiel Schlussüberschussanteile nicht vollständig ausgewiesen wurden. Mithin wären in diesem Fall die Kürzungen sozusagen unsichtbar geblieben.

Bildschirmfoto-2019-07-23-um-12 36 10 in Ablaufprognosen der Lebensversicherer: Wer vor 2005 abschloss, der hat ein solides Produkt

Insgesamt zeigt die vorliegende Grafik jedoch nachvollziehbar, dass im Wesentlichen der gesamte Markt seine Prognosen deutlich nach unten angepasst hat. Hiervon waren über 90 Prozent der Verträge betroffen; 80 Prozent der untersuchten Verträge haben einen Wertverlust von mehr als zwei Prozent hinnehmen müssen.

Wer besonders viel gekürzt hat

Man könnte erwarten, dass die Versicherer, die ihre Verträge bislang weniger oft oder weniger stark reduziert haben, dies im anhaltenden Zinstief künftig noch tun werden. Hierzu ist es wichtig zu erkennen, welche Gesellschaften hierzu noch besonders viel Kürzungspotenzial zeigen. Obwohl beispielsweise die Allianz bereits starke Kürzungen vorgenommen hat, ist hier noch einiges an Potenzial vorhanden.

Bildschirmfoto-2019-07-23-um-12 36 04 in Ablaufprognosen der Lebensversicherer: Wer vor 2005 abschloss, der hat ein solides Produkt

Deshalb ist es nach wie vor geboten, Verträge, die weniger als zehn Jahre Restlaufzeit vor sich haben, von unabhängigen Fachleuten analysieren zu lassen. Dies bieten Verbraucherzentralen wie die in Bremen oder Unternehmen wie PiL an.

Damit bleibt Verbrauchern gegebenenfalls noch genügend Zeit, Anpassungen und Optimierungen an der eigenen Police vorzunehmen.

Solide Leistung der abgelaufenen Policen in den letzten sechs Jahren

 Bei aller berechtigten Kritik an der Entwicklung der bestehenden Lebensversicherungsverträge zeigt die vorliegende Analyse auch, dass Versicherte nach Ablauf der Policen eine gute Wertentwicklung erfahren haben.

Zwar unterliegen die von PiL analysierten Verträge einem regelmäßigen Monitoring und enthalten keine Zusatzversicherungen wie Unfall- oder Berufsunfähigkeitszusätze, was dazu führt, dass die Erfahrungen zur Beitragsrendite keine oder kaum Rückschlüsse auf die durchschnittlichen Ergebnisse im Markt zulassen.

Bildschirmfoto-2019-07-23-um-12 36 17 in Ablaufprognosen der Lebensversicherer: Wer vor 2005 abschloss, der hat ein solides Produkt

Die Analyse zeigt, dass die Gesellschaften im Jahr 2010 noch eine Beitragsrendite von 4,63 Prozent pro Jahr prognostiziert hatten; schließlich aber im Durchschnitt 3,99 Prozent pro Jahr erwirtschaftet haben.

Prognose die Marktergebnisse sind vermutlich etwas niedriger ausgefallen

Die Autoren der Analyse gehen davon aus, dass die Marktergebnisse im Mittel etwas geringer ausgefallen sein werden. Da aber die Verträge von PiL einen deutlich geringeren Anteil an Risikoabsicherung enthalten, zeigen sie realistisch auf, wie sich die Beitragsrenditen der diversen Versicherungsprodukte ohne die wertvollen Zusatzabsicherungen verhalten – nämlich weitaus positiver als es meist durch Privatkunden erkannt wird.

Der Aspekt der Risikoabsicherung ist aber ein ganz wesentlicher für den individuellen Verbraucher neben der Rendite.

„Die Zusatzversicherungen sichern zum Beispiel das Risiko ab, berufsunfähig zu werden. Diese Zusatzabsicherungen kosten aber Prozentpunkte bei der Wertentwicklung“, erläutert Goff. „Alles in allem hat ein großer Teil der Verbraucher, die Policen vor 2005 abgeschlossen haben, aber in der Regel ein solides Produkt.“

Partner in Life S.A. besitzt die Ablaufprognosen zu 22.344 Verträgen aus dem Zeitraum 2002 bis 2011. Diese Policen prognostizierten damals eine Ablaufleistung in Höhe von knapp 2,86 Milliarden Euro. Von dieser Basis sind knapp 3.600 Policen abgelaufen, an PiL ausbezahlt worden und dienen als Grundlage für die vorliegende Analyse.

 

Foto: Partner in Life S.A.

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Thomas-Cook-Kunden sollen Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden

Das Justizministerium hat Pauschalreise-Kunden der insolventen Thomas Cook aufgefordert, ihre Ansprüche nicht nur bei der Versicherung, sondern auch beim Insolvenzverwalter anzumelden. Das sei Voraussetzung dafür, das versprochene Geld vom Bund zu erhalten, teilte das Ministerium am Freitag mit.

mehr ...

Immobilien

Baubeginne in den USA auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren

Die Zahl der Wohnungsbaubeginne in den USA ist im Dezember deutlich stärker als erwartet gestiegen. Diese legten im Monatsvergleich um 16,9 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Dies ist der stärkste Anstieg seit Oktober 2016. Analysten hatten im Mittel lediglich mit einem Anstieg um 1,1 Prozent gerechnet.

mehr ...

Investmentfonds

Barrick Gold: Produktion übertrifft Erwartungen

Der kanadische Goldproduzent Barrick Gold hat die vorläufigen Produktionszahlen für sein viertes Quartal gemeldet. Dabei konnte der Konzern, ehemals der größte Goldproduzent der Welt, die Erwartungen der Analysten übertreffen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Habona erreicht Vollinvestition des Einzelhandelsfonds 06

Der Frankfurter Fondsinitiator und Asset Manager Habona Invest hat für seinen Einzelhandelsfonds 06 zum Jahresende 2019 sechs weitere Nahversorgungsimmobilien mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 44 Millionen Euro und einer Gesamtmietfläche von circa 19.500 Quadratmetern erworben.

 

mehr ...

Recht

Datenkrake Schufa: Was weiß die Schufa?

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, hat 360 Millionen Daten von 60 Millionen Deutschen erfasst. Wer einen Handyvertrag abschließt, Miet-, Kauf- oder Leasingverträge unterzeichnet oder einen Kredit aufnimmt, kann von der Schufa erfasst werden. Verbraucher haben nach Artikel 15 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen Anspruch darauf, zu erfahren, welche personenbezogenen Daten gespeichert werden. Was die Schufa weiß und darf.

mehr ...