E-Scooter: Allianz fordert neue Unfallstatistik

Seit Mitte Juni dürfen E-Scooter über die Straßen und Gehwege Deutschlands rollen. Ein erhebliches neues Unfallrisiko, meinen Experten der Allianz. Cash.Online sprach mit Dr. Jörg Kubitzki, Unfallforscher im Allianz Zentrum für Technik (AZT).

Dr. Jörg Kubitzki, Unfallforscher im Allianz Zentrum für Technik (AZT).

Die Allianz forderte die Polizei kürzlich dazu auf, eine eigene Kategorie für E-Scooter-Unfälle in ihre Statistiken aufzunehmen. Warum halten Sie diese Maßnahme für notwendig?

Kubitzki: Die Analyse von E-Scooter-Unfällen kann erst dann zu belastbaren Aussagen führen, wenn die Datengrundlage repräsentativ und umfassend ist. Bisherige Unfall-Erkenntnisse aus dem Ausland basieren auf selektiven Stichproben, die zu den tatsächlichen Risiken wenig verlässliche Aussage erlauben.

Um Sicherheitsmaßnahmen verbessern zu können, bedarf es einer vollständigen Betrachtung aller Unfallursachen und Fehlverhaltensweisen der Fahrer. Erst eine eindeutige E-Scooter-Unfallstatistik im mehrjährigen Verlauf kann Aufschluss über die Einordung dieser neuen Gefahrenlage geben.

Mit welchen Folgen einer Einführung dieser neuen Unfall-Kategorie ist zu rechnen? Inwiefern würde sich der Umgang von Versicherern mit den Rollern verändern?

Kubitzki: Erst verbindliche amtliche Unfallzahlen sind der Öffentlichkeit plausibel vermittelbar. Gegenwärtig beschränkt sich die Sicherheitswahrnehmung der Menschen auf spektakuläre Einzelfallschilderungen in den Medien.

Angesichts Unfallzahlen und Verletzungspotenzial: Braucht jeder E-Scooter-Fahrer eine Unfallversicherung? Wäre eine situative Absicherung (Beispiel: „Pokemon Go“-Versicherung der Barmenia) hier sinnvoll? Bitte begründen Sie.

Kubitzki: Aufgrund bisheriger Erfahrungen ist zu erwarten, dass E-Scooter-Unfälle sehr häufig Alleinunfällen aufgrund von Stürzen sind. Viele Nutzer haben sich so Verletzungen bis hin zu Kopfverletzungen zugezogen.

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung deckt die Unfallfolgen für den Unfallgegner des Scooter-Nutzers. Eine Unfallversicherung kann sinnvoll sein, um die Folgen abzusichern, die der Nutzer selbst erleidet, wenn er verunglückt.

 

Das Interview führte Benjamin Müller. 

Foto: Allianz

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