Versicherer AXA zieht umstrittene Kündigungen durch

Der Versicherer AXA hat seine Drohung wahr gemacht und umstrittene Kündigungen tatsächlich ausgesprochen. Es geht um Kunden einer „Unfall-Kombirente ohne Beitragsrückgewähr“. Dies berichtet Börse Online.

Vor gut einem Jahr war bekannt geworden, dass die AXA knapp 18.000 dieser Verträge loswerden will und nur dann auf eine Kündigung verzichtet, wenn der Versicherungsnehmer 2017 mindestens 58 Jahre alt war, bereits eine Rente erhält oder in eine sogenannte Existenzschutzversicherung wechselt. Damals hieß es, diese Police sei eine „bezahlbare Alternative“ zur Unfall-Kombirente und beinhalte „in wesentlichen Aspekten“ höhere Leistungen.

Einen konkreten Zeitpunkt gibt es (noch) nicht

Die „Mehrheit“ der betroffenen Kunden sei in die Existenzschutzversicherung gewechselt, erklärte nun eine AXA-Sprecherin gegenüber boerse-online.de, dem Internetportal des Finanzen Verlages. Allen anderen sei gekündigt worden, eine konkrete Zahl nannte sie nicht. Die Kündigungen würden zu den „individuellen Hauptfälligkeiten“ wirksam – also zum Ende der Laufzeit der Kombirenten-Verträge.

Kerstin Becker-Eiselen, Abteilungsleiterin bei de Verbraucherzentale (VZ) Hamburg, sagte gegenüber boerse-online.de, man wolle gegen die Kündigungen vor Gericht ziehen. Einen konkreten Zeitpunkt für eine Klage gebe es noch nicht, „wir arbeiten daran“.

„Unfall-Kombirente wurde vorrangig als Alternative zur BU vermittelt“

Die VZ hatte im Mai der AXA eine Unterlassungserklärung zugestellt und erklärt: „Zahlreiche Schilderungen von Verbrauchern zeigen, dass die Unfall-Kombirente nicht vorrangig als Unfallversicherung, sondern als Alternative zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung vermittelt wurde.“

Bei Berufsunfähigkeitspolicen sei eine ordentliche Kündigung, wie sie die AXA nun vollzogen hat, nach allgemeiner Ansicht ausgeschlossen. Die AXA hatte die Unterlassungserklärung nicht unterschrieben. Eine Sprecherin betonte: „Unser Vorgehen entspricht geltendem Recht.“

„Haben uns entschieden, uns frühzeitig von kostenintensiven Spezialsegmenten zu trennen“

Auch wenn die Zahl der potenziellen Kündigungen ungewöhnlich hoch ist: Solche Aktionen sind auch von anderen Versicherern bekannt. So wurde im Frühjahr öffentlich, dass sich die Basler – über vier Jahre verteilt – von rund 4000 Kinderinvaliditätsversicherungen trennt.

„Wir haben uns entschieden, uns frühzeitig von kostenintensiven Spezialsegmenten mit sehr geringem Volumen zu trennen“, sagte ein Firmensprecher gegenüber dem Magazin „Finanztest“.

 

Foto: Shutterstock

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