Wer hat Angst vor Onlineangeboten?

Deutsche Versicherer zittern vor der digitalen Konkurrenz. Die größten Sorgen lösen dabei Direktversicherungen aus, die sich online abschließen lassen. 77 Prozent der Manager erklären, dass dies die eigenen Erträge am stärksten angreift. Drei Viertel stufen zudem reine Online-Makler als bedrohlich ein. Damit liegen die digitalen Risiken noch vor den niedrigen Zinsen, die vielen Anbietern das Geschäft im Bereich Leben vermiesen. Das zeigt eine Umfrage der Software-Firma Camunda.

Neue Risiken zeichnen sich darüber hinaus durch Deckungen ab, die sich mit kurzen Laufzeiten oder auch spontan abschließen lassen. Sieben von zehn Anbietern befürchten, dass sie durch Tarife Kunden verlieren, die sie von einen Tag auf den anderen buchen und wieder kündigen können.

„Kunde versichert sich, wo er Schutz einfach und unkompliziert bekommt“

On-Demand oder Kurzzeittarife gelten für 69 Prozent als gefährlich für den eigenen Umsatz. 65 Prozent gehen davon aus, dass sich über Apps gekaufte Versicherungen als problematisch erweisen könnten, mehr noch als verhaltensabhängige Tarife.

„Künftig versichert sich der Kunde dort, wo der Schutz besonders einfach und unkompliziert zu bekommen ist“, sagt Jakob Freund, CEO von Camunda.

Zwar belegen Umfragen, dass der persönliche Kontakt gerade bei sensiblen Themen noch nicht ausgedient habe. Doch bei leicht zu vergleichenden Angeboten wie einer privaten Haftpflicht-, Hausrat- oder Kfz-Versicherung trauen sich Verbraucher häufig selbst zu, den passenden Tarif zu finden.

Sie erwarten, dass sie in solchen Fällen schnell den gewünschten Schutz buchen können, ohne langwierige Gespräche führen oder seitenlange Bedingungen lesen zu müssen. „Über das beste Kundenerlebnis entscheidet die beste Software“, erklärt Jakob Freund. „Je besser die Software, desto eher ist das für leidige Thema Versicherungen abgehakt.“

Erwartung an die IT: leicht verständlich und übersichtlich gestaltet

Dafür müssen die Anbieter aber noch viel tun. 89 Prozent der Manager erwarten von der IT, dass sie leicht zu verstehen und übersichtlich gestaltet ist. Zudem drängen 88 Prozent darauf, dass sich neue Produkte leichter durch die eingesetzte Software abbilden lassen und individuelle Wünsche besser umgesetzt werden.

Als Problem gelten dabei häufig starr vorgegebene Release-Zyklen. 83 Prozent fordern, flexibler handeln zu können. Auch Teile einzelner Programme sollen sich bestenfalls ohne größeren Aufwand anpassen lassen.

„Viel spricht dafür, große System-Suiten abzulösen durch selbst entwickelte Software“, fasst Jakob Freund zusammen. „Microservices eignen sich für eine moderne Versicherungs-IT, die sich mit den Insurtechs messen kann.“

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