Cash.-Interview mit Christian Lindner: „Ich wünsche mir ein Volk von Eigentümern“

Mittlerweile haben die Dekade des Niedrigzinses und die Folgen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ganz konkrete Folgen für viele Vorsorge-Sparer. Die Renditen für klassische Lebens- und Rentenversicherungen liegen bei unter drei Prozent. Oft gibt es nicht mehr als Garantien. Bei vielen dürfte die zusätzliche private Altersvorsorge somit deutlich geringer ausfallen als erwartet. Saniert sich hier der Staat auf Kosten einer ganzen Generation?

Lindner: Zweifelsohne, denn der deutsche Staat hat in den vergangenen Jahren enorme Zinsgewinne erzielt, die er nicht an die Menschen zurückgegeben hat. Weder ist die Infrastruktur damit ertüchtigt worden, noch haben wir Steuerentlastungen gesehen. Im Gegenteil: Trotz der enormen Zinsvorteile der öffentlichen Hand ist gleichzeitig die Steuerlast weiter gestiegen. Wir haben heute die höchste Steuerquote seit der deutschen Einheit. Die Betrachtung, der Zins führe zur Enteignung der Sparer, verweist natürlich zurück auf das Problem, dass wir die Menschen in Deutschland nicht dazu anhalten, ihre Assets weit zu streuen. An Kapitalmärkten und im Immobilienbereich, bei Uhren, Automobilen oder Handtaschen haben wir eine Assetpreis-Inflation, an der die allermeisten Deutschen nicht teilnehmen, weil ihnen gesagt wird, dass gesetzliche Rente, Sparbuch und Lebensversicherung das Maximum seien. Da liegt der Fehler. Das hat für mich etwas mit falschen politischen Einreden zu tun. Wir müssen den Menschen sagen, dass die gesetzliche Rente auf lange Sicht nur die Grundabsicherung darstellen wird. Die Absicherung des Lebensstandards muss darüber hinaus aus anderen Quellen kommen.

Das Gespräch fand in Christian Lindners Abgeordnetenbüro in Berlin statt.

Allerdings sagen laut einer Studie der Continentale Versicherung immerhin 42 Prozent der Deutschen, dass sie sich eine Rentenversicherung nicht leisten können. In Deutschland verdienen über 45 Prozent der Steuerpflichtigen weniger als 25.000 Euro im Jahr. Da bleibt für die Altersvorsorge nicht viel übrig.

Lindner: Deshalb müssen wir die Steigerung der Sozialversicherungsbeiträge unter Kontrolle bekommen. Die gehen nach den jetzigen rentenpolitischen Beschlüssen der Großen Koalition in den zwanziger Jahren deutlich über die 20 Prozent, das ist wesentlich mehr als noch in der Generation unserer Eltern und Großeltern. Die Steuerlast ist bis breit in die Mittelschicht hinein individuell gestiegen, so dass wenig Raum bleibt, um Eigenkapital für die private Altersvorsorge anzusparen. Dennoch: Auch 25 oder 50 Euro pro Monat in einem Sparplan sind besser als nichts. Durch den Zins- und Zinseszins-Effekt erzielt man da am Ende des Lebens Ergebnisse, die beeindrucken. (kb/dr)

Das vollständige Interview lesen Sie in der Cash. Ausgabe 5/2020, die am 16. April erscheint.

Fotos: Christof Rieken

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