Die Trüffelsucher

Foto: A-va GmbH
Markus Heussen, A-va GmbH

Suchmaschinen und Vergleichsrechner gibt es viele. Cash. sprach mit Markus Heussen, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, über die Besonderheiten von Snoopr.

Was bietet Snoopr dem Makler mehr als andere Suchmethoden oder die Versicherer-Extranets?

Heussen: Snoopr ist Deutschlands erste Suchmaschine für Versicherungen und kein Vergleichsrechner. Sie soll den „Werkzeugkasten“ eines Maklers ergänzen. Über ein einziges Suchfeld finden Makler Versicherungsprodukte, die sie im Versicherungsvergleich meist nicht finden. Snoopr durchsucht über tausend Produkte und sortiert die Ergebnisse nach Relevanz.

Dabei ist es nicht sinnvoll, Produkte gegenüberzustellen, denn Snoopr legt den Fokus auf Spezialversicherungen sowie Zielgruppen- und Deckungskonzepte. Von A wie Autohauspolice bis Z wie Zeltversicherung finden Makler zugeschnittene Produkte aller Sparten. Wir konkurrieren nicht mit Vergleichern oder Extranets von Versicherern, sondern ergänzen kostenlos die Produkt-Recherche.

Durch das Suchmaschinen-Prinzip listet Snoopr Produkte, die nicht in ein Schema passen. So kann ein Makler seine Produktkompetenz erweitern, sich mit zielgerichteter Kundenansprache den Vertrieb erleichtern und seine Kernkompetenz, dem Kunden den passenden Schutz zu suchen, unterstreichen.

Woher stammt der Name Snoopr?

Heussen: Von einem Trüffelschwein namens Snooper. Trüffelschweine haben eine Spürnase für seltene Edelpilze, Snoopr für seltene Versicherungsprodukte. Das passt. Um den Namen als Wortmarke anmelden zu können, haben wir das „e“ gestrichen. 

Wie setzt Snoopr Künstliche Intelligenz (KI) bei der Suche ein?

Heussen: Snoopr soll nicht das billigste, sondern das passende Produkt finden. Da es komplex ist, dieses mit wenigen Stichworten herauszufinden, setzen wir so wie Google auf KI-Algorithmen.

Die Relevanz eines Produktes entsteht aus hunderten Einzelfaktoren, wie Produkteigenschaften, Qualität des Folgeprozesses und zielgruppengerechter Verwendung von Inhalten in natürlicher Sprache. Dank KI lernt Snoopr mit jeder Suche dazu und teilt das Erlernte wiederum mit anderen Nutzern. So können sich Makler quasi indirekt bei der Produktauswahl unterstützen.

Branchenaussagen, KI sei noch am Anfang, können wir bestätigen. Seit unserem „Go-Live“ haben wir erstaunlich positive Erfahrungen gesammelt, aber auch Enttäuschungen erlebt. Dennoch ist es insgesamt faszinierend, wie sich die Suchergebnisse ohne unser Zutun nach und nach verbessern. Obwohl jeder Nutzer anders sucht, erkennt unsere KI immer häufiger die Suchintention. Genau darin besteht die Kunst. Hierfür müssen enorme Datenmengen ausgewertet und Muster erkannt werden.

Welche Voraussetzungen braucht ein Makler für den Einsatz von Snoopr?

Heussen: Wir haben mit Snoopr echtes Neuland betreten, daher sollte ein Makler offen sein, besonders wenn es ausschließlich Vorteile bringt. Wir wollen Makler für den sich wandelnden Markt wappnen, niemanden ersetzen oder Kunden abwerben. Registrierung und Nutzung sind kostenfrei und für jeden IHK-registrierten Makler möglich. In einigen Maklerverwaltungsprogrammen und Pools ist Snoopr prominent platziert, so ähnlich wie der Google-Schlitz in Browsern – dann braucht der Makler kein Benutzerkonto.

Aus wieviel Versicherern und Produkten wählt Snoopr aus?

Heussen: Aktuell aus über 1.300 Produkten von über 130 Produktgebern, darunter rund 100 Versicherer und Assekuradeure sowie ausgewählte Fachmakler, die ihre spezialisierten Deckungskonzepte anderen Kollegen bundesweit zur Verfügung stellen. So bringen wir Generalisten mit Spezialisten zusammen. Für dieses Kooperationsgeschäft haben wir mit der Kanzlei Michaelis ein Tippgeber-Modell entwickelt, wobei der tippgebende Makler von uns einen kostenfreien Tippgeber- Schutz erhält, so wie beim Käuferschutz von PayPal.

Womit genau verdient Snoopr Geld?

Heussen: Snoopr ist ein unabhängiges InsurTech, die A-va GmbH als Betreibergesellschaft hinter Snoopr hat keinen Maklerstatus. Unser Team stellt ausschließlich die Plattform bereit und profitiert nie direkt am Versicherungsgeschäft.

Snoopr ist ein „Multi-Sided-Marketplace“, der Makler mit Maklerkollegen und Versicherern zusammenbringt. Nach kostenloser Listung und Recherche von Produkten fallen für die Nutzung eines Folgeprozesses geringe, erfolgsabhängige Gebühren für den Produktanbieter an. Darüber hinaus stellen wir die Technologie hinter Snoopr auch als White-Labeling-Lösung zur Verfügung, die Versicherer oder große Makler bereits nutzen.

Wie läuft der Prozess weiter, wenn der Makler ein Produkt gefunden hat?

Heussen: Snoopr bietet dem Makler immer einen digitalen Anfrage- oder Abschlussprozess an. Je nach Produktkomplexität oder Digitalisierungsgrad des Versicherers ist er unterschiedlich. Ein Makler kann die Prozesse mit der Vermittlernummer aus seiner Direktvereinbarung nutzen. Auch indirekte Abschlüsse über diverse Pools sind möglich. Bei digitalen, einfachen Produkten nutzt Snoopr häufig technische Schnittstellen zu Versicherern oder leitet auf deren Online-Rechner weiter, worüber Preisberechnung, Angebotserstellung und Vertragsabschluss erfolgen kann. Bei komplexeren Produkten bietet Snoopr eine „Ausschreibung“ an mit einer Art WhatsApp-Chat mit Chatbot. So können wir auch für sehr spezielle Deckungen unkomplizierte und effiziente digitale Folgeprozesse anbieten.

Was müssen Versicherer bieten, um gut gefunden zu werden? Welche Rückmeldungen gibt es von Versicherern und Maklern?

Heussen: Produktgeber können ihre Produkte kostenfrei bei Snoopr listen. Aber um gut gefunden zu werden, ist Suchmaschinenoptimierung (SEO) essenziell. Je relevanter ein Produkt für eine Zielgruppe oder ein Kundenbedürfnis ist, desto höher wird es gelistet. Produktgeber müssen daher nicht vom Produkt, sondern vom Kundenbedarf aus denken und die Kernzielgruppe möglichst exakt adressieren. Auch Produktinfos wie Broschüren, Videos, Testsiegel oder Versicherungsbedingungen werden sekundenschnell durchsucht und sind daher relevant.

Viele Versicherer platzieren bei Snoopr – preisunabhängig – gerne kundenzentrische Produktlösungen. Aufgrund der veränderten Kundennachfrage werden individualisierte, feingranulare und damit kaum vergleichbare Produkte immer häufiger. Da Snoopr genau diese Produkte findet, gelten wir als innovativ und strategisch wichtig, was auch viele Versicherungsvorstände bestätigen. Gerade Versicherer nutzen Snoopr für Produktinnovationen und Deckungskonzepte, die sich nur schwer in dem von Versicherungsvergleichen dominierten Maklermarkt positionieren lassen.

Auch Makler sind sehr interessiert an Snoopr. Täglich erreichen uns neue Registrierungen. Unsere Makler schätzen besonders den einfachen Umgang mit der Plattform, die verfügbare Produktauswahl und digitalen Folgeprozesse sowie das breite Netzwerk an Fachmaklern.

Sind Sie mit der Marktentwicklung von Snoopr zufrieden? Welchen Einfluss hatte die Corona-Krise? Was sind Ihre künftigen Entwicklungsziele?

Heussen: Ehrlich gesagt war Snoopr zu Beginn eine „fixe Idee“, nämlich eine Art Google-Suche und Amazon-Shopping für Spezialversicherungen zu kombinieren. Damit lagen wir wohl richtig, was uns wirklich sehr freut.

Wir merken, dass sich der Markt verändert und im Standard- und Massengeschäft konsolidiert. Hier haben die klassischen Vergleicher ihre Daseinsberechtigung. Snoopr dagegen wird mit den erwähnten individuellen Produkten an Bedeutung gewinnen. So haben wir in nur eineinhalb Jahren sehr viele Anbieter, Produkte und Nutzer gewonnen.

In der Corona-Krise hatten viele Makler offensichtlich mehr Zeit, sich mit digitalen Themen auseinanderzusetzen. Wir hatten in der Lockdown-Phase mehr Registrierungen als je zuvor.

Unser Ziel ist es, mit Snoopr die größte, unabhängige Recherche-Plattform für Spezialversicherungen im deutschen Markt zu etablieren über die wir Makler, Versicherer und Kunden zusammenbringen.

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