Garantiezinssenkung: Württembergische läutet zum Schlussverkauf für BU-Versicherungen

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Die Senkung des Höchstrechnungszinses zum 1. Januar 2022 hat auch Auswirkungen auf die private Vorsorge wie auf die Berufsunfähigkeitsversicherung. Darauf weist die Württembergische Lebensversicherung AG hin.

Aufgrund der gesetzlich geänderten Rechnungsgrundlagen wird die Absicherung der Arbeitskraft für Neuabschlüsse branchenweit ab 2022 etwas teurer. So sagte der Vorstand der Deutschen Aktuarvereinigung, Dr. Guido Bader, im Interview mit Cash., dass in Folge der Garantiezinssenkung und neuer DAV-Tafeln die Preise für die BU-Absicherung für ältere Kunden moderat um drei bis sechs Prozent steigen dürften, während es für Schüler und Studenten bis zu 15 Prozent teuerer werden könnte.

Die Württembergische empfiehlt daher, diese Absicherung – bei entsprechendem Bedarf – noch im laufenden Jahr abzuschließen. Damit, argumentiert der Versicherer, ließen sich günstigere Beiträg für die gesamte Versicherungsdauer sichern.

Eine Beispielrechnung zeigt: Ein Kfz-Mechatroniker etwa, der mit 25 Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Endalter 67 Jahre bei der Württembergischen abschließt, zahlt bei Vertragsbeginn im laufenden Jahr pro Monat knapp 86 Euro für eine monatliche Rente von 1.000 Euro. Wenn er die Versicherung erst im kommenden Jahr abschließt, kostet ihn die gleiche Absicherung pro Monat knapp 93 Euro. Bis zum Ende der Laufzeit könne der Kfz-Mechatroniker auf diese Weise rund 3.600 Euro einsparen, betont der Versicherer.

Die Württembergische weißt zurecht darauf hin, dass die gesetzliche Rente bei einer Erwerbsminderung aktuell lediglich bei durchschnittlich 869 Euro brutto liegt und rund jeder vierte Berufstätige mindestens einmal im Leben berufsunfähig wird. Richtig ist auch, dass – falls die berufliche Tätigkeit aufgrund von Krankheit, Körperverletzung, Kräfteverfall oder Unfall nicht mehr ausgeübt werden kann – eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein wichtiger Schutz vor den finanziellen Folgen ist.

1.000 BU-Rente sind schlicht zu wenig

Kritikwürdig an der Aktion ist, dass der Versicherer im Rahmen seiner „Schlussverkaufsoffensive“ mit einer Beispiel-BU-Rentenhöhe aufwartet, die mit aller Wahrscheinlichkeit im Falle eine Falles zum Leben nicht reichen dürfte. 1.000 BU-Rente sind schlichtweg zu wenig.

So hinterfragte Bader im Interview mit unserem Magazin die Praxis, BU-Renten in Höhe von 500 oder 1.000 Euro Monatsrente abzuschließen. „Was bringt es, dann trotzdem auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein“, fragte Bader. Ähnlich äußerte sich auch BU-Experte Michael Ludwig, Bereichsleiter Produkte und Analyse beim Hofheimer Analysehaus Morgen & Morgen.

Dass die Württembergische für BU-Versicherungen – bei entsprechendem Bedarf – trommelt, mag in Ordnung sein. Dass auf die Preissteigerung im Zuge der Garantiezinssenkung hingewiesen wird, auch noch. Dass die Marketingstrategen mit einer Beispielrechnung aufwarten, bei der nur der Preis werbetechnisch stimmt, hinterlässt dann aber doch ein Geschmäckle. Damit erweist man allenfalls Kritikern einen Bärendienst. Aber nicht denjenigen, die dringend eine passende Absicherung ihrer Arbeitskraft benötigen.

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