Generationen Y und Z: Herausforderungen in der Altersvorsorge

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Reto Näscher, CEO, the Prosperity Company

rivate Rentenversicherung, bAV, Aktieninvestments oder Fonds sind Themen, um die junge Menschen eher einen Bogen machen. Auf klassischen Wegen erreichen Vermittler die Zielgruppe jedoch nur schwer; die Musik für den Vertrieb läuft auf den digitalen Kanälen.

Eine GfK-Studie unter 18- bis 32-Jährigen zeigt, dass jungen Leuten Altersvorsorge wichtig ist, sie jedoch nichts dafür tun. 65 Prozent der Befragten sorgen sich demnach, im Alter arm zu werden. Dass die gesetzliche Rente allein nicht ausreicht, um den bisherigen Lebensstil im Alter beizubehalten, ist jungen Menschen bewusst. 87,6 Prozent finden das Thema Altersvorsorge wichtig, die Wenigsten stellen jedoch eigenständig eine finanzielle Basis für das Alter sicher.

Diese Diskrepanz ergibt sich zunächst aus den scheinbar fehlenden monetären Mitteln. Als Berufseinsteiger beziehungsweise am Anfang der Karriere verdienen junge Leute weniger Geld als Arbeitnehmende, die bereits einen fortgeschritteneren Karriereweg hinter sich haben. Sie haben weniger Geld zur Verfügung, das sie in Versicherungen oder die Altersvorsorge investieren können – zumindest nennen Generation Y und Z das als Begründung. Doch entspricht das auch der Wahrheit?

Fakt ist, dass die jungen Generationen ihr Geld ohne Zögern für Handyverträge, Streaming-Portale oder Reisen ausgeben – die Priorisierung für Ausgaben liegt also woanders. Gleichzeitig spielen aktuelle Themen wie die Klimakrise oder die Coronakrise eine größere Rolle für junge Menschen. Sie beschäftigen sich mit solchen Problematiken ausgiebiger als mit Altersvorsorge. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Politik und Medien nicht ausreichend Wissen vermitteln. Die jungen Generationen fühlen sich vernachlässigt und nicht genug informiert – ein Aspekt, an den Versicherungsgeber ansetzen können und müssen.

Was bedeutet das für Kunden und Makler?

Wenn junge Menschen bei dem Thema Altersvorsorge weiterhin nicht aktiv handeln, steigt das Risiko für sie, in Altersarmut zu geraten. Aktuell können sich 27,4 Prozent eher vorstellen, in ein anderes Land auszuwandern, wenn sie sich vorstellen als Rentner arm zu sein, als selbst Vorsorge zu treffen. Die eigenständige Altersvorsorge sehen nur erschreckende 1,9 Prozent der Befragten als Lösung.

Wenn es Versicherern nicht gelingt, junge Menschen für die eigenverantwortliche Altersvorsorge zu sensibilisieren und zu motivieren, wird es in Zukunft immer schwieriger werden, Neukunden zu gewinnen. Die Folgen dieses Szenarios hätte auch für Makler verheerende Folgen. Deshalb sind auch sie gefragt, neue Denkansätze umzusetzen und ihre Existenz dadurch nachhaltig zu sichern. Für die Versicherungsbranche heißt das, dass sie eine Option finden muss, wie sie die jungen Generationen zielgruppengerecht und effizient ansprechen kann.

Junge Menschen über digitale Kanäle erreichen

Damit auf beiden Seiten keine negativen Konsequenzen entstehen, müssen junge Menschen und Versicherer einen Weg zueinander finden. Wie können Versicherungsgeber also die Ursachen der mangelnden Altersvorsorge beheben? Wie lassen sich Generation Y und Z über mögliche Vorsorgemaßnahmen und deren Relevanz für die eigene Entwicklung aufklären und informieren?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen zunächst die Kundenbedürfnisse geklärt werden. Diese haben sich im Laufe der Digitalisierung verändert. Während Nutzer früher noch den persönlichen oder telefonischen Kontakt gesucht haben, wünschen sich heutzutage vor allem junge Kundinnen und Kunden Einfachheit, Schnelligkeit und Transparenz. Die neu entstandenen Ansprüche lassen sich durch digitale Konzepte lösen.

Junge Leute sind mit digitalen Prozessen und digitalen Medien und Apps aufgewachsen – Sie kennen das Erwachsenenleben nicht ohne moderne Technologie. Generation Z kennt die Welt nicht ohne Internet und Anbietern wie Google. Junge Menschen vertrauen Online-Plattformen. „Digitale Makler“ beziehungsweise die digitale Kommunikation sehen sie nicht nur als eine Möglichkeit an, sondern als Selbstverständlichkeit und Grundvoraussetzung für ein positives Kundenerlebnis.

Eine Statista-Umfrage zeigt, dass 68,2 Prozent der Befragten an Informationen über das Internet, beispielsweise durch Online-Dienste oder Apps, interessiert beziehungsweise sehr interessiert sind. 36 Prozent geben an, dass sie digitale Medien wie Websites, Podcasts oder Blogs nutzen, um sich Informationen zu beschaffen. Junge Menschen nutzen hierzu auch soziale Medien – das geben 32 Prozent an.

Circa 23 Prozent der Befragten aus Generation Z konsumieren Nachrichten über Instagram. Aus Generation Y informieren sich 25 Prozent auf Facebook. Um die jungen Generationen zielgruppengerecht anzusprechen, sind Instagram und Facebook also die wichtigsten sozialen Plattformen, die Versicherungsgeber und Makler nutzen sollten.

Wie wird sich die Altersvorsorge entwickeln?

Wenn man nach dem 1. Januar 1964 geboren wurde, liegt das aktuelle Renteneintrittsalter ohne Abzüge bei 67 Jahren. Wie sich das Eintrittsalter in Zukunft entwickeln wird, ist jedoch ungewiss. Andauernde Debatten zeigen, dass eine Regelaltersgrenze um 2050 noch nicht prognostizierbar ist. Es ist jedoch klar, dass der Anteil an Senioren, die unterhalb der Armutsgrenze leben, in den kommenden Jahren steigen wird.

Alternative Vorsorgewege werden weiterhin an Notwendigkeit zunehmen. Die junge Zielgruppe hält Themen wie die private Rentenversicherung, die betriebliche Altersvorsorge, Aktien und Fonds oder Immobilienkäufe für weitestgehend uninteressant – obwohl diese Themen immer mehr an Relevanz und Bedeutung gewinnen. Für Vermittler bedeutet das, sich digital zu positionieren und junge Menschen somit für eine nachhaltige Altersvorsorge zu sensibilisieren. Dadurch werden sich für beide Seiten neue Chancen und Potenziale ergeben.

Autor Reto Näscher ist CEO der The Prosperity Company, Liechtenstein

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