17 Lebensversicherer in „enger Manndeckung“ durch die BaFin

Foto: Policen Direkt
Henning Kühl, Policen Direkt

Trotz Coronakrise stehen die deutschen Lebensversicherer solide da. Das zeigt ein Überblick über die Solvenzquoten, die Policen Direkt jetzt veröffentlich hat. Die Zahl der Versicherer, die sich in "enger" Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht befinden, ist von 13 auf 17 gestiegen.

Ebenso die Zahl der Lebensversicherer, die vor sehr großen Herausforderungen stehen. Sie kletterte von 19 auf 22. Die Analyse zeigt auch, dass die Coronakrise an den Rücklagen zehrt. So verfügen jetzt nur noch 21 Lebensversicherer über einen sehr großen Puffer. Im vergangenen Jahr waren es noch 36.

Gesunken ist auch die Nettoquote ohne bilanzielle Hilfen und Übergangsmaßnahmen: Sie liegt knapp 20 Prozent unter dem Vorjahresschnitt.

„Covid-19 fordert Lebensversicherer auch in ihrer Finanzstabilität. Das erste Krisenjahr hat die Risikopuffer der Gesellschaften deutlich belastet“, sagt Henning Kühl, Leitender Aktuar von Policen Direkt und Versicherungsmathematiker (DAV) mit Blick auf die aktuellen Solvenzquoten. „Vor allem das weiter gesunkene Zinsniveau hat zu einer Erhöhung der Kapitalanforderungen oder zu einem Rückgang bei den anrechnungsfähigen Eigenmitteln geführt. Das hat Auswirkungen auf die Solvenzquoten.“

Deutliche Rückgänge bei der aufsichtsrelevanten Quote

Die Gesellschaften verzeichnen bei der aufsichtsrelevanten Quote teils deutliche Rückgänge. Zur Sicherung der Finanzstabilität wurden hier auch weitere bilanzielle Hilfen wie Volatilitätsanpassungen oder Übergangsmaßnahmen bei der BaFin beantragt. Gleichzeitig zeigt sich die Branche alarmiert: Man will angesichts der immer noch unklaren Lage schnell auf weitere Änderungen der Finanz- und Risikolage reagieren können.

Versicherer haben laut den zum Stichtag 8. April veröffentlichten Berichten Krisenstäbe gebildet und führen regelmäßig spezielle Covid-Stresstests durch, mitunter setzen sie in ihren Modellen auch Stornoschocks an. Mit derartigen zusätzlichen Berichtsinstrumenten wollen die Unternehmen die Situation fortlaufend analysieren und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen können. Zurückhaltend zeigen sich Versicherer in den SFCR mit Blick auf die Entwicklung des Neugeschäftes. Nur einzelne Versicherer gehen in ihren Solvenzberichten nicht auf die Corona-Krise ein.

Korridor-Analyse: 21 Unternehmen mit Risikopuffern

Die Analyse der Solvenzquoten ohne Übergangsmaßnahmen mit Volatilitätsanpassungen (Nettoquote +VA) blendet kurzfristige Marktentwicklungen eher aus, weil sie die Volatilitätsanpassungen mit einbezieht. Diese Bilanzierungshilfen berücksichtigen, dass Lebensversicherer ihr Kapital langfristig anlegen und damit kurzfristige Schwankungen und Schocks eher „aussitzen“ können.

Die Solvenzquoten zeigen, dass kleinere Versicherer mit hohem Garantiebestand und diejenigen, die bereits in der Vergangenheit nur mit Übergangsmaßnahmen eine Solvenzquote von über 100 Prozentpunkten erreicht haben, jetzt vor noch größeren Herausforderungen stehen. Wie die Korridor-Analyse verdeutlicht, geht es hier mitunter darum, überhaupt noch Neugeschäft zeichnen zu können. Jüngst hat hier Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund darauf hingewiesen, dass hier Versicherer in den nächsten Jahren große Schwierigkeiten bekommen könnten und damit ihre Lizenz für das Neugeschäft riskieren.

Nettoquote unter 150: 22 Unternehmen vor großen Herausforderungen

22 Unternehmen stehen mit einer Solvenzquote ohne Bilanzierungshilfen von unter 150 Prozent (2019: 19) aktuell vor großen Herausforderungen. Hier geht es um bestehende Garantieanforderungen und darum, sich in Zukunft überhaupt noch Neugeschäft leisten zu können, schreibt Policen Direkt.

39 Unternehmen weitgehend gerüstet

Bei 39 Unternehmen (2019: 29) mit einer Nettoquote +VA von 150 bis 300 Prozent sieht Kühl die finanzielle Stabilität weitgehend gewährleistet. Laut Policen Direkt sind die Unternehmen für Extremszenarien gerüstet und in der Lage, die eingegangenen Versprechen auch in Zukunft zu erfüllen.  

21 Unternehmen mit großen Risikopuffern

21 Unternehmen (2019: 36) sind, das zeigt die Analyse, aufgrund ihrer vergleichsweise komfortablen Solvenzkapitalausstattung mit einer Nettoquote +VA von mehr als 300 Prozent sehr gut gewappnet und können weitere Verschärfungen der Lage bewältigen oder im Neugeschäft weitreichende Zusagen geben. Dennoch ist die Zahl der Unternehmen hier deutlich deutlich zurückgegangen.

1 Kommentar
Inline Feedbacks
View all comments
Weitere Artikel
Wissen, was los ist – mit den Newslettern von Cash.
Wissen, was los ist – mit den Newslettern von Cash.