Anzeige
Anzeige
1. September 2011, 13:49
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Wir wollen lieber langsam, dafür aber qualitativ wachsen”

Ist das Haftungsdach passé, wenn die Fondsregulierung kommt? Cash. im Gespräch mit Dr. Frank Ulbricht und Oliver Lang, Vorstände der BCA Bank.

Bca-oliver-lang-frank-ulbricht in Wir wollen lieber langsam, dafür aber qualitativ wachsen

Oliver Lang und Frank Ulbricht im Cash.-Interview

Cash.: Ist ein Haftungsdach im Hinblick auf die geplante Regulierung noch notwendig?

Ulbricht: Die Frage muss aus meiner Sicht eher umgekehrt gestellt werden. Macht es heutzutage noch Sinn, nicht unter ein Haftungsdach zu gehen? Der 34c-Berater, der im Fondsbereich berät, war immer in der Situation zu sagen, dass ihn das Haftungsdach nicht interessiert und es ihm zu viel Aufwand ist. Jetzt kommt der 34f mit nahezu identischen Anforderungen. Die Berater müssen, wenn sie künftig weiter zu Fonds beraten wollen, sich mit Dokumentationsverpflichtungen auseinandersetzen, eine Sachkunde ablegen und eine Vermögensschadenhaftpflicht abschließen.

Cash.: Also heißt das, dass derjenige, der unter ein Haftungsdach geht, keinen 34f braucht?

Ulbricht: Genau. Unter einem Haftungsdach benötigen Vermittler diesen nicht, denn die Zulassung haben wir.

Cash.: Damit könnte ein Vermittler die derzeit geforderte Sachkundeprüfung umgehen?

Ulbricht: Es führt zu einer gewissen Freiheit, bestimmte Anforderungen der Gewerbeordnung nicht erfüllen zu müssen. Warum sollten wir jemanden, der seit 20 Jahren am Kapitalmarkt tätig ist und ohne Schäden berät, nicht anbinden, wenn er die Qualifizierung dafür mitbringt?

Cash.: Welches Plus hat ein Haftungsdach noch?

Ulbricht: Unter dem Haftungsdach haben Sie den entscheidenden Vorteil, in nahezu allen Finanzinstrumenten – wie beispielsweise Aktien, Renten, Zertifikate – alles beraten zu dürfen. Der Vermittler darf sich die Depotauszüge seiner Kunden in Gänze anschauen. Sobald der Kunde eine Aktie oder eine Anleihe besitzt, darf der Vermittler derzeit mit der 34c-Zulassung in diesen Wertpapieren keine Beratung vornehmen. In der Praxis wird dies zwar an der einen oder anderen Stelle anders gemacht. Aber gesetzeskonform ist es eben nicht. Außerdem bestehen künftig für den 34f-Vermittler auch Dokumentationspflichten. Das haben wir aber schon jetzt und bringen daher auch ein entsprechendes Wissen mit, um es an die Berater weiterzugeben.

Cash.: Wie sieht es mit dem vorgesehenen Nachweis gegenüber einer neutralen Stelle aus?

Ulbricht: Der 34f-Vermittler muss künftig einen Nachweis erbringen, beispielsweise gegenüber einem Wirtschaftsprüfer, dass er die Dokumentation und alle Verpflichtungen, die sich daraus ergeben, erfüllt hat. Das wird für ihn mit Kosten verbunden sein. In unserem Haftungsdach prüft die interne Revision die Dokumentation. Diese Prüfung ist im Monatsbeitrag für das Haftungsdach enthalten, ebenso die Vermögensschadenhaftpflicht. Außerdem stellen wir für die Berater die gesamte Dokumentation und Anlagetools zur Verfügung.

Cash.: Was entgegnen Sie den Skeptikern, die beim Anschluss an Ihr Haftungsdach ein beschränktes Anlageuniversum befürchten?

Ulbricht: Die Einschränkung, dass Berater nur für ein Haftungsdach tätig sein dürfen, ist eine gesetzliche Regelung aus dem KWG. Ich stimme Ihnen mit der Einschränkung zu, wenn das Angebot beispielsweise auf 100 Fonds, 20 Zertifikate und fünf Aktien limitiert wäre. Bei uns können Sie indes im gesamten Fondsbereich tätig werden und alles beraten.

Cash.: Interessiert sich ein Makler für Ihr Haftungsdach, erfolgt eine Einordnung in den Bereich Standard, Komfort oder Premium. Wie unterscheiden sich diese?

Ulbricht: Im Premiumbereich dürfen Vermittler alles beraten, was wir im Produktuniversum anbieten. Hat der Interessent eine Bankausbildung, den Bankfachwirt oder Bankbetriebswirt absolviert und kann einen Praxisnachweis erbringen, reicht das aus, um in die Premiumstufe zu kommen. Auch eine jahrelange Erfahrung in der Kapitalanlageberatung ist ausreichend. Wer dies nicht nachweisen kann, muss einen Test absolvieren. Dieser dient dazu, auszuloten, wo noch Fortbildungsbedarf besteht.

Cash.: Die Fortbildung kommt von Ihnen?

Ulbricht: Ja. Die haben wir gemeinsam mit der Frankfurt School und der Deutschen Makler Akademie entwickelt. Die Makler können Module daraus buchen und sich dann einer Prüfung unterziehen. Die Kosten dafür tragen sie selbst.

Cash.: Sie haben derzeit nur 25 Anbindungen. Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Lang: Es lohnt sich auf jeden Fall, weil wir langfristig gesehen weniger Haftungsfälle und wesentlich besser qualifizierte Partner unter dem Haftungsdach haben werden. Jeder Anbieter muss sich die Frage stellen, ob er auf Quantität oder auf Qualität setzt. Wir wollen lieber langsam, dafür aber qualitativ wachsen. Bei einem Haftungsdach verhält es sich wie beim Marathon. Es bringt wenig, nach 100 Metern über die Ziellinie zu gehen. Viel wichtiger ist es, ein langfristiges und stabiles Geschäftsmodell zu haben, das unsere Partner lange Zeit begleitet.

Interview: Katja Schuld

Foto: Frank Seifert

Anzeige

1 Kommentar

  1. Hallo

    Kommentar von Waike Döring — 25. Oktober 2011 @ 15:37

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Münchener Verein baut Eigenkapitalbasis aus

Die Münchener Verein Versicherungsgruppe konnte im Geschäftsjahr 2016 ein Ergebnis nach Steuern in Höhe von 99,6 Millionen Euro erzielen. Das entspricht einer Steigerung von 5,1 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

mehr ...

Immobilien

Die Top Sechs der teuersten und günstigsten Studentenstädte

Nicht alle Studenten leben gerne in WGs, in einigen Hochschulstädten ist das Leben ohne Mitbewohner aber besonders teuer. Immowelt hat untersucht, wo Studenten am teuersten wohnen und in welchen Städten die Mieten besonders niedrig sind.

mehr ...

Investmentfonds

Banken leihen sich von EZB 233,5 Milliarden Euro

Die europäischen Kreditinstitute haben vorerst die letzte Gelegenheit sehr stark genutzt, um sich zum Nullzins Kredite von der EZB zu besorgen. Auch in der Eurozone verdichten sich mittlerweile die Anzeichen für einen strafferen Notenbankkurs.

mehr ...

Berater

Sparkassen im Norden forcieren Online-Banking

Trotz wachsender Belastungen durch die Niedrigzinsen haben die Sparkassen in Schleswig-Holstein 2016 ihren Jahresüberschuss nach Steuern auf 143,2 Millionen Euro steigern können. Das teilt der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein mit. Um sinkenden Erträgen entgegenzuwirken, wollen die Sparkassen ihr digitales Angebots ausbauen.

mehr ...

Sachwertanlagen

US-Justiz ermittelt gegen Hapag-Lloyd und Møller-Maersk

Sprechen die großen Reedereien im Hinterzimmer ihre Preise ab? US-Behörden haben eine Untersuchung gegen die Branche eingeleitet. Stellung nehmen soll auch der deutsche Container-Riese Hapag Lloyd.

mehr ...

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...