11. Oktober 2013, 11:27

“Bestandsverkäufe bei größeren Beständen kaum durchführbar”

Dr. Stefan Adams, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Adams & Associates, die auf die Bewertung und Übertragung von Maklerbeständen spezialisiert ist, erläutert die Einflüsse von Finanzkrise, demografischem Wandel und Regulierung auf den Markt der Maklerbestände.

Unternehmensbewertungen

“Unternehmen werden in der Regel mit allen Rechten und Pflichten verkauft, sodass man als Käufer eine tiefgehende Prüfung durchführen muss.”

Cash.: Wie hat sich der Bestandsverkauf in den letzten Jahren gewandelt?

Adams: Durch die kurz hintereinander folgenden Finanzkrisen hat sich die Risikobereitschaft der Investoren signifikant verändert. Vor den Finanzkrisen haben Investoren bei Käufen Amortisationszeiten nach Steuern und Zinsen von zehn Jahren und mehr akzeptiert.

Heute variieren diese je nach Risikoaffinität zwischen fünf und siebeneinhalb Jahren. Manche Investoren kalkulieren diese Zeiträume noch kürzer. Die Vorlage einer detaillierten Unternehmensbewertung und -analyse ist für die Verkäufer heute unabdingbar geworden, um einen adäquaten Kaufpreis zu realisieren.

Ist die Nachfrage nach Unternehmensbewertungen durch die zunehmende Regulierung gestiegen?

Bei den altersbedingten Nachfolgeregelungen hat die Regulierung die Auswirkung, dass immer mehr Geschäftsinhaber mit Anfang, Mitte 50 bereits systematisch die Übergabe ihres Unternehmens planen, um sich nach der Übergabe für ihr ehemaliges Unternehmen als rein vertriebsorientierte Berater zu betätigen.

Diese Entwicklung wird verstärkt durch die Angst vieler etablierter Makler, dass mit den sukzessiv zunehmenden Verkaufsaktivitäten der sogenannten “geburtenstarken” Jahrgänge die Verkaufspreise weiter unter Druck geraten.

Die markt- und regulierungsbedingt schwieriger gewordene Kaufpreisfindung hat zusammen mit der diesbezüglichen Verunsicherung bei Verkäufern und Käufern bei uns zu einer stark steigenden Nachfrage nach Unternehmensbewertungen geführt.

Hat die Einführung des Paragrafen 34f Einfluss auf den Markt der Maklerbestände?

Zahlreiche Marktteilnehmer haben den Markt verlassen und ihre Unternehmen verkauft, da sie die erhöhten Kosten – verursacht durch Dokumentation, Haftung, etc. – nicht tragen konnten oder wollten.

Wo lauern beim Bestands- beziehungsweise Unternehmensverkauf Fallstricke?

Bestandsverkäufe sind heute nur noch unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen möglich, da die Hürden durch die Rechtsprechung für den Datenschutz und die Rechtsnachfolge sehr hoch angesetzt worden sind.

Bei größeren Beständen sind Bestandsverkäufe regelmäßig nicht mehr durchführbar, weil in den meisten Fällen mit den Kunden keine Maklerverträge mit Datenermächtigungs- und Rechtsnachfolgeklausel vorliegen und diese Problematik nicht in einem überschaubaren Zeitraum “heilbar” ist.

Unternehmen werden in der Regel mit allen Rechten und Pflichten verkauft, sodass man als Käufer eine tiefgehende Prüfung durchführen muss, um Risiken und Verpflichtungen zu identifizieren.

Darüber hinaus muss die Kosten- und Ertragsstruktur bei Unternehmensverkäufen sehr detailliert analysiert werden, um die zukünftigen Jahresüberschüsse und damit die Amortisationszeit der Investition möglichst präzise planen zu können.

Worauf sollten Käufer beziehungsweise Verkäufer achten?

Käufer sollten sich im Vorfeld sehr genau überlegen, was sie kaufen möchten. Insbesondere welches Investitionsbudget dafür realistisch eingesetzt werden kann und welche Zielgruppe und Regionalität favorisiert wird. Auch sollten im Vorgriff bereits potenzielle Finanzierungsmöglichkeiten detailliert überprüft werden.

Verkäufer sollten ihre Kaufpreisvorstellungen vor Verkauf ihres Unternehmens durch ein professionelles Bewertungsgutachten überprüfen lassen und ihr Unternehmen frühzeitig wertsteigernd auf den Verkauf vorbereiten. Ein sogenanntes “Brautverschönern” – im seriösen Sinne – ein bis drei Jahre vor dem Verkauf angestoßen, hilft dem Verkäufer und dem Käufer.

Interview: Julia Böhne

Bild: Dr. Adams & Associates


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Berater


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Start von Vitality: Generali belohnt Sport mit Preisnachlass

Das Leben-Geschäft der Versicherungskonzerne schrumpft, der Niedrigzins macht allen zu schaffen. Vor diesem Hintergrund versucht der Versicherer Generali sein Geschäft jetzt mit einer neuen Idee anzukurbeln: Er belohnt seine Kunden für Sport und gesundes Essen mit Rabatten.

mehr ...

Immobilien

Pantera AG startet eigene Projekte

Die Pantera AG zieht eine positive Bilanz für die beiden abgelaufenen Geschäftsjahre 2014/2015. Neben dem Einzelvertrieb von Immobilien wurden auch die Entwicklung kompletter Immobilienprojekte für Dritte sowie der Globalverkauf an institutionelle Investoren gestartet.

mehr ...

Investmentfonds

Britisches Pfund fällt weiter

Das Britische Pfund ist am Montag weiter unter Druck geraten und noch unter den Stand vom Freitag direkt nach dem Brexit-Votum gefallen.

mehr ...

Berater

Wiederanlage: Versicherer setzen auf Pflegeprodukte

In der Lebensphase 50plus kommt bei Kunden von Lebens- und Rentenversicherungen langsam Vorfreude auf die Auszahlung Anfang bis Mitte 60 auf. Bei Kapitalabfindung stellt sich jedoch die Frage: Was wird aus der Wiederanlage des Geldes?

mehr ...

Sachwertanlagen

Brexit: “Nicht einfach eine Tür, die zugeschlagen wird”

Die Anbieter von Sachwertanlagen bedauern, dass die Mehrheit der Briten gegen einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt hat. Mit Blick auf die eigene Branche könnte das Brexit-Votum zu weiter steigenden Anlagen im Bereich Sachwerte führen.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...