18. Juni 2015, 07:41
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Insiderwissen des Anlegeranwalts: Insolvenzverwalter profitiert

Bei Insiderwissen eines Anlegeranwalts kann der Insolvenzverwalter den bereits an den Anleger ausgezahlten Geldbetrag zurückfordern, so der Bundesgerichtshof in einem aktuellen Urteil. Im Vorfeld einer Insolvenz soll demzufolge nicht der Schnellste oder “Durchsetzungsfreudigste” noch “sein” Geld zu Lasten der übrigen Betroffenen zurückholen können.

Kommentar von Prof. Dr. Thomas Zacher, Kanzlei Zacher & Partner Rechtsanwälte

Schneeballsystem

“Gerade wenn ein “Sonderwissen” vorliegt, gilt auch hier der – nicht nur anwaltliche – Grundsatz: (Öffentliches) Reden ist Silber, Schweigen ist Gold”.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit Urteil vom 8. Januar 2015 (IX ZR 198/13) der Klage eines Insolvenzverwalters stattgegeben, die auf Rückzahlung der zuvor an den Anleger auf Betreiben seines Anwalts ausgezahlten Beträge gerichtet war

Das Unternehmen hatte vor der Insolvenz Inhaber-Teilschuldverschreibungen ausgegeben. Tatsächlich lag dem Geschäftsmodell aber ein Schneeballsystem zugrunde, bei dem die Rückzahlungsbeträge aus dem “frischen” Geld neu eingeworbener Anleihen finanziert wurden.

Freude des Anlegers von kurzer Dauer

Dies wusste zwar (zunächst) nicht der Anleger, jedoch die von ihm beauftragte Anwaltskanzlei, die gerade mit den entsprechenden Kenntnissen über die Vorgänge bei dem betroffenen Unternehmen aktiv im Internet und bei Verbraucherschutzorganisationen geworben hatte.

Offenbar gerade weil sie vertiefte Einblicke in das Geschäftsmodell des betroffenen Unternehmens hatte, war zunächst deren Mahnung im Interesse des Anlegers erfolgreich. Er erhielt vom Unternehmen sein Geld zurück.

Letztlich war die Freude des Anlegers hierüber jedoch nur von kurzer Dauer, da er nach dem Urteil des BGH den empfangenen Betrag wieder an den Insolvenzverwalter zurückzuzahlen und sich stattdessen mit der deutlich geringeren Insolvenzquote zu begnügen hatte.

Insolvenzverwalter kann Vorsatzanfechtung geltend machen

Wie das Gericht in seinem Urteil ausführlich begründet, konnte der Insolvenzverwalter hier die sogenannte Vorsatzanfechtung erfolgreich geltend machen.

Seite zwei: Anwaltskanzlei wirbt mit Insiderwissen

Weiter lesen: 1 2 3

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Ab dem 16. Februar am Handel.

 

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien

Versicherungen

Karneval: HDI will für Unfallrisiken sensibilisieren

60 Prozent der Deutschen halten privaten Unfallschutz für wichtig, aber nur 24 Prozent haben tatsächlich eine Police abgeschlossen. Dies ergab eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der HDI. Speziell für Karnevalisten bietet der Versicherer aktuell eine digitale Kurzzeitversicherung an, den sogenannten “Tolle-Tage-Schutz”. 

mehr ...

Immobilien

JLL: Hamburgs Büromarkt mit größtem Performance-Sprung

Der Victor Prime Office von Jones Lang LaSalle (JLL), der die Büro-Teilmärkte in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München analysiert, verzeichnete im vierten Quartal 2016 den stärksten Zuwachs in einem Quartal seit Aufzeichnung des Index Ende 2003.

mehr ...

Investmentfonds

Nebenwerte erhöhen die Rendite im Depot

In den vergangenen Jahren konnten Nebenwerte die großen Aktienindizes deutlich outperformen. Auch in der Zukunt dürfte diese Asset-Klasse attraktiv sein. Gastkommentar von Charles Anniss, Union Bancaire Privée

mehr ...

Berater

Stornogefährdete Verträge: Das sollten Vertreter wissen

Der Versicherungsvertreter behält seinen Provisionsanspruch, wenn der Versicherer seiner Pflicht zur Nachbearbeitung stornogefährdeter Verträge nicht ordnungsgemäß nachkommt. Dies ist einer der Leitsätze zu Provisionszahlungsansprüchen des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin-Konsultation: „AIF-Geschäftsführung ist nicht qualifiziert“

Die BaFin hat die Frist für Stellungnahmen zu ihrem jüngsten Schreiben um zwei Wochen verlängert. Der Korrekturbedarf ist offenbar groß. Doch frühere Aussagen der Behörde lassen ahnen, wo ihre Grenzen liegen. Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Recht

VDVM: Bafin schießt übers Ziel hinaus

Der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) kritisiert die Ausführungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zum BGH-Urteil zur Schadenregulierung. Der Verband will sich gegen eine “so pauschale und undifferenzierte Beschränkung des Berufsbildes des Versicherungsmaklers” wehren.

mehr ...