Anzeige
Anzeige
5. Dezember 2014, 11:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Pauschalbesteuerung intransparenter Fonds gekippt

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Pauschalbesteuerung von intransparenten Investmentfonds gekippt (Urteil vom 9.10.2014, C-326/12). Was die Entscheidung in der Anlagepraxis bedeutet.

Gastbeitrag von Dr. Stefan Diemer, Kanzlei Heisse Kursawe Eversheds

Pauschalbesteuerung

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg.

Das Investmentsteuergesetz (InvStG) regelt in Paragraf 5 die Bekanntmachungspflichten gegenüber den Anlegern, die für Investmentfonds mit Blick auf ihre Besteuerungsgrundlagen gelten: Investmentfonds, die ihre Besteuerungsgrundlagen nach Paragraf 5 Abs. 1 InvStG form- und fristgemäß – in deutscher Sprache – im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen, werden als sogenannte “transparente” Investmentfonds besteuert.

Fonds, die dies nicht in vollem Umfang tun, können als “semi-transparente” Investmentfonds besteuert werden; ihre Anleger können dann Vergünstigungen, zu denen der Fonds keine Angaben gemacht hat, später nicht steuerwirksam geltend machen.

Pauschalbesteuerung greift bei Nichterfüllen der Informationspflichten

Erfüllt ein Investmentfonds die Informationspflichten des Paragraf 5 InvStG gar nicht, greift die Pauschalbesteuerung nach Paragraf 6 InvStG: Danach werden alle Ausschüttungen auf Investmentanteile, der Zwischengewinn sowie ein Mehrbetrag von 70 Prozent der Wertsteigerung besteuert. Die Untergrenze liegt jedoch bei sechs Prozent des letztjährigen Rücknahmepreises.

Wurde der Kurs beispielsweise zuletzt im Juni festgestellt und hat der Fonds seitdem einen Verlust von 70 Prozent erlitten, muss der Anleger dennoch auf sechs Prozent des Kurses vom Juni Steuern zahlen. Diese pauschale Berechnung der zu versteuernden Erträge geht in der Praxis oftmals über die von den Anlegern tatsächlich erzielten Erträge hinaus.

Die Regelung gilt nach dem Gesetz für deutsche und ausländische Fonds gleichermaßen. Da aber ausländische Investmentfonds häufig nicht auf den deutschen Markt abzielen, erfüllen gerade sie meist nicht die Vorgaben des Paragraf 5 InvStG.

Der Fall

So war es auch in dem Fall, der dem EuGH-Urteil zugrunde lag: Zwei Anleger hielten in den Jahren 2003 bis 2008 Anteile an intransparenten Investmentfonds, die im Depot einer belgischen Bank lagen.

Gegenüber den Finanzbehörden erklärten sie die Erträge aus ihren Anteilen an diesen Fonds auf Grundlage von Schätzungen, Belegen, die sie der Steuererklärung beifügten, sowie Informationen aus der Börsenzeitung. Insgesamt kamen sie so auf rund 71.460 Euro.

Seite zwei: Das Urteil des EuGH

Weiter lesen: 1 2 3 4

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

GDV: Senioren ab 75 sollen zum Fahrtest

Die Versicherer fordern, dass Autofahrer ab dem 75. Lebensjahr eine verpflichtende Kontrollfahrt absolvieren, um ihre Fahrtüchtigkeit testen zu lassen. “Die Unfallforschung der Versicherer wird in diesem Jahr Standards für eine solche Testfahrt entwickeln”, erklärte Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung des GDV, in der “Westfalenpost”.

mehr ...

Immobilien

Baubranche fordert Ende des Vorschriften-Dschungels

Angesichts des Wohnungsmangels in vielen deutschen Städten hat die Baubranche eine Vereinheitlichung des Vorschriften-Dschungels der 16 Bundesländer gefordert.

mehr ...

Investmentfonds

Trump könnte Märkte enttäuschen

Von Donald Trump erwarten die Investoren derzeit viel. Allerdings könnte schon bald die Enttäuschung folgen. Die Lage ist keinesfalls entspannt. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

mehr ...

Berater

Fondsnet baut institutionelle Kundenbetreuung aus

Der Erftstadter Maklerpool Fondsnet stärkt die Beratung und Betreuung institutioneller Kunden. Marc Blum (50) unterstützt seit 1. November 2016 als Ansprechpartner den Geschäftsbereich Fund-Servicing, der für eine Vielzahl von Dienstleistungen rund um die Betreuung und Verwaltung von Investmentfonds steht.

mehr ...

Sachwertanlagen

Marke Brenneisen Capital wird veräußert

Manfred Brenneisen, Chef der Brenneisen Capital mit Sitz in Wiesloch, veräußert den Geschäftsbereich Spezialvertrieb für Sachwertanlagen samt Markennamen. Die persönliche Kontinuität für die Geschäftspartner soll gewahrt bleiben.

mehr ...

Recht

Privathaftpflicht: “Billigkeit” kein Anspruchsgrund für Schadensersatz

Die Privathaftpflichtversicherung dient, im Gegensatz zur Pflichtversicherung, dem Schutz des Versicherten. Ein Schadensersatzanspruch besteht somit nur dann, wenn die gesamten Umstände des Falles eine Haftung des schuldlosen Schädigers aus Billigkeitsgründen geradezu erfordern.

mehr ...