10. März 2016, 14:11

EZB senkt Leitzins auf null Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft ihren Kurs gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum massiv. Sie senkte den Leitzins auf das Rekordtief von null Prozent. Versicherungswirtschaft und Ökonomen sehen wachsende Risiken auf Unternehmen und Bürger zukommen.

EZB senkt Leitzins auf Null Prozent

EZB-Präsident Mario Draghi: Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise wie zuletzt gelten als Risiko für die Konjunktur. (Archiv-Foto)

Zudem pumpt die Notenbank statt 60 Milliarden Euro ab April 80 Milliarden Euro in den Markt, wie die EZB nach dem Beschluss des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Banken müssen noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der Notenbank parken.

Strafzins steigt von 0,3 auf 0,4 Prozent

Erst im Dezember hatte die Notenbank den Kauf von Wertpapieren um ein halbes Jahr bis mindestens Ende März 2017 verlängert. Mit dem seit März 2015 laufenden Kaufprogramm wollen die Währungshüter Konjunktur und Preisauftrieb anschieben. Denn das frische Geld kommt im Idealfall über Banken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an.

Statt 0,3 Prozent müssen Geschäftsbanken künftig 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Mit dem negativen Einlagenzins wollen die Währungshüter die Kreditvergabe im Euroraum ankurbeln. Denn bislang kommt das viele billige Zentralbankgeld nicht im gewünschten Maß in der Wirtschaft an. Die Konjunktur im Euroraum erholt sich nur schleppend, die Inflation ist nach wie vor im Keller.

Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen – so die Theorie – bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit an Verbraucher und Unternehmen weiterzureichen. Die EZB hatte den Zinssatz für Übernachteinlagen erst im Dezember von 0,2 Prozent auf 0,3 Prozent verschärft.

Entsetzen in der Versicherungswirtschaft

Der verschärfte Kurs der EZB ist insbesondere von der Versicherungswirtschaft mit Entsetzen aufgenommen worden. “Die EZB hat sich noch tiefer in die Sackgasse manövriert. Mit größter Sorge sieht die Versicherungswirtschaft, dass die Notenbank ihre schon extrem expansive Geldpolitik noch weiter signifikant gelockert hat”, kommentierte Dr. Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die heutige Entscheidung.

Seite zwei: “EZB droht Verlust an Glaubwürdigkeit”

Weiter lesen: 1 2 3


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Märkte


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien


Ab dem 19. Mai im Handel.

Rendite+ 2/2016 "Altersvorsorge"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds- und Indexpolicen – Dividendenfonds – Zinshäuser – Robo-Advisors


Ab dem 12. Mai im Handel.

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

EU-Aufseher starten neuen Stresstest für Versicherer

Die europäischen Versicherer müssen in einem neuen Stresstest ihre Stabilität im Krisenfall unter Beweis stellen. Im Zentrum stehen die Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsen, zusätzlich kombiniert mit einem simulierten Schock an den Finanzmärkten, wie die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

mehr ...

Immobilien

Ferienimmobilienmarkt Rhodos: Steigende Anfragen ausländischer Käufer

Der Ferienimmobilienmarkt auf Rhodos befindet sich weiterhin im Aufschwung. Die Anfragen von internationalen Käufern nahmen laut dem Marktbericht von Engel & Völkers insbesondere im zweiten Halbjahr 2015 um rund 40 Prozent zu.

mehr ...

Investmentfonds

“Mittel der expansiven Geldpolitik ausgeschöpft”

Die einst experimentellen geldpolitischen Maßnahmen haben sich in den vergangenen acht Jahren zum Mainstream entwickelt – Fed, EZB und die Bank of Japan machen es vor.

mehr ...

Berater

Commerzbank will Synergien mit Online-Bank Comdirect ausloten

Die Commerzbank will die Stärken ihrer Online-Tochter Comdirect bei ihrem Konzernumbau künftig breiter nutzen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Publity-Fonds investiert in Duisburg

Der Publity Performance Fonds Nr. 6 hat das 4.500 Quadratmeter große Büroobjekt “Haus der Wirtschaftsförderung” in Duisburg erworben. Das Multi-Tenant-Objekt wurde von Stararchitekt Sir Norman Foster entworfen.

mehr ...

Recht

S&K-Prozess: Erstes Geständnis

Im Prozess um millionenschwere Betrügereien des Immobilienunternehmens S&K hat einer der sechs Angeklagten ein Geständnis abgelegt. Der 50-jährige ehemalige Geschäftsführer einer Fondsgesellschaft von S&K erklärte vor dem Frankfurter Landgericht, dass er Ungereimtheiten bei den Fonds ignoriert habe, um sein Gehalt nicht zu gefährden.

mehr ...