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6. Juni 2013, 12:08
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Von Vernünftigen und Sorglosen – Studie ermittelt Pflegetypen

Erfahrene, Vernünftige, Sorglose, Verdränger und Inkonsequente – in diese Kategorien unterteilt eine neue Allianz-Studie die Einstellung der Deutschen zum Thema Pflege. Die Bundesbürger bescheinigen sich ein gutes Pflege-Wissen, der “Pflege-Bahr” ist allerdings weitgehend unbekannt.

Pflege: Studie teilt Deutsche in Pflegetypen ein

“Pflege ist kein Tabuthema mehr”, heißt es in der repräsentativen Pflege-Studie der Allianz Privaten Krankenversicherung (APKV) und des Marktforschungsinstituts Produkt+Markt. So glaubt mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent), sich gut oder sehr gut mit dem Thema auszukennen. Ein Drittel der Männer und 41 Prozent der Frauen bezeichnen das Thema Pflege und Pflegevorsorge für sich persönlich sogar als “extrem wichtig”.

Nur 18 Prozent fühlen sich im Pflegefall gut abgesichert

Trotzdem sorgen die Deutschen eher wenig vor: Gerade einmal 18 Prozent sagen von sich, im Pflegefall allgemein gut abgesichert zu sein. Nur etwa einer von zehn Befragten (elf Prozent) besitzt eine private Pflegezusatzversicherung. Konkrete Pläne, sich eine solche zuzulegen, haben ebenfalls nur Wenige (neun Prozent). “Angesichts der erwarteten Pflegelücken ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein”, kommentiert Dr. Birgit König, Vorstandsvorsitzende der APKV.

Für mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Menschen spielen im Moment andere Dinge eine wichtigere Rolle als Vorsorge (siehe erste Grafik), teilt der Versicherer mit. Fast jeder Dritte sagt sogar ganz klar: “Ich lebe lieber im ‚Hier und Jetzt'”. Auch glauben einige, so die Allianz, auf andere Absicherungen zurückgreifen zu können, wie etwa eine private Rentenversicherung (32 Prozent) oder die eigene Immobilie (37 Prozent). “Solche Vorsorgepläne müssen allerdings wohl überlegt sein”, warnt König. Vor allem das eigene Häuschen eigne sich weniger als Pflege-Absicherung, so König, denn “in der Regel lebt ja auch der Partner im Haus, der mit mietfreiem Wohnen im Alter geplant hat”.

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Pflege: Studie teilt Deutsche in Pflegetypen ein

Für mehr als die Hälfte der Befragten spielt das Thema Pflege derzeit keine große Rolle. Quelle: Allianz

Pflege-Risiko kann jeden treffen

Trotz der geringen Vorsorgebereitschaft sei den Menschen klar, so die Allianz weiter, dass Pflege “jeden treffen” könne: Nur jeweils zwölf Prozent aller Befragten schätzen das Risiko, dass Angehörige oder sie selbst einmal pflegebedürftig werden, für gering ein. Und das zurecht, meinen die Experten des Versicherers, denn laut Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums sei bereits jeder dritte über 80-Jährige auf Pflege angewiesen.

Allianz ermittelt fünf Pflegetypen

Im Absicherungsverhalten der Deutschen zeigen sich deutliche Unterschiede, das die Allianz in fünf Pflegetypen übersetzt hat: Erfahrene, Vernünftige, Sorglose, Verdränger und Inkonsequente. Die Gruppen unterscheiden sich demnach hinsichtlich Kenntnisstand, ihrer generelle Einstellung, ihrem Verhalten sowie ihrer Erfahrung in Sachen Pflege.

“Erfahrene” sind zumeist weiblich und wohnen auf dem Land

Der größten Gruppe, den “Erfahrenen”, gehört laut Studie ein Viertel (25 Prozent) der Deutschen an. Pflege sei für sie generell ein wichtiges Thema. So hätten viele Erfahrene Berührungspunkte mit Pflege in ihrem näheren sozialen Umfeld und seien sich daher des Risikos einer Pflegebedürftigkeit stark bewusst, erklärt die Allianz. Sie würden sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und sich dementsprechend sehr gut auskennen. “Erfahrene sorgen vor und sind in der Regel gut für den Pflegefall abgesichert. Ein Großteil von ihnen ist weiblich und wohnt in eher ländlichen Gebieten”, heißt es.

Ein knappes Fünftel (19 Prozent) der Deutschen sind “Vernünftige”. Sie unterscheiden sich von den Erfahrenen vor allem darin, dass sie in ihrem eigenen Umfeld eher wenige Berührungspunkte mit Pflege haben. Dementsprechend kennen sie sich zwar gut, aber nicht sehr gut aus, sorgen sie vor. Unter den “Vernünftigen” findet man eher Männer und Menschen mit höherem Einkommen.

Berlin ist Hochburg der “Sorglosen”

Zu den “Sorglosen” darf sich ebenfalls etwa jeder Fünfte zählen (22 Prozent). Pflege ist für sie “unwichtig und zugleich unangenehm”, erklärt der Versicherer. Die “Sorglosen” haben auch keine Erfahrungen mit Pflege und schätzen das Risiko, einmal selbst pflegebedürftig zu werden, gering ein. Folgerichtig sorgen sie auch nicht vor. Unter den “Sorglosen” sind mehr Männer als Frauen zu finden. Auch trifft man sie vor allem in Großstädten an. Berlin sticht dabei mit einem “Sorglosen-Anteil” von 28 Prozent besonders hervor.

Der typische “Verdränger” ist männlich

Weitere 20 Prozent der Deutschen gehören dem Typ “Verdränger” an. “Verdränger” sind typischerweise männlich, bereichten die Studienmacher. Sie kennen sich zwar durchschnittlich gut mit Pflege aus und haben damit häufig Berührungspunkte in ihrem sozialen Umfeld – also eigene Erfahrungen. Trotzdem ist ihnen das Thema nicht so wichtig; sie schieben es als eher unangenehm von sich weg. Allerdings sorgen “Verdränger” in einem gewissen Rahmen vor.

Die “Inkonsequenten” bilden die kleinste Gruppe

Keinem klaren Muster folgen hingegen die “Inkonsequenten”. Sie sind mit 14 Prozent die kleinste Gruppe, berichten die Pflege-Experten. Obwohl – oder gerade weil – ihnen das Thema Pflege Angst mache und unangenehm sei, setzten sie sich intensiv damit auseinander. Auch schätzten sie ihr eigenes Risiko, einmal pflegebedürftig zu werden, überdurchschnittlich hoch ein. Trotzdem sicherten sie sich nur in geringem Maße ab. Unter den eher großstädtisch lebenden “Inkonsequenten” sind mehr Frauen als Männer anzutreffen.

“Das Thema Pflege treibt den Großteil der Menschen in irgendeiner Form um”, schätzt König die Ergebnisse ein. “Erfahrene” und “Vernünftige” könnten gelassener in die Zukunft blicken, weil sie bereits in gewissem Maße abgesichert seien. Vor allem den “Sorglosen”, und “Verdrängern” rät König, “sich ehrlich und ernsthaft mit ihren eigenen Wünschen, Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten im Fall einer Pflegebedürftigkeit auseinander zu setzen – auch wenn das für sie nicht angenehm ist”.

Seite zwei: Deutsche punkten bei Pflege-Kosten, Pflege-Bahr weitgehend unbekannt

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