20. August 2013, 09:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

IMD 2: Trennung von Vermittlung und Beratung wird möglich

Zum Thema IMD 2 befragt, verbinden viele Vermittler hiermit nur Provisionsoffenlegungspflichten, Provisionsannahmeverbot und stärkere Regulierung. Dabei bringt die IMD 2 durchaus auch positive gesetzliche Neuregelungen mit sich.

Gastbeitrag von Jens Reichow, Kanzlei Michaelis

Versicherungsnehmer

“Verbunden mit der höheren Flexibilität der Vergütungssysteme können sich für den Versicherungsvermittler aus dem Angebot einer individuellen Beratung zusätzliche Verdienstmöglichkeiten ergeben. “

Dies zeigt beispielsweise ein Blick auf die Änderungen der Richtlinie zu den Pflichten im Rahmen des Vermittlungsvorganges.

VVG: Rigider, einheitlicher Vermittlungsvorgang

Die aktuelle gesetzliche Regelung des § 61 Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), welche auf der ursprünglichen EU-Vermittlerrichtlinie basiert, geht von einem einheitlichen Vermittlungsvorgang aus.

Der Vermittlungsvorgang beginnt dort mit der Erforschung der Wünsche und Bedürfnisse des (potenziellen) Versicherungsnehmers. Anschließend geht es dann zur Produktberatung über, bevor der Vermittlungsvorgang mit der Empfehlung des Vermittlers zugunsten eines bestimmten Produktes inklusive Begründung endet und der Versicherungsnehmer sich dann für oder gegen den Abschluss eines Versicherungsproduktes entscheidet.

Wollen Versicherungsnehmer und/oder Vermittler von diesen gesetzlichen Vorgaben abweichen, so ist dies nur durch eine gesonderte schriftliche Verzichtserklärung des Versicherungsnehmers möglich.

IMD 2: Mehr Freiraum bei der Vermittlung

Der Entwurf der IMD 2 gewährt den Parteien des Vermittlungsvorganges mehr Freiraum die wechselseitigen Pflichten zu gestalten. Er sieht eine Auftrennung des bisher einheitlichen Vermittlungsvorganges in zwei Teilbereiche vor: Vermittlung und Beratung. Er orientiert sich dabei stärker an dem gesetzlichen Leitbild der Pflichten von Anlagevermittler und -berater.

Die Trennung von Vermittlung und Beratung führt dazu, dass sich der Versicherungsvermittler zukünftig auf eine reine Vermittlungstätigkeit beschränken darf. Wie der Anlagevermittler schuldet er dann lediglich die Übermittlung von Informationen zu dem angebotenen Produkt, sodass der Versicherungsnehmer dann selbst eine Entscheidung treffen kann, ob er den ihm angebotenen Versicherungsvertrag abschließen möchte.

Haftungsrisiko des Versicherungsvermittlers sinkt erheblich

Der Versicherungsvermittler wird dadurch von seiner Pflicht zur Abgabe einer individuellen Empfehlung zugunsten eines Produktes entbunden und nicht mehr verpflichtet eine Geeignetheitsprüfung für den Versicherungsnehmer durchzuführen.

Der Versicherungsvermittler dürfte die ihm obliegenden Auskunftspflichten sogar regelmäßig durch Überlassung der Versicherungsbedingungen und sonstigen Vertragsbestimmungen nach § 7 VVG erfüllen. Das Haftungsrisiko des Versicherungsvermittlers würde damit erheblich sinken.

Die Beratung des Versicherungsnehmers, das heißt die Abgabe einer persönlichen Empfehlung samt Begründung zugunsten eines bestimmten Versicherungsproduktes, wird danach zukünftig nur noch eine Zusatzleistung des Versicherungsvermittlers sein.

Zusätzliche Verdienstmöglichkeiten

Zweifellos wird diese Zusatzleistung von den meisten Versicherungsvermittlern auch weiterhin angeboten werden, da viele Versicherungsnehmer eine solche aktiv nachfragen werden. Verbunden mit der höheren Flexibilität der Vergütungssysteme, welche nach Vorgaben der IMD 2 auch ein Nebeneinander von Provision und Honorar vorsehen, können sich für den Versicherungsvermittler aus dem Angebot einer individuellen Beratung allerdings zusätzliche Verdienstmöglichkeiten ergeben.

Die IMD 2 bietet dem Versicherungsvermittler also durchaus Chancen, sich zukünftig durch eigene Leistung und Preis von seinen Mitbewerbern abzugrenzen. Besonders aber die Anbieter von Vermittlungsplattformen und Vergleichsrechnern im Internet werden von der Aufteilung zwischen Beratungs- und Vermittlungsleistung profitieren.

Ihnen ist es nämlich zukünftig möglich eine echte Vermittlungsleistung zu erbringen. Bislang waren sie hieran aufgrund der mit der Vermittlungsleistung bisher verbundenen Beratungspflicht gehindert.

Autor Jens Reichow ist Rechtsanwalt in der Hamburger Kanzlei Michaelis und Spezialist für Bank- und Kapitalmarktrecht.

Foto: Shutterstock & Kanzlei Michaelis

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Ab dem 16. Februar am Handel.

 

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien

Versicherungen

Gothaer: “Keine Reduzierung bei der Beratungskapazität”

Die Gothaer hat gegenüber Cash.Online bestätigt, dass der Konzern bis zum Jahr 2020 voraussichtlich 700 bis 800 Stellen streichen wird. Dem stehe allerdings eine “natürliche Fluktuation” insbesondere durch anstehende Ruhestandsübergänge gegenüber. Diese Fluktuation liege nach aktueller Schätzung bei über 500 Mitarbeitern.

mehr ...

Immobilien

Immobilienboom: Bauindustrie erreicht neue Bestmarken

Die Niedrigzinsen und der Immobilienboom haben das Neugeschäft in der deutschen Bauindustrie auf den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten getrieben. Vor allem der Wohnungsbau treibt das Volumen in die Höhe.

mehr ...

Investmentfonds

Inflationsraten driften in Industriestaaten auseinander

In den entwickelten Ländern dürften sich die Inflationstrends im Jahr 2017 unterschiedlich entwicklen. Dies sagt Arif Husain, Portfoliomanager und Head of International Fixed Income bei T. Rowe Price.

mehr ...

Berater

Vema: Sommerer verlässt Vorstand

Wie die Vema Versicherungs-Makler-Genossenschaft mitteilt, ist der bisherige Vorstand Stefan Sommerer auf eigenen Wunsch zum 31. Januar 2017 aus dem Gremium ausgeschieden. Er hatte die Bereiche IT und Öffentlichkeitsarbeit verantwortet.

mehr ...

Sachwertanlagen

KGAL platziert 930 Millionen Euro bei Institutionellen

Die KGAL Gruppe aus Grünwald hat im Geschäftsjahr 2016 fast 930 Millionen Euro an institutionellem Kapital eingeworben und damit das neu gezeichnete Eigenkapital gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent gesteigert.

mehr ...

Recht

BAG-Urteil: Witwenrente nicht nur für “jetzige” Ehefrau

Eine in Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthaltene Klausel, mit der nur der “jetzigen” Ehefrau des Arbeitnehmers eine Hinterbliebenenversorgung zugesagt ist, benachteiligt ihn unangemessen, so das Bundesarbeitsgericht.

mehr ...