14. Februar 2013, 13:01

Lebensversicherung: Kein Auslaufmodell in der Altersvorsorge

Die Lebensversicherung hat momentan keinen guten Stand in der deutschen Presse. Die Absenkung der Überschussbeteiligung und die vermeintlich niedrige Verzinsung verunsichern die Anleger – zurecht?

Kolumne von Franz-Josef Rosemeyer, A.S.I. Wirtschaftsberatung

Verzinsung

“Natürlich war die Verzinsung von Lebensversicherungen in den vergangenen Jahren deutlich besser, dies gilt aber auch für alle anderen Kapitalanlagen mit vergleichbarer Sicherheit.”

„Lebensversicherung in der Klemme“, „Lebensversicherung steckt im Renditetal“, „Lebensversicherer bieten magere Zinsen“, „Lebensversicherung lohnt sich kaum noch“.

So oder so ähnlich titeln führende deutsche Zeitungen nach der jüngsten Absenkung der Überschussbeteiligung, die von den meisten Lebensversicherern für das Jahr 2013 erklärt wurde. Man hat den Eindruck, dass für das beliebteste Altersvorsorgeprodukt der Deutschen inzwischen das „Totenglöckchen“ geläutet wird. Hinzu kommt noch eine unsägliche Diskussion über die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven.

Über Sinn und Unsinn der Diskussion

In beiden Themenbereichen fragt man sich, als nicht ganz unbeteiligter Beobachter, worum es bei der Diskussion eigentlich geht. Handelt es sich um eine analytische Aufbereitung aktueller Kapitalanlagemöglichkeiten zur Altersversorgung unter besonderer, aber objektiver Betrachtung des in diesem Zusammenhang wichtigsten Produktes in Deutschland? Oder geht es darum, eine seit Jahren nicht sonderlich beliebte Institution weiter in Misskredit zu bringen und Millionen von Vorsorgesparern im Hinblick auf ihre getroffenen oder beabsichtigten Entscheidungen zu verunsichern?

Letzteres möchte ich natürlich nicht unterstellen, aber um eine analytische Aufbereitung der aktuellen Kapitalanlagemöglichkeiten handelt es sich definitiv nicht. Dass es sich bei der gesamten Diskussion ausschließlich um konventionelle Lebens- und Rentenversicherungsprodukte handelt, findet übrigens erstaunlich selten Erwähnung in der Berichterstattung. Es wird zumindest nicht darauf verwiesen, dass die Branche bei offensiverem Rendite-/Risikoprofil auch andere Lösungsmöglichkeiten bereithält.

Konservative Anlagepolitik konventioneller Produkte

Bleiben wir aber bei den konventionellen Produkten. Diese Produkte sind ausnahmslos mit Garantien ausgestattet. Ihre Kapitalanlagepolitik ist eher konservativ. Bei einer branchendurchschnittlichen Überschussdeklaration von aktuell ca. 3,6 Prozent und einer Gesamtverzinsung von jenseits der 4 Prozent fällt es schwer, sichere Kapitalanlagen zu finden, die derzeit mit einer solchen Rendite aufwarten können. Wenn eine renommierte deutsche Tageszeitung sich dann empört, dass sich diese Verzinsung ja nur auf den Sparbeitrag bezieht, mag man das kaum noch kommentieren.

Natürlich war die Verzinsung von Lebensversicherungen in den vergangenen Jahren deutlich besser, dies gilt aber auch für alle anderen Kapitalanlagen mit vergleichbarer Sicherheit. Wieso nimmt man bei Staats-, Unternehmens- und sonstigen Anleihen die kontinuierliche Renditeabsenkung als kapitalmarktbedingt hin, verlangt aber von der Lebensversicherung offensichtlich, dass sie sich, aus welchen Gründen auch immer, vom Kapitalmarkt entkoppeln kann?

Auslaufmodell in der Altersvorsorge?

Etwas mehr Sachlichkeit würde der Diskussion gut tun. Bei allen Verbesserungsmöglichkeiten im Hinblick auf Transparenz oder auf Flexibilität bietet die konventionelle Lebens- oder Rentenversicherung im aktuellen Niedrigzinsumfeld nach wie vor eine attraktive Rendite und hat es nicht verdient, als Auslaufmodell in der Altersvorsorge abgestempelt zu werden. Wer darüber hinaus Altersvorsorge als lebenslange Rentengarantie versteht, kommt an dieser Produktgattung außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Versorgungswerke ohnehin nicht vorbei.

Autor ist Franz Josef Rosemeyer, Vorstand der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG

Foto: A.S.I. Wirtschaftsberatung AG


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5 Comments

  1. […] sichere Kapitalanlagen zu finden, die derzeit mit einer solchen Rendite aufwarten können“ so Rosemeyer in Cash Online. Des Weiteren fragt er: „Wieso nimmt man bei Staats-, Unternehmens- und sonstigen Anleihen die […]

    Pingback von Ist die Lebensversicherung wirklich ein Auslaufmodell? | Policen Direkt Mediathek — 1. März 2013 @ 11:50

  2. Diese Sachlichkeit tut gut. Es ist wirklich unerträglich, wie sich manche Medien auf die Branche eingeschossen hat. Man muss sich fragen, was die Verfasser dieser Artikel bezwecken. Die meisten Veröffentlchungen zeugen von einer solchen intellektuellen Schlichtheit (Dummheit wäre die eigentlich zutreffende Vokabel), dass einem Angst und Bange werden kann. ABER: Die Branche hat sich in der Vergangeheit so manchen Sündenfall geleistet, deshalb – so fürchte ich – ist sie ins Visier dieser unverantwortlich schreibenden Meute geraten. In Deutschland wird alles nur noch griffig, verkürzt und unbelastet von irgendwelcher Fachkompetenz
    kommentiert. Und weil das der “normale” Leser alles gar nicht durchschaut, handeln diese Journalisten-Darsteller unverantwortlich. Denn was in der Zeitung steht, stimmt ja ! Selten so gelacht. Zum Kommentar “Constein Dirk”: Zeigen Sie mir einen konventionellen Vertrag (ohne Zusatzversicherungen), bei dem in Deutschland ein Kunde Geld verloren hat. Sie werden kaum einen finden. Ich kenne aber
    etliche, die mit den von Ihnen propagierten Lösungen böse auf die Nase gefallen sind.

    Kommentar von Achim Hülsbruch — 18. Februar 2013 @ 16:59

  3. Super Kommentar! Welche Institution kann der heutigen Kapitalmarktsituation eine attraktive Rendite sowie und jetzt kommt’s eine private lebenslange Leibrente, Hinterbliebeneabsicherung, Absicherung des Arbeitseinkommens (und das unter Umständen mit Geld zurück Effekt) usw., usw. Also wo liegt das Problem?

    Kommentar von Pro Versicherungen — 17. Februar 2013 @ 10:13

  4. Wer bestimmt, was gut und schlecht ist? Die Kunden sparen fürs Alter und so einfach…lieber Kunden es gibt nur noch 50-60% von dem was wir mal berechnet haben für dich…. So viel staatliche Rente gibt es auch nicht mehr… macht garnicht, so lange die Versicherungen und Banken immer noch genug Geld für sich(Aktionäre) haben.
    Wer keine Alternativen sucht und findet, muß damit Leben weniger im Alter zu haben. Wer 3,6 % Überschußzins und 4 % Gesamtverzinsung, auf die Beiträge nach Kosten, gut findet, vergisst die Inflation und damit den Kaufkraftverlust des Geldes. Da bleiben bei vielen Verträgen 1-2 % Nettorendite über. Ich habe schon Verträge mit hohe Kosten berechnet die bei -1% waren. Es gibt gute Vermögensverwaltungen, auch in Fondspolicen, die auch von den Bedingungen und Transparenz bedeutend besser sind, als ALT-Produkte in verzinslichen Anlagen. z.B. erst im Alter die Rentenart bestimmen bzw mit Auszahlplänen kombinieren bis in hohe Alter. Jeder sollte seinen Vertrag genau prüfen und schauen, ob es Alternativen gibt. Ich sage es gibt sie. Die Versicherungen und ihre Vertreter, sollter lernen die Anlagen ihrer Kunden flexibler zu gestalten und auch zu betreuen. Da kommt für den Kunden mehr Rente bzw. Geld im Alter raus.

    Kommentar von Constein Dirk — 15. Februar 2013 @ 18:41

  5. Klasse Kommentar! Inhaltlich fast perfekt.
    Ich beneide den Autor um seine Sachlichkeit.
    Fakt für mich ist, dass bewusst und absichtlich die Lebens- und Rentenversicherung ‘ schlecht’ geschrieben werden. Aus Prinzip!
    Keiner dieser Autoren hat sich bisher auch nur ansatzweise dazu herabgelassen, ernstzunehmende Alternativen zur Rentenversicherung zu nennen.
    Warum wohl? Ganz einfach! Mangels Masse! Es gibt keine Alternative!!!!!
    So einfach ist manchmal die Welt.
    Damit machst Du aber leider kein Auflage!

    Kommentar von Goetz Schuenemann — 15. Februar 2013 @ 14:34

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