11. Januar 2016, 17:39

GDV-BU-Statistik: Franke und Bornberg sieht Licht und Schatten

Die Ratingagentur Franke und Bornberg (F&B) hat es grundsätzlich begrüßt, dass sich der GDV mit der Regulierungspraxis in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) auseinandergesetzt hat. Die Bereitschaft des Versicherungsverbandes, mehr Transparenz zu zeigen, sei “gut und zeitgemäß”, teilte das Unternehmen am Montag mit. Doch die Analysten bringen auch viele kritische Punkte zur Sprache.

GDV-BU-Statistik: Ratingagentur Franke und Bornberg sieht Licht und Schatten

Michael Franke, Chef der Ratingagentur Franke und Bornberg, und sein Team haben die jüngste GDV-Statistik zur BU-Regulierung kritisch unter die Lupe genommen.

Nur so könne Vertrauen in die Leistungsbereitschaft der Assekuranz zurückgewonnen werden, loben die F&B-Analysten die erstmalig erhobene BU-Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Diese kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Leistungsquote der BU-Anbieter – also das Verhältnis von anerkannten zu eingereichten Leistungsanträgen – bei rund 77 Prozent liegt.

“GDV-Daten bislang noch lückenhaft”

Auf die lobenden Worte folgen jedoch viele kritische Anmerkungen: So seien die GDV-Daten bislang noch lückenhaft, teilte das Hannoveraner Unternehmen mit. Zudem missfällt den Analysten, dass eine Verifizierung der Daten von unabhängiger Stelle derzeit nicht vorgesehen sei. Da die Daten laut GDV ausschließlich auf Angaben der befragten Unternehmen beruhen, sei eine externe Prüfung nicht möglich. “Damit jedoch steht und fällt die Aussagekraft und vor allem die Akzeptanz für die erhobenen Werte”, heißt es. In den bisherigen Veröffentlichungen und Kommentaren würden ausschließlich verdichtete Zahlen genannt. “Weder konkrete Antworten noch die zugrunde liegenden Fragen sind bekannt. Das lässt viele Fragen offen”, so die Kritik.

Dabei müssten sich die Versicherer gar nicht verstecken, so Franke und Bornberg. Die BU-Regulierung sei “deutlich besser als ihr Ruf”. Das Unternehmen verweist dazu auf die jüngsten Ergebnisse einer hauseigenen unabhängigen Studie zur BU-Regulierungspraxis, die man in Kürze vorliegen werde.

Gleichwohl merkte Franke und Bornberg an, dass die vom GDV genannte Leistungsquote von 77 Prozent deutlich über den Werten liege, die das Analysehaus selbst ermittelt habe. “Bezogen auf alle Anträge lagen unsere Werte für 2014 bei knapp 65 Prozent. Erst wenn die Fälle von zurückgezogenen Anträgen oder verletzter Mitwirkung abgezogen werden, erreicht die von uns ermittelte Quote fast 75 Prozent und damit annähernd den GDV-Wert”, heißt es dazu.

“Klare Aussagen gefragt”

Darüber hinaus würden viele Kunden ihren Anspruch nicht weiter verfolgen und den Fragebogen nicht ausgefüllt zurücksenden. “Der GDV weist nicht aus, wie er mit diesen Fällen umgeht. Berücksichtigt die Quote alle Leistungsanträge, oder nur jene, bei denen alle für die Entscheidung erforderlichen Angaben vorlagen?”, fragen sich die BU-Experten. Die Differenz sei “beträchtlich”. “Nach unseren Erfahrungen werden Vorgänge, die nicht zur Entscheidung kommen, in den Statistiken der Versicherer unterschiedlich geführt. Allein dadurch kann es bei der Leistungsquote zu Abweichungen im zweistelligen Prozentbereich kommen.” Hier seien klare Aussagen gefragt, mahnen die Analysten.

Seite zwei: F&B über Gutachten-Quote und Regulierungsdauer

Weiter lesen: 1 2


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

1 Kommentar

  1. Bravo ! Ein wichtiger und interessanter Beitrag, der hoffentlich auch in die breite Öffentlichkeit dringt, um die permanente Mies- und Schlechtmacherei ein wenig einzudämmen. Weiter so !

    Kommentar von Nils Fischer — 12. Januar 2016 @ 09:52

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Ergo-Auslandschef Messemer geht

Der nächste Ergo-Vorstand geht: Dr. Jochen Messemer (50) verlässt den Düsseldorfer Versicherer zum Jahresende. Messemer verantwortet im Vorstand der Ergo Group das internationale Geschäft. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

mehr ...

Immobilien

Deutlich mehr Bauaufträge als im Vorjahr

Der Boom auf dem Bau hält dank extrem niedriger Zinsen an. Im April verzeichnete das Bauhauptgewerbe in Deutschland preisbereinigt 18,2 Prozent mehr neue Aufträge als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche AM: EU verliert marktfreundlichstes großes Mitglied

Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management, sieht lange Liste potenzieller Auswirkungen durch den Brexit.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank dünnt Filialnetz aus und streicht 3.000 Stellen

Weniger Standorte, trotzdem mehr Beratung – so verkauft die Deutsche Bank die Einschnitte in ihrem Filialnetz. Nach langen Verhandlungen stehen erste Zahlen fest. Das Management hält den Sparkurs für alternativlos.

mehr ...

Sachwertanlagen

Praxistag Digitalisierung: Information und Austausch

Talonec Business Solutions und Xpecto laden zum Praxistag Digitalisierung am 6. Juli nach München ein. Vom wissenschaftlichen Ansatz bis zur digitalen Zeichnung sollen Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung aufgezeigt und diskutiert werden.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...