Der Hamburger Markt für Wohneigentum findet nach Einschätzung des IVD Nord allmählich in ein stabileres Fahrwasser. Das geht aus einer Umfrage unter 65 Hamburger Mitgliedsunternehmen hervor, die zwischen dem 14. Januar und dem 28. Februar 2026 durchgeführt wurde. Zwar bleibt das Umfeld anspruchsvoll, doch die Preisdynamik hat spürbar nachgelassen.
Über alle Segmente hinweg bleibt die energetische Qualität einer Immobilie das wichtigste Kriterium für Kaufentscheidungen. 97 Prozent der befragten Unternehmen berichten von wachsendem Beratungsbedarf rund um Energieeffizienz, Sanierungsaufwand und Fördermöglichkeiten. Gerade bei älteren, unsanierten Objekten scheitern Verkäufe demnach häufig am verlangten Preis im Verhältnis zu den nötigen Investitionen oder an der Unsicherheit der Käufer über den Sanierungsbedarf.
Anika Schönfeldt-Schulz, Vorsitzende des IVD Nord, sagt: „97 Prozent unserer Mitglieder berichten vom steigenden Beratungsbedarf rund um das Thema Energieeffizienz. Das zeigt: Die Menschen wollen Klarheit, bevor sie kaufen. Verlässliche Rahmenbedingungen bei Sanierungsförderung und Energiestandards sind deshalb kein Nice-to-have, sondern eine Voraussetzung für einen funktionierenden Markt. Auch das ist ein Thema, das wir im Bündnis für das Wohnen angehen müssen.“
Eigentumswohnungen: Nachfrage bleibt selektiv
Bei Eigentumswohnungen melden 59 Prozent der Befragten stabile Preise, nur noch 24 Prozent beobachten sinkende Werte. Zugleich zieht die Aktivität am Markt leicht an: 46 Prozent berichten von stabilen, 25 Prozent bereits von steigenden Beurkundungszahlen.
Schönfeldt-Schulz sagt: „Der Markt findet zunehmend wieder in ein Gleichgewicht. Realistische Preisvorstellungen treffen auf eine selektive, aber vorhandene Nachfrage.“ Und: „Gut positionierte Objekte lassen sich weiterhin erfolgreich vermitteln.“
Besonders gefragt bleiben Wohnungen mit 50 bis 90 Quadratmetern. 79 Prozent der Befragten sehen hier die stärkste Nachfrage, 75 Prozent nennen gute und begehrte Lagen als entscheidenden Faktor. Für zwei Drittel ist zudem der energetische Zustand wichtiger als Baualter oder Gebäudetyp.
Häuser: Mehr Ausgleich bei Angebot und Nachfrage
Auch bei Einfamilienhäusern, Reihenhäusern und Doppelhaushälften zeigt sich ein ausgeglicheneres Bild. 40 Prozent der Befragten berichten von stabilen Preisen, 35 Prozent sogar von steigenden Preisen. Für 50 Prozent ist der Markt in diesem Segment inzwischen wieder ausgeglichen.
Parallel dazu entwickeln sich die Abschlusszahlen freundlicher. 60 Prozent melden stabile, 25 Prozent steigende Beurkundungen. Schönfeldt-Schulz sagt: „Der Häusermarkt hat sich spürbar gefangen. Die Unsicherheit weicht zunehmend einer realistischeren Einschätzung auf Käufer- und Verkäuferseite.“
Ein strukturelles Problem bleibt jedoch die Preisfindung. 65 Prozent der befragten Makler berichten, dass viele Verkäufer die Korrekturen der vergangenen Jahre noch nicht akzeptiert haben. „Das ist die eigentliche Bremse im Markt“, so Schönfeldt-Schulz. „Wir sehen kaufbereite Interessenten – aber Deals scheitern, weil Verkäufer noch in der Preisrealität von 2022 denken. Unsere Aufgabe ist es, ehrlich zu beraten und realistische Erwartungen zu setzen. Das ist manchmal unbequem, aber es ist die Voraussetzung dafür, dass der Markt wieder in Bewegung kommt.“
Ausblick auf die nächsten sechs Monate
Für die kommenden sechs Monate erwarten 68 Prozent der Befragten im Segment Wohneigentum stabile Preise, im Häusermarkt sind es 55 Prozent. Zugleich wächst der Anteil derjenigen, die von einer positiven Entwicklung ausgehen. Schönfeldt-Schulz sagt: „Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass sich der Markt weiter stabilisiert – auch wenn er selektiv bleibt und hohe Anforderungen an Preisgestaltung und Objektqualität stellt“














