Iran-Krieg treibt den US-Dollar – doch die Rally könnte vor einer Wende stehen

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US-Dollar-Rallye bald zu Ende?
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Ebury analysiert die Folgen des Iran-Kriegs für Dollar, Euro, Anleiherenditen und die Zinspolitik von Fed und EZB.

Steigende Anleiherenditen, hohe Ölpreise und wachsende Inflationssorgen stärken den US-Dollar. Der Euro leidet zusätzlich unter Frankreichs Haushaltsproblemen. Doch Ebury-Stratege Matthew Ryan hält die Dollar-Rally für überzogen. Entscheidend ist, wie sich der Iran-Konflikt entwickelt.

„Die Renditen von Staatsanleihen sind in den vergangenen Wochen nahezu überall stark gestiegen. Da der Iran-Krieg kein Ende nimmt und der Brent-Ölpreis über 100 US-Dollar je Barrel verharrt, wächst unter Anlegern die Sorge, dass Inflation und Leitzinsen länger hoch bleiben werden. Hinzu kommen die ohnehin bestehenden Bedenken über die hohe Staatsverschuldung und das große Angebot an Unternehmensanleihen zur Finanzierung von KI-Investitionen, das mit Staatsanleihen um Kapital konkurriert.

Für den Devisenmarkt ist vor allem entscheidend, dass die allgemeine Risikoaversion inzwischen stärker ins Gewicht fällt als länderspezifische Entwicklungen. Der US-Dollar profitiert sowohl von seiner Rolle als sicherer Hafen als auch davon, dass die USA Nettoenergieexporteur sind. Schwellenländerwährungen geraten dagegen durch steigende Finanzierungskosten und Kapitalabflüsse unter Druck. Bemerkenswert ist, dass die Aktienmärkte diese Entwicklung bislang weitgehend ignorieren und sich Rekordständen nähern.“

Euro unter Druck: Französische Staatsanleihen als Risikofaktor

„In Europa verschärfen die fiskalischen Sorgen in Frankreich den Abwärtsdruck auf den Euro. Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Staatsanleihen ist so groß wie zuletzt während der Eurokrise 2011. Die Haushaltsvorschläge von Premierminister Lecornu wurden von der französischen Finanzaufsicht skeptisch aufgenommen. Angesichts eines Defizits von mehr als fünf Prozent des BIP und steigender Schuldendienstkosten ist die Marktreaktion nicht völlig unbegründet, auch wenn sie unserer Ansicht nach möglicherweise zu weit gegangen ist. Da wir das Ansteckungsrisiko für begrenzt halten und die Peripherieländer besser aufgestellt sind als in früheren Krisen, bleiben wir für den Euro dennoch moderat optimistisch.“


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Iran-Konflikt: Potenzial für eine Korrektur des Dollars

„Der Ölpreisschock bleibt aus unserer Sicht der wichtigste Treiber des Ausverkaufs am Anleihemarkt. Er hat die Inflationssorgen verstärkt und dazu geführt, dass die Märkte statt Zinssenkungen inzwischen Zinserhöhungen einpreisen. Die jüngsten positiven Meldungen zum Iran-Konflikt haben die Ölpreise bislang nicht wesentlich gesenkt. Dafür dürfte eine tatsächliche Lösung erforderlich sein und nicht nur die Aussicht darauf.

Wir gehen weiterhin davon aus, dass es eher früher als später zu einem Kompromiss kommen wird. Die USA haben ein Interesse daran, die Inflation zu senken, während die iranische Wirtschaft seit Kriegsbeginn schwer getroffen wurde. Die Dollar-Rally erscheint uns inzwischen deutlich überzogen. Sollte eine Lösung zustande kommen, besteht entsprechend erhebliches Potenzial für eine Gegenbewegung. Der Zeitpunkt bleibt allerdings ungewiss. Selbst in unserem optimistischen Szenario sehen wir die Wahrscheinlichkeit einer vorläufigen Einigung zur Straße von Hormus bis zum Jahresende nur bei etwa 50 Prozent.“

Fed und EZB: Zinspause im Oktober erwartet

„Nach den zahlreichen Notenbankentscheidungen im September dürfte der Oktober deutlich ruhiger ausfallen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten reichen unserer Ansicht nach weder in den USA noch in der Eurozone aus, um die Notenbanken zu einer weiteren Zinserhöhung zu bewegen. In den USA sprechen die schwächeren Zahlen zur PCE-Kerninflation und zum Arbeitsmarkt für unveränderte Zinsen. Auch bei der EZB dürfte die überraschend hohe Septemberinflation zunächst nicht für einen weiteren Schritt ausreichen. Eine Zinserhöhung im Dezember bleibt allerdings möglich.

Die steigenden Anleiherenditen verschärfen bereits die Finanzierungsbedingungen, indem sie etwa Hypotheken und Unternehmenskredite verteuern. Damit nehmen sie den Zentralbanken einen Teil der Arbeit ab. Auch deshalb halten wir die derzeitigen Markterwartungen für weitere Zinserhöhungen insgesamt für überzogen.“

US-Zwischenwahlen: Demokratischer Sieg könnte den Dollar schwächen

„Weniger als vier Wochen vor den US-Zwischenwahlen sehen wir die Demokraten in einer guten Ausgangsposition. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass sie beide Kammern des Kongresses gewinnen, auf rund 60 Prozent. Mit 30 Prozent rechnen wir damit, dass sie lediglich das Repräsentantenhaus übernehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner beide Kammern halten, liegt aus unserer Sicht bei nur zehn Prozent.

Da die Märkte eine politische Blockade in Washington bereits weitgehend eingepreist haben, könnte die unmittelbare Reaktion am Devisenmarkt begrenzt bleiben. Ein vollständiger Sieg der Demokraten dürfte die Sorgen über das US-Haushaltsdefizit lindern und könnte den Dollar moderat schwächen. Sollten die Republikaner dagegen beide Kammern halten, wären höhere Staatsausgaben, mögliche Steuersenkungen und größere Defizite wahrscheinlich. Unserer Einschätzung nach könnte der Dollar in diesem Fall steigen, wenn die Märkte aggressivere Zinserhöhungen der Fed einpreisen.“

Autor Matthew Ryan ist Head of Market Strategy bei Ebury.

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