6 Faktoren, die 2026 das US-Wachstum und die Aktienmärkte antreiben werden

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Wie es an den US-Aktienmärkten weitergeht.

Nach drei außergewöhnlich starken Börsenjahren wächst bei vielen Anlegern die Skepsis für 2026. Politische Unsicherheit und der Wahlzyklus gelten als potenzielle Belastungsfaktoren. Phil Orlando von Federated Hermes sieht dennoch gute Gründe für anhaltendes Wachstum und stabile Aktienmärkte.

Mit Blick auf das Jahr 2026 wächst bei einigen Anlegern die Sorge, dass das Zwischenwahljahr eine Markt­korrektur auslösen könnte. Diese Befürchtungen richten sich insbesondere auf die weitere Performance der „Magnificent Seven“. Historisch gelten Zwischenwahljahre als die anspruchsvollste Phase innerhalb des vierjährigen Präsidentschaftszyklus, wobei vor allem die beiden mittleren Quartale tendenziell negative Renditen aufweisen. Hintergrund ist, dass die Regierungspartei in der Nachkriegszeit häufig Sitze verloren hat – ein Umstand, der bei Anlegern regelmäßig Unsicherheit über den künftigen finanzpolitischen Kurs in den letzten beiden Amtsjahren des amtierenden Präsidenten ausgelöst hat.


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Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 2,9 % und liegen damit deutlich über dem Blue-Chip-Konsens von 1,9 %. Sechs zentrale Faktoren untermauern dabei unseren positiven Ausblick:

  1. Verbraucherstärke: Getragen vom Vermögenseffekt steigender Aktien- und Immobilienpreise bleibt der Konsum im oberen Einkommenssegment hoch. Die obersten 10 % der US-Haushalte stehen traditionell für rund die Hälfte der Konsumausgaben, die wiederum etwa 70 % des BIP ausmachen. Gleichzeitig erwarten wir, dass auch einkommensschwächere Haushalte ihre Ausgaben ausweiten, begünstigt durch steuerliche Anreize aus Präsident Trumps „One Big Beautiful Bill Act“, der voraussichtlich zu deutlich höheren Steuerrückerstattungen führen wird. Auch America250, die Olympischen Winterspiele und die Fußballweltmeisterschaft dürften die Wirtschaft ankurbeln.
  2. Beschleunigung der Unternehmensausgaben: Die im Rahmen des Konjunkturpakets eingeführte vollständige Abschreibung von Investitionen in Kapitalgüter, Produktionsanlagen sowie Forschung und Entwicklung hat bereits spürbare Wirkung gezeigt. So drehte das Produktivitätswachstum von einem Rückgang um 1,8 % im ersten Quartal 2025 zu einem Anstieg von 3,3 % im zweiten Quartal. Wir gehen davon aus, dass sich dieser positive Trend im weiteren Jahresverlauf fortsetzen wird.
  3. Immobilienmarkt: Der Wohnungsbau steckte in fünf der letzten sechs Quartale in einer Rezession, und die Finanzierbarkeit war seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr so angespannt. Dank der jüngsten geldpolitischen Lockerungen der Federal Reserve und positiver Reallohnentwicklungen könnte die Verkaufssaison im Frühjahr und Sommer jedoch deutlich kräftiger ausfallen.
  4. Weniger Handelshemmnisse: Das Handelsdefizit erreichte 2024 einen Rekordwert von 1,2 Billionen US-Dollar und belastete das BIP-Wachstum um rund 51 Basispunkte. Im ersten Quartal 2025 stieg das Warenhandelsdefizit auf eine annualisierte Rate von 1,54 Billionen US-Dollar, was weitere geschätzte 65 Basispunkte kostete. Nach Inkrafttreten der Zollpolitik der Trump-Regierung im April 2025 verringerte sich das Defizit jedoch auf eine annualisierte Rate von 760 Milliarden US-Dollar in den sechs Monaten von April bis September, wodurch die Belastung auf geschätzte 32 Basispunkte sank.
  5. Abschwächende Inflation: Die Inflationsraten sind seit ihrem 40-Jahres-Hoch Mitte 2022 deutlich gesunken und liegen mittlerweile auf einem Vierjahrestief – ein positiver Trend, der unserer Einschätzung nach anhalten wird. 
  6. Weit verbreiteter Pessimismus:Trotz positiver Wirtschaftsdaten hat das Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern im vergangenen Jahr deutlich nachgelassen. Angesichts des robusten Wirtschaftswachstums und der rückläufigen Inflation erwarten wir jedoch, dass sich dieser Trend im Jahr 2026 umkehren wird. 

Autor Phil Orlando ist Chief Market Strategist bei Federated Hermes. 

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