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Altersvorsorgedepot: Wer nur über Kosten spricht, denkt zu kurz

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Foto: Stuttgarter
Dr. Guido Bader, CEO der Stuttgarter Lebensversicherung.

Noch bevor das Altersvorsorgedepot 2027 startet, tobt der Preiswettbewerb. Eine YouGov-Umfrage unter jungen Erwachsenen zeigt jedoch: Nicht Kosten, sondern Sicherheit steht für sie an erster Stelle. Eine Kolumne von Dr. Guido Bader.

Das Altersvorsorgedepot startet erst 2027, doch der Wettbewerb ist in vollem Gange. Scalable Capital hat früh konkrete (und niedrige) Konditionen genannt, andere Anbieter positionieren sich ebenfalls. Und damit dreht sich die Debatte schon jetzt stark um eine Frage: Wer bietet das kostengünstigste Altersvorsorgedepot?

Natürlich sind Kosten wichtig. Jeder Euro, der nicht für Kosten anfällt, kann für die Altersvorsorge arbeiten und Renditen erzielen. Aber wer den Wettbewerb um die neue geförderte Altersvorsorge auf Kosten und Renditechancen reduziert, denkt aus meiner Sicht zu kurz.

Altersvorsorge ist mehr als möglichst kostengünstige Geldanlage. „Klar, dass das ein Lebensversicherer sagt“, werden jetzt Viele denken. Interessant ist deshalb, was diejenigen sagen, um die künftig besonders intensiv geworben wird: junge Menschen. Wir haben ganz aktuell im September gemeinsam mit YouGov rund eintausend Menschen zwischen 18 und 30 Jahren in Deutschland gefragt, welche Eigenschaften ihnen bei der neuen staatlich geförderten Altersvorsorge besonders wichtig sind.

Das Ergebnis hat in seiner Deutlichkeit auch mich ein bisschen überrascht: Sicherheit beziehungsweise Garantien stehen mit 42,6 Prozent an erster Stelle. Geringe Kosten folgen mit 39,9 Prozent. Hohe Renditechancen nennen dagegen lediglich 23,3 Prozent. Ausgerechnet die Jungen erinnern uns also an etwas Elementares: Altersvorsorge ist eben nicht einfach nur Geldanlage zu möglichst geringen Kosten.


Rendite gegen Sicherheit? Bitte nicht schon wieder!

Ich will daraus ausdrücklich kein Plädoyer für möglichst hohe Garantien ableiten. Im Gegenteil begrüße ich es doch sehr, dass die Reform mehr Kapitalmarkt ermöglicht und Menschen künftig mehr Wahlfreiheit in der Anlage der Gelder haben.

Und so wird es Kunden geben, die konsequent auf Renditechancen setzen und bewusst auf Garantien verzichten. Andere werden sich ein Sicherheitsnetz wünschen. Für sie können beispielsweise 80-Prozent-Garantien interessant sein, weil sie Kapitalmarktchancen mit Sicherheit verbinden. Und wieder andere werden Garantien gerade dann stärker gewichten, wenn bis zum Rentenbeginn nicht mehr viel Zeit bleibt und damit auch weniger Zeit, einen möglichen Einbruch an den Kapitalmärkten wieder aufzuholen. Es gibt also nicht die eine richtige Altersvorsorge für alle.


Mit 30 ist 65 noch ziemlich weit weg

Wer mit 30 sein Altersvorsorgedepot selbst eröffnet, Fonds auswählt und möglichst kostengünstig investiert, kann damit eine sehr bewusste Entscheidung treffen. Er braucht dafür vielleicht keinen Vermittler und keine Garantie.

Aber Altersvorsorge begleitet uns über 30 oder 40 Jahre, und wenn wir die Rentenphase mitdenken, dann sogar ein ganzes Leben lang. In dieser Zeit verändert sich ziemlich viel. Einkommen und Familie verändern sich. Die eigene Risikobereitschaft kann sich verändern. Irgendwann rückt der Renteneintritt näher. Und aus einer Frage nach möglichst gutem Vermögensaufbau wird irgendwann eine ganz andere Frage: Wie mache ich aus diesem Vermögen ein verlässliches Einkommen im Ruhestand?


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Spätestens dann zeigt sich, warum die Debatte über ein paar Basispunkte Kosten zu kurz greift. Ein Auszahlplan kann für den einen die richtige Lösung sein. Ein anderer möchte sicher wissen, dass er sein Einkommen auch dann weiter erhält, wenn er 90, 95 oder 100 Jahre alt wird. Dieses sogenannte „Langlebigkeitsrisiko“ (eigentlich ein furchtbares Wort) abzusichern, ist eine Kernkompetenz der Lebensversicherung.

Die Stärke der neuen Altersvorsorgewelt liegt für mich aus Kundensicht gerade darin, dass diese Entscheidung über die Auszahlungsweise im Ruhestand nicht für das gesamte Leben am ersten Tag getroffen werden muss.


Der Wettbewerb wird größer - gut so!

Deshalb sehe ich auch keinen Grund, warum Lebensversicherer die neue Konkurrenz durch Neobroker, Banken oder Fondsgesellschaften fürchten sollten. Wir werden selbst das Altersvorsorgedepot anbieten. Wir kennen die Prozesse der geförderten Altersvorsorge. Wir können darüber hinaus Garantieprodukte anbieten, unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse abbilden, Beratung über die Laufzeit ermöglichen und am Ende ein lebenslanges Einkommen absichern.

Das heißt nicht, dass jeder Kunde all das braucht. Und genau an diesem Punkt sollten sich alle Beteiligten etwas ehrlich machen: Neobroker sollten nicht glauben, dass ein günstiges Depot alle Fragen der Altersvorsorge löst. Versicherer sollten nicht glauben, dass sie jeden Kunden über Garantien gewinnen müssen. Und Vermittler sollten nicht glauben, dass die Reform vor allem eine Gelegenheit bietet, bestehende Verträge umzudecken und damit noch einmal am Kunden zu verdienen.

Der Wettbewerb, den ich mir wünsche, lautet nicht: Wer schafft es am besten, den Kunden vom Produkt des anderen in das eigene zu bewegen? Sondern: Wer findet für unterschiedliche Menschen die passende Vorsorgelösung?


Finger weg von der Umdeckungsmaschine

Das gilt insbesondere für bestehende Riester-Verträge. Natürlich wird es Fälle geben, in denen ein Wechsel in die neue Produktwelt sinnvoll ist. Aber es gibt keinen Grund für pauschalen Aktionismus. Manchmal ist auch nur der Wechsel der Förderlogik der bessere Weg, manchmal auch der Verbleib im „alten“ Riester-Produkt.

Bestehende Verträge können wertvolle Garantien enthalten. Gerade bei kürzeren und mittleren Restlaufzeiten bis zum Rentenbeginn sollte sehr genau gerechnet werden, bevor diese aufgegeben werden. Ein Wechsel muss sich für den Kunden lohnen, nicht für den Anbieter oder Vermittler.

Wenn das Altersvorsorgedepot zur großen Umdeckungsmaschine wird, mit der wir vor allem bestehendes Vorsorgevermögen zwischen Anbietern verschieben, hätten wir eine große Chance vertan. Denn die Reform bringt auch Menschen in die Förderung, die wir bislang nicht erreicht haben. Selbstständige sind dafür ein wichtiges Beispiel. Dazu kommen all diejenigen, die heute noch gar nicht oder nicht ausreichend privat vorsorgen. Um diese Menschen sollten wir kämpfen.

Entscheidend ist, dass mehr Menschen anfangen

Wenn es uns gelingt, sie für private Altersvorsorge zu gewinnen, ist es am Ende gar nicht entscheidend, ob sie ihr erstes Altersvorsorgedepot bei einem Neobroker, einer Bank, einer Fondsgesellschaft oder einem Lebensversicherer eröffnen. Entscheidend ist, dass sie anfangen. Und wenn sich ihre Bedürfnisse später verändern, sollte das System ihnen die Freiheit geben, ihre Altersvorsorge mitzuentwickeln: mehr oder weniger Risiko, mehr oder weniger Sicherheit, Beratung oder Selbstentscheidung, Auszahlungsplan oder lebenslange Rente.

Genau darin liegt für mich die eigentliche Stärke der Reform. Kosten sind wichtig. Rendite ist wichtig. Aber gute Altersvorsorge muss vor allem eines können: zu einem Menschen passen, und zwar nicht nur heute, sondern ein Leben lang.

Eine Kolumne von Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Lebensversicherung a.G.

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