Drei von vier Versicherungsvermittlern (75 Prozent) wollen das Altersvorsorgedepot 2027 aktiv anbieten, sobald es eingeführt wird. Das zeigt eine Blitzumfrage des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), die der Verband am 27. Oktober veröffentlicht hat. Dafür befragte der Verband vom 12. bis 21. Oktober 823 Versicherungs- und Finanzvermittler zu ihrer Einschätzung der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge.
Lediglich 10,2 Prozent der Teilnehmer lehnen den Vertrieb des neuen Depots ab, 12,8 Prozent haben sich noch nicht festgelegt. Auch die Reform insgesamt bewerten die Vermittler mehrheitlich positiv: 55 Prozent äußern sich zustimmend, 31 Prozent neutral und 13,3 Prozent ablehnend.
Noch breitere Zustimmung findet die geplante Frühstartrente. 64,2 Prozent der Befragten wollen sie aktiv anbieten, 20,1 Prozent sind unentschlossen. 15 Prozent planen derzeit kein entsprechendes Angebot.
| Angebot | Zustimmung | Unentschlossen | Ablehnung |
|---|---|---|---|
| Altersvorsorgedepot aktiv anbieten | 75,0 Prozent | 12,8 Prozent | 10,2 Prozent |
| Reform der Altersvorsorge insgesamt | 55,0 Prozent | 31,0 Prozent | 13,3 Prozent |
| Frühstartrente aktiv anbieten | 64,2 Prozent | 20,1 Prozent | 15,0 Prozent |
BVK-Präsident Heinz: Reform ist Chance, Beratung wird zur Herausforderung
BVK-Präsident Michael H. Heinz ordnet die Ergebnisse ein. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Vermittler die Reform der privaten Altersvorsorge grundsätzlich unterstützen“, sagt er. Die stärkere Kapitalmarktorientierung und die neuen Förderansätze bewertet er als Chance, zusätzliche Sparerinnen und Sparer für den langfristigen Vermögensaufbau zu gewinnen.
Gleichzeitig zeige sich laut Heinz, dass die praktische Umsetzung die Beratung vor erhebliche Herausforderungen stellt. Genau dort setzt die Umfrage mit weiteren Fragen an.
Diese Hürden erschweren die Beratung zum Altersvorsorgedepot 2027
Bei der Beratung zum Altersvorsorgedepot 2027 sehen die Vermittler mehrere Hürden. Als größte Herausforderung nennen 57,3 Prozent den Wettbewerb mit anderen Anlageformen. Jeweils 51,7 Prozent tun sich zudem schwer damit, die neuen Produkte verständlich zu erklären oder bürokratische Vorgaben zu bewältigen.
Die Erläuterung der Förderregelungen stufen 50,2 Prozent als anspruchsvoll ein, die Komplexität der Produkte 47,5 Prozent. Betriebswirtschaftliche Bedenken äußern 36,1 Prozent der Befragten, rechtliche Fragestellungen nennen 26,2 Prozent als Hürde.
| Herausforderung in der Beratung | Anteil der Vermittler |
|---|---|
| Wettbewerb zu anderen Anlageformen | 57,3 Prozent |
| Verständliche Erklärung der neuen Produkte | 51,7 Prozent |
| Bürokratische Anforderungen | 51,7 Prozent |
| Erläuterung der Förderregelungen | 50,2 Prozent |
| Produktkomplexität | 47,5 Prozent |
| Betriebswirtschaftliche Bedenken | 36,1 Prozent |
| Rechtliche Fragestellungen | 26,2 Prozent |
Heinz kritisiert in diesem Zusammenhang einen Widerspruch in der politischen Umsetzung. „Dass mit der neuen Fördersystematik der Beratungsbedarf steigen wird, ist unter Fachleuten unbestritten“, betont er. „Umso unverständlicher ist, dass sich Gesetzgeber und Versicherungswirtschaft zugleich für beratungsfreie Standardlösungen ausgesprochen haben.“
Riester-Umdeckungen ins Altersvorsorgedepot bleiben wohl überschaubar
Ein weiteres Ergebnis betrifft mögliche Umschichtungen aus bestehenden Riester-Verträgen in das Altersvorsorgedepot 2027. Größere Umdeckungen erwarten laut Umfrage nur 27,2 Prozent der Vermittler, während 44 Prozent von einem geringen Ausmaß ausgehen. Keine nennenswerten Verschiebungen erwarten 7,5 Prozent, und 21,3 Prozent sehen derzeit keine hinreichende Basis für eine Einschätzung.
Zusätzliches Neugeschäft durch das neue Depot sehen 16 Prozent der Befragten, 15 Prozent können die Chancen noch nicht abschätzen. Knapp die Hälfte (46,6 Prozent) rechnet sogar mit beidem: neuen Kunden und Umdeckungen aus laufenden Riester-Verträgen. Damit zeichnet sich das Altersvorsorgedepot für einen Teil der Vermittler als möglicher Riester-Nachfolger ab, auch wenn der Umfang der Umdeckungen laut BVK-Umfrage insgesamt überschaubar bleiben dürfte.
So lief die BVK-Befragung ab
An der Online-Befragung nahmen 823 Versicherungs- und Finanzvermittler teil, die rund 14 Fragen beantworteten. Davon waren 86,7 Prozent Ausschließlichkeitsvertreter, 6,3 Prozent Versicherungsmakler und 4,8 Prozent Mehrfachvertreter. Die Mehrheit der Befragten verfügt über 20 bis mehr als 30 Jahre Vertriebserfahrung.














