Ausblick bis 2027: Hausse der Risikoassets geht in die Verlängerung

Foto: Bantleon
Dr. Daniel Hartmann, Bantleon

Anfang 2026 zeigt sich die Weltwirtschaft widerstandsfähig. Investitionen, Fiskalprogramme und ein robuster Konsum stützen das Wachstum, während die Geldpolitik an ihre Grenzen stößt. Für Anleger bedeutet das: Staatsanleihen bleiben unter Druck, Risikoassets profitieren weiter. Doch ab 2027 zeichnet sich eine Phase der Abkühlung ab, die neue Akzente setzt.

Anfang 2026 prägt ein ungewöhnlich konstruktives makroökonomisches Umfeld die Finanzmärkte. Die globale Konjunktur zeigt sich trotz geopolitischer Risiken und handelspolitischer Störfeuer robust, getragen von einem investitionsgetriebenen Aufschwung in den USA, stabilisierendem Konsum und breit angelegten fiskalischen Impulsen in Europa. Für die Geldpolitik schrumpft damit der Spielraum für weitere Lockerungen, gleichzeitig nimmt die Erwartung an dauerhaft höhere Wachstums- und Inflationsraten zu. Dieses Umfeld spricht für steigende Renditen lang laufender Staatsanleihen und eine fortgesetzte Versteilerung der Zinskurven. Während Staatsanleihen unter Druck bleiben, profitieren Unternehmensanleihen, Covered Bonds und Aktien von zyklischem Rückenwind und sinkenden Ausfallrisiken. Im 1. Halbjahr 2027 dürften Risikoassets wie Aktien wegen einer vorübergehenden konjunkturellen Abkühlung kurzzeitig unter Druck kommen. Ein Ausverkauf ist aber nicht zu erwarten. Vielmehr spricht vieles für ein erneutes Happy End auch 2027.

Anfang 2026 präsentiert sich die globale Konjunktur in erstaunlich guter Verfassung: Ungeachtet des von Donald Trump angezettelten Zollkriegs und der vielfältigen geopolitischen Konfliktherde wächst die Weltwirtschaft robust. So ist die US-Wirtschaft im 2. Halbjahr 2025 um mehr als 3,0%, die chinesische Wirtschaft um knapp 5,0%, die übrigen Schwellenländer um gut 4,0% und die Eurozone immerhin um 1,2% gewachsen. Und für 2026 zeichnet sich eine weitere Belebung ab.

USA profitieren von Investitionsbelebung

Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft bleiben die USA. 2025 waren dort die Investitionen in Maschinen und Anlagen der Wachstumstreiber. Allen voran die KI-nahen Investitionen (in Rechenzentren, Computerausrüstung sowie Software) boomten mit einer Expansionsrate von rund 15%. Daran dürfte sich im laufenden Jahr nichts ändern. Die großen Technologiekonzerne haben bereits weitere Projekte im Volumen von mehreren Hundert Milliarden US-Dollar angekündigt. Damit aber nicht genug: 2026 dürfte die Investitionsbelebung an Breite gewinnen und auch den Mittelstand erfassen. Dafür spricht unter anderem die Verbesserung der Finanzierungskonditionen. So ist es eine Besonderheit des aktuellen Umfelds, dass die Fed den Investitionsboom durch Leitzinssenkungen zusätzlich befeuert. Damit ist es für die Unternehmen im Jahr 2026 noch einfacher geworden, an günstige Liquidität zu kommen. Ein erstes Indiz dafür ist das zu Jahresbeginn hohe Emissionsvolumen an Unternehmensanleihen. Die Aufhellung des monetären Rahmens spiegelt sich auch in unseren Frühindikatoren, die für 2026 grünes Licht für eine noch dynamischere Investitionstätigkeit geben (siehe Grafik 1). Weiterer Rückenwind geht von der expansiveren Fiskalpolitik (Stichwort: »One Big Beautiful Bill Act«) sowie dem aller Voraussicht nach abebbenden globalen Handelsstreit aus. Donald Trump dürfte vor den Zwischenwahlen alles daransetzen, um für die Unternehmen ein ideales Investitionsumfeld zu schaffen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Auch der Konsum sollte US-Wirtschaft stützen

Die Konsumnachfrage stand 2025 unter keinem guten Stern: Der zollbedingte Inflationsschub, die Entlassungswelle im öffentlichen Dienst und der längste Government Shutdown der US-Geschichte waren vor allem für die unteren Einkommensgruppen Belastungsfaktoren. Dafür sprangen jedoch die wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen – gestützt durch die Aktienhausse – in die Bresche und ermöglichten, dass der private Verbrauch 2025 einen soliden Zuwachs von über 2,0% aufwies. Im laufenden Jahr sollte sich das Umfeld dank der Steuersenkungen und einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt generell verbessern. Auch der Konsum dürfte somit eine Konjunkturstütze bleiben. In Anbetracht des positiven Ausblicks für die Investitions- und Konsumnachfrage gehen wir davon aus, dass sich das US-Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 bei 2,5% bis 3,0% einpendelt und damit höher liegt als im Vorjahr (ca. 2,2%). Mit dieser Prognose sind wir noch etwas optimistischer als der Konsensus (2,4%).

1: Breite Investitionsbelebung in Sicht2: China hat Zollschock gut weggesteckt

Quellen: Census Bureau, Bloomberg, Bantleon

Fed dürfte Leitzins unverändert lassen

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

1 2 3 4 5 6Startseite
Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen