Ausblick bis 2027: Hausse der Risikoassets geht in die Verlängerung

Zieht man ein Zwischenfazit, dürfte sich das weltwirtschaftliche Umfeld 2026 auf breiter Front aufhellen. Dies war in der Vergangenheit zugleich immer eine Initialzündung für die Eurozone. Allerdings sind die US-Strafzölle nach wie vor ein Bremsfaktor im Außenhandel. Die größten Konjunkturhoffnungen ruhen daher nicht auf dem Export, sondern auf dem Fiskalpaket der deutschen Bundesregierung. Aus unserer Sicht sind diese Hoffnungen unverändert berechtigt. Die Bundesregierung plant, die Ausgaben in der laufenden Legislaturperiode um mehr als 120 Mrd. Euro (= rund 3,0% des BIP) zu steigern (siehe Grafik 3). Ein Großteil des Ausgabenschubs (> 50%) dürfte dabei im laufenden Jahr erfolgen. Kritisiert wird allerdings, dass von den staatlichen Impulsen bislang noch nicht viel zu sehen ist. Dies lag an der Haushaltssperre, die bis Oktober 2025 in Kraft war. Erst seit der Absegnung des Budgets durch den Bundestag kann das Geld aus dem Infrastrukturfonds und zur Steigerung der Militärausgaben abfließen. Indizien, dass dies jetzt geschieht, lieferten die Auftragsdaten der Industrie vom Jahresende. Demnach ist der Ordereingang innerhalb von zwei Monaten um 14% in die Höhe geschnellt (siehe Grafik 4). Und dies dürfte erst der Anfang sein – die Pipeline ist prall gefüllt.

3: Massiver deutscher Fiskalimpuls …4: … der Auftragsboom nach sich zieht

Quellen: Bundesregierung, Destatis, Bantleon

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass ein Großteil des Geldes nicht für Investitionen, sondern andere Bereiche (Sozialausgaben oder Subventionen) verwendet wird. Dies ist zwar mit Blick auf die mittelfristigen Wachstumsperspektiven bedauerlich, aus konjunktureller Sicht aber zunächst zweitrangig. Erhöhungen der Sozialausgaben (zum Beispiel Mütterrente) oder Subventionen (zum Beispiel Senkung der Energiepreise für die Industrie) steigern das verfügbare Einkommen der Privathaushalte und Unternehmen und treiben damit die Konsum- und Investitionsnachfrage an. Gleiches gilt für die vielen geplanten Steuersenkungen. Wir sind daher zuversichtlich, dass der größte staatliche Impuls seit der deutschen Wiedervereinigung Wirkung entfalten und das Wachstum in Deutschland im laufenden Jahr um rund 1,5%-Punkte anschieben wird.

Während das deutsche Wachstum somit einen Satz nach oben macht, sollte das Expansionstempo in Südeuropa auf hohem Niveau verharren. Die Länder sind zwar nicht aus eigener Kraft dazu in der Lage, expansive Fiskalimpulse zu setzen, es fließt aber weiterhin viel Geld aus Brüssel nach Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Insgesamt hält der EU-Wiederaufbaufonds für diese Länder 450 Mrd. Euro parat und erst ca. 60% davon wurden abgerufen. Der Rest dürfte in den nächsten 15 bis 18 Monaten fließen und damit weiterhin die öffentlichen Investitionen antreiben. Darüber hinaus erholt sich der Arbeitsmarkt in Südeuropa deutlich. Die italienische Arbeitslosenquote beispielsweise ist Ende 2025 auf ein Rekordtief von 5,6% gefallen. Alles zusammengenommen dürfte das Wachstum in der Eurozone weiter beflügeln. Wir rechnen damit, dass der BIP-Zuwachs von 1,4% im Jahr 2025 auf 1,8% im laufenden Jahr zulegt. Der Konsensus geht dagegen sogar von einer leichten Abschwächung beim Wachstum aus (1,2%). Die zahlreichen Fiskalimpulse werden demnach als weitgehend wirkungslos angesehen.

Inflationsrisiken nehmen in der Eurozone wieder zu

Unterdessen ist die Inflation der Eurozone Anfang 2026 auf 1,7% abgetaucht. Aufgrund der Euro-Aufwertung, günstiger Basiseffekte und des nachlassenden Lohndrucks dürfte die Teuerungsrate im 1. Quartal 2026 auf diesem Niveau verharren beziehungsweise noch leicht sinken. Behalten wir allerdings mit unserer Konjunkturprognose recht und das Wachstum zieht über die Potenzialrate an, werden die Inflationsrisiken erneut zunehmen. Wir gehen daher davon aus, dass die Inflation im 2. Halbjahr 2026 wieder über die 2,0%-Marke zurückkehrt. Damit sind wir weniger zuversichtlich als die EZB, die von einem anhaltenden Rückgang der Teuerungsrate ausgeht.

Derzeit sieht sich die Notenbank in einer guten Position, um in der Zinspolitik erst einmal abzuwarten. Der Leitzins liegt entsprechend seit Mitte 2025 unverändert bei 2,00%. Die aktuelle Inflationsentwicklung liefert einerseits den Tauben im EZB-Rat Munition, um für eine nochmalige Zinssenkung zu plädieren. Dem stehen aber auf der anderen Seite die freundlichen Konjunkturdaten gegenüber. Dieses Patt dürfte im 1. Halbjahr 2026 fortbestehen. Die EZB wird deshalb wohl geradeaus fahren. Im weiteren Jahresverlauf sollte jedoch die konjunkturelle Belebung in den Vordergrund rücken und die Debatte über die Notwendigkeit geldpolitischer Straffungen befeuern. Ob Ende 2026 eine erste Leitzinsanhebung erfolgt, bleibt abzuwarten. Zumindest dürften an den Geldterminmärkten die Zinserwartungen nach oben korrigiert werden.

Im 1. Halbjahr 2027 dürfte die Weltwirtschaft kurz abkühlen

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