Im laufenden Jahr spricht also die Kombination aus expansiven geld- und fiskalpolitischen Impulsen, den abnehmenden Risiken im globalen Handelsstreit und dem anhaltenden KI-Boom für ein weltweit anziehendes Wachstumstempo. Unsere Frühindikatoren deuten indes an, dass Ende 2026 in all diesen Bereichen der Rückenwind nachlässt. Für das 1. Halbjahr 2027 prognostizieren wir daher eine konjunkturelle Abkühlung, die zum Beispiel in den USA das Wachstum wieder temporär unter 2,0% drücken sollte. Indizien für einen scharfen Einbruch oder gar eine Rezession sehen wir gleichwohl nicht. Dafür dürften unter anderem die konjunkturellen Auftriebskräfte in Deutschland und den Schwellenländern zu groß sein. Im 2. Halbjahr 2027 gehen wir entsprechend von einer zyklischen Wiederbelebung aus und erwarten im Jahr 2028 sowohl in den USA als auch in der Eurozone ein Wachstum auf Potenzialniveau.
Neben dem demografischen Wandel sehen wir in der global ausufernden Staatsverschuldung – allen voran in den USA, Japan, Frankreich und China – das größte mittelfristige Wachstumsrisiko. In allen genannten Ländern dürften die Zinslasten in den nächsten Jahren so stark anschwellen, dass eine deutliche Reduzierung der Staatsausgaben unumgänglich ist. Die damit einhergehende restriktivere Fiskalpolitik dürfte das Wachstum über Jahre belasten. Dieses Szenario sollte indes erst zum Ende der 2020er- oder Anfang der 2030er-Jahre relevant werden.
Finanzmärkte: Risk-on hält trotz hoher Bewertungen vorerst an
2025 haben die meisten Assetklassen kräftige Kursgewinne verbucht – das gilt vor allem für Gold (+65%), aber auch für die globalen Aktienmärkte (MSCI World: +22%). Auf der Verliererstraße befanden sich dagegen lang laufende Staatsanleihen. Anleger, die ihr Geld in deutsche Bundesanleihen mit ultralangen Laufzeiten investiert hatten, verbuchten – gemessen am »ICE BofA 15+ German Government Index« – einen Verlust von 12%. Spiegelbildlich befinden sich die Renditen 30‑jähriger Staatsanleihen weltweit in einem Aufwärtstrend. Der Grund dafür sind zum einen die verbesserten Wachstumsperspektiven. Zum anderen sind in den Augen der Investoren aber auch die Zinsänderungsrisiken gestiegen: wegen der unberechenbaren Politik des US-Präsidenten, der ausufernden Staatsverschuldung und der wachsenden geopolitischen Krisenherde. Die Investoren fordern entsprechend eine höhere Laufzeitprämie, was sich vor allem bei langen Laufzeiten bemerkbar macht.











