Im Jahr 2026 dürfte der Gegenwind für Staatsanleihen anhalten. Wie oben ausgeführt, rechnen wir mit einer namhaften Belebung der Weltwirtschaft. Im Gegenzug dürfte der globale Zinssenkungszyklus der Notenbanken auslaufen. In der Folge werden die an den Geldterminmärkten eingepreisten Leitzinserwartungen nach oben wandern. Entsprechend erwarten wir sowohl in der Eurozone als auch in den USA in den kommenden Monaten einen moderaten Renditeanstieg, der sich weiterhin speziell am langen Ende der Zinskurve niederschlagen wird. Konkret gehen wir davon aus, dass die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen bis zur Jahresmitte um gut 40 Basispunkte auf 3,30% steigen werden. In den USA sollte der Renditeanstieg noch etwas stärker ausfallen. Dort rechnen wir bei 10-jährigen Laufzeiten in der Spitze mit bis zu 5,00%. Am kurzen Ende der Renditekurve wird der Anstieg durch den Seitwärtstrend der Leitzinsen gebremst. Die Zinskurven dürften sich daher weiter versteilern.
Gutes Umfeld für Covered Bonds und Unternehmensanleihen
Anders als für Staatsanleihen ist das Umfeld für Covered Bonds und Unternehmensanleihen weiterhin freundlich. In Phasen einer konjunkturellen Wiederbelebung kommt es in der Regel zu einer Outperformance von risikoreicheren Anleihenkategorien gegenüber Staatsanleihen. Gründe dafür sind unter anderem der steigende Risikoappetit der Investoren, die abnehmenden Ausfallraten und die Tendenz zu Rating-Heraufstufungen. Obwohl Covered Bonds und Unternehmensanleihen inzwischen sportlich bewertet sind und die Risikoaufschläge auf oder in der Nähe langjähriger Tiefststände notieren, rechnen wir im Jahr 2026 mit einer weiteren Verbesserung. Bei europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen liegt der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen nur noch bei knapp über 70 Basispunkten – der niedrigste Stand seit 19 Jahren. Dennoch besteht weiteres Einengungspotenzial in Richtung 50 bis 60 Basispunkte. Neben dem konjunkturellen Rückenwind sprechen dafür auch fundamentale Gründe. So hat sich im Unternehmenssektor die Schuldensituation in den vergangenen Jahren weniger stark zugespitzt als im Staatssektor. Gemessen am BIP beschreibt die Schuldenstandsquote keinen Aufwärts-, sondern einen Seitwärtstrend.
Bei europäischen High-Yields hat der Spread gegenüber deutschen Bundesanleihen mit 265 Basispunkten zwar noch nicht ganz das zyklische Tief aus dem Jahr 2017 erreicht (235 Basispunkte). Wir gehen allerdings davon aus, dass dieses Niveau im laufenden Jahr in Angriff genommen und sogar leicht unterboten wird. Dafür spricht, dass wir 2026 von einer namhaften zyklischen Belebung ausgehen und somit all die oben genannten Faktoren (steigender Risikoappetit, rückläufige Ausfallraten etc.) besonders stark zur Geltung kommen. Tritt unsere Prognose ein, dürfte die Spreadeinengung nahezu komplett den Renditeanstieg bei Staatsanleihen kompensieren. Der Investor könnte damit den Ertrag aus dem Coupon einer High-Yield-Anleihe (aktuell durchschnittlich 5,0%) voll vereinnahmen.
Aktien trotzen hohen Bewertungen
Für Aktien gilt das Gleiche wie für Unternehmensanleihen. Die Hausse der vergangenen Jahre hat die Bewertungen speziell in den USA auf luftige Höhen getrieben. Das Shiller-KGV liegt dort mittlerweile bei 40 – ein Niveau, das zuletzt in der Dotcom-Blase übertroffen wurde. Die Hoffnungen ruhen dabei nicht zuletzt auf der KI-Revolution und den damit verbundenen Produktivitätseffekten. Ob diese Erwartungen gerechtfertigt sind, bleibt abzuwarten. Der Investitionsboom der vergangenen Jahre spricht zumindest für einen Aufwärtstrend im Produktivitätswachstum
Kurzfristig ist aber ohnehin das zyklische Umfeld der alles entscheidende Faktor. Behalten wir mit unserer optimistischen Prognose recht, dürfte zweierlei passieren: Die Investoren werden zum einen die Gewinnschätzungen nach oben korrigieren und zum anderen – wegen des steigenden Risikoappetits – noch höhere Bewertungen akzeptieren. Davon sollte insbesondere Europa profitieren, wo die Aktien immer noch moderat bewertet sind und der größte Wachstumssprung zu erwarten ist. Generell dürften Small und Mid Caps sowie zyklische Aktien (speziell der Banken- und Grundstoffsektor) Gewinner des skizzierten Umfelds sein und gegenüber Large Caps und defensiven Aktien outperformen. Alles in allem halten wir an den europäischen Aktienmärkten Kursgewinne von 10% bis zum Herbst 2026 für realistisch.











