Ausblick bis 2027: Hausse der Risikoassets geht in die Verlängerung

Im Jahr 2027 dürfte sich das Umfeld für Risikoassets angesichts unserer Prognose einer konjunkturellen Abkühlung zunächst eintrüben. Da wir aber nur von einem Midcycle Slowdown und keiner Rezession ausgehen, rechnen wir mit keinem Ausverkauf bei Risikoassets. Aktien und Unternehmensanleihen dürften entsprechend moderat unter Druck geraten, während Staatsanleihen leichten Aufwind verspüren. Die Renditen von 10-jährigen deutschen Bundesanleihen sollten temporär wieder unter 3,00% sinken – vom Niedrigzinsumfeld der Jahre 2019 bis 2021 sind wir damit aber noch weit entfernt. Im 2. Halbjahr 2027 dürfte sich die Lage auch schon wieder beruhigen und somit Risikoassets insgesamt mit einem blauen Auge davonkommen. Die erste große Korrektur am Aktienmarkt seit dem Jahr 2008 dürfte damit auch 2026 und 2027 ausbleiben. Zum Ende dieses Jahrzehnts wollen wir dafür aber nicht unsere Hand ins Feuer legen.

Die genannten Gründe sprechen auch dafür, dass sich die Bund-Swap-Spreads in den nächsten Jahren weiter auf tiefen Niveaus bewegen werden. Unter anderem ist die klassische Safe-Haven-Prämie von Staatsanleihen – nicht zuletzt wegen der Debatte über die ausufernde Staatsverschuldung – abgeschmolzen. Gleichzeitig hat sich die fundamentale Lage des Bankensektors, der am Swap-Markt besonders präsent ist, in den vergangenen Jahren stabilisiert. Die wieder steilere Zinskurve dürfte auch in den kommenden Jahren den Bankensektor beflügeln.

Schließlich bleiben wir auch für die bonitätsschwächeren Staatsanleihen der Eurozone in den nächsten Jahren zuversichtlich. Speziell die Spreads von italienischen, spanischen und portugiesischen Staatsanleihen (gegenüber deutschen Bundesanleihen) befinden sich seit drei Jahren in einem übergeordneten Abwärtstrend. Daran dürfte sich wenig ändern, selbst wenn mittlerweile kaum noch Fleisch am Knochen ist. Zum einen rechnen wir mit einem anhaltend konstruktiven konjunkturellen Umfeld in Südeuropa. Zum anderen nimmt die Schuldenvergemeinschaftung in der Eurozone weiter zu. So dürfte sowohl der Wiederaufbau der Ukraine als auch die Wiederaufrüstung in Europa über EU-Anleihen finanziert werden. Alle Euroländer, die zugleich Teil der EU sind, sitzen damit zunehmend in einem Boot. Risikoaufschläge innerhalb der Eurozone machen deshalb immer weniger Sinn, weshalb die Spreads 2026/2027 neue langjährige Tiefststände ins Visier nehmen dürften.

Autor Dr. Daniel Hartmann ist Chefvolkswirt bei Bantleon.

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