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Auslandskrankenversicherung: Warum Makler stärker auf Servicequalität achten sollten

Foto: Passportcard
Benedikt Grass: "Wer den besten Preis bei akzeptablem Leistungsumfang bietet, gewinnt. Doch diese Rechnung geht nicht mehr auf."

In der Auslandskrankenversicherung galt lange vor allem der Preis als entscheidendes Auswahlkriterium. Doch steigende Kundenerwartungen und internationale Lebensmodelle verändern den Markt. Für Makler rückt deshalb ein Faktor stärker in den Mittelpunkt der Beratung. Von Benedikt Grass

Lange Zeit folgte die Auslandskrankenversicherung einer einfachen Logik: Wer den besten Preis bei akzeptablem Leistungsumfang bietet, gewinnt. Betreuungsqualität galt als nachrangig – ein weiches Kriterium, schwer messbar und im Verkaufsgespräch kaum zu greifen. Doch diese Rechnung geht nicht mehr auf.

Warum die alte Logik nicht mehr trägt

Studien von McKinsey und Accenture zeigen eine wachsende Wechselbereitschaft bei Versicherungskunden. Mangelnde Betreuung zählt dabei zu den häufigsten Gründen. Laut einer aktuellen Branchenumfrage würden fast 60 Prozent der Versicherten ihren Anbieter wechseln, um Echtzeit-Updates zu ihrem Schadenfall zu erhalten.


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Das sind keine Einzelfälle unzufriedener Kunden – das ist ein strukturelles Problem. In der Auslandskrankenversicherung wiegt dieses Problem besonders schwer. Der Leistungsfall tritt nicht im gewohnten Umfeld ein, sondern in einem fremden Gesundheitssystem, oft unter Zeitdruck und mit sprachlichen Barrieren. Wer nachts in Bangkok, São Paulo oder Kapstadt medizinische Hilfe braucht, erwartet mehr als den Verweis auf ein Erstattungsformular.

Was im Ernstfall schiefläuft

In meiner täglichen Arbeit sehe ich immer wieder dieselben Muster: Versicherte stehen vor Kliniken, die Vorkasse verlangen. Hotlines sind nur zu mitteleuropäischen Geschäftszeiten erreichbar. Erstattungsprozesse ziehen sich über Wochen. Die Policen sind auf dem Papier gut – aber wenn es darauf ankommt, fehlt die operative Handlungsfähigkeit.

Das Problem liegt nicht im Willen der Anbieter, sondern oft in der Struktur. Viele Auslandskrankenversicherungen wurden als Zusatzprodukte konzipiert, nicht als eigenständige Serviceleistung. Die Prozesse sind auf Kostenerstattung im Nachhinein ausgelegt, nicht auf Begleitung im Moment des Bedarfs. Für Kunden, die tatsächlich im Ausland leben oder arbeiten, ist das ein fundamentales Defizit.

Die Zielgruppe hat sich verändert

Hinzu kommt: Die Zielgruppe wächst – und ihre Erwartungen steigen. Laut Vereinten Nationen leben weltweit 281 Millionen Menschen außerhalb ihres Heimatlandes. Allein im europäischen Ausland sind rund 1,2 Millionen Deutsche gemeldet. Dazu kommen Langzeitreisende, Studierende und eine wachsende Zahl digitaler Nomaden. Gerade letztere Gruppe stellt besondere Anforderungen. Digitale Nomaden haben oft keinen festen Wohnsitz, wechseln regelmäßig zwischen Ländern und Zeitzonen und organisieren ihr gesamtes Leben über Apps und digitale Plattformen.

Sie erwarten von ihrer Versicherung dasselbe: sofortige Erreichbarkeit, digitale Prozesse, schnelle Lösungen. Diese Menschen vergleichen ihren Versicherer nicht mit anderen Versicherern, sondern mit dem Servicelevel, das sie von Tech-Unternehmen kennen. Und sie haben wenig Geduld für Prozesse, die nicht funktionieren. Für Makler bedeutet das: Die Produktauswahl muss sich stärker an der operativen Realität orientieren. Ein guter Tarif mit schlechtem Service ist im Zweifel schlechter als ein etwas teurerer Tarif mit funktionierender Betreuung.

Worauf es bei der Servicequalität ankommt

Erstens Erreichbarkeit. Ein Serviceteam, das nur während deutscher Bürozeiten erreichbar ist, hilft einem Kunden in Asien oder Südamerika wenig. Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit ist keine Luxusoption, sondern Grundvoraussetzung. Einige Anbieter, darunter PassportCard, setzen deshalb auf mehrsprachige Teams, die jederzeit erreichbar sind und bei Bedarf die Versorgung aktiv koordinieren. Zweitens Handlungsfähigkeit. Es reicht nicht, Anrufe entgegenzunehmen.

Das Serviceteam muss in der Lage sein, aktiv zu helfen: Ärzte vermitteln, Kliniken kontaktieren, Kostenübernahmen klären – und zwar in Echtzeit, nicht nach Rücksprache mit der Fachabteilung. Drittens finanzielle Entlastung. Wer krank ist, sollte sich nicht mit Vorkasse oder unklaren Erstattungswegen befassen müssen. Einige Anbieter setzen hier auf Debitkarten-Lösungen, mit denen medizinische Leistungen direkt vor Ort bezahlt werden – ohne dass Versicherte in Vorleistung gehen.

Warum das für Makler relevant ist

Für Vermittler stellt sich die Frage: Wie lässt sich Servicequalität vor dem Abschluss bewerten? Einige Anhaltspunkte helfen: Wie ist die Erreichbarkeit geregelt – gibt es echte 24/7-Betreuung oder nur eine Notfallnummer? Wie schnell werden Leistungsfälle bearbeitet? Gibt es Lösungen zur Vermeidung von Vorkasse? Wie gut ist das Serviceteam auf internationale Fälle vorbereitet? Diese Fragen lassen sich im Gespräch mit Produktgebern klären. Und sie sind relevant, weil die Antworten darüber entscheiden, ob ein Kunde im Ernstfall gut betreut wird.

Hinzu kommt ein Aspekt, der in der Beratungspraxis oft unterschätzt wird: Makler sind zur bedarfsgerechten Beratung verpflichtet. Wer einen Tarif empfiehlt, der im Leistungsfall nicht funktioniert, riskiert nicht nur unzufriedene Kunden, sondern im Zweifel auch Haftungsfragen. Gerade bei Auslandskrankenversicherungen, wo der Ernstfall weit weg vom deutschen Rechtssystem eintritt, sollte die operative Leistungsfähigkeit eines Anbieters Teil der Beratungsgrundlage sein. Eine Police, die im entscheidenden Moment versagt, ist keine gute Empfehlung, unabhängig vom Preis.

Ein Blick nach vorn

Der Markt für Auslandskrankenversicherungen wird wachsen. Die Zahl der Menschen, die temporär oder dauerhaft im Ausland leben, steigt. Gleichzeitig werden die Erwartungen an digitale, schnelle und verlässliche Services weiter zunehmen. Neu ist, dass Servicequalität zunehmend messbar und vergleichbar wird.

Internationale Auszeichnungen wie die Stevie Awards – bei denen in diesem Jahr 150 Fachjuroren mehr als 2.100 Nominierungen aus 41 Ländern bewertet haben – schaffen erstmals branchenübergreifende Benchmarks. Was früher ein weiches Kriterium war, wird zum überprüfbaren Standard. Für Anbieter bedeutet das: Serviceversprechen müssen der Realität standhalten. Für Makler heißt das: Es gibt zunehmend externe Orientierungspunkte bei der Produktauswahl. Service ist kein Randthema mehr. Es ist der Kern dessen, was eine gute Auslandskrankenversicherung ausmacht.

Benedikt Grass ist Chief Marketing Officer und Chief Commercial Officer bei Passportcard Europe.

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