Bauzinsen nahe vier Prozent: Wohnungen trotzdem erschwinglicher als 2023

Foto: Interhyp/Andreas Pohlmann, Tobias Lug
Jörg Utecht, Interhyp: „Wir haben zuletzt eine spürbare Aufwärtsbewegung bei den Bauzinsen gesehen.“

Die Bauzinsen bewegen sich zum Jahresstart nahe der Vier-Prozent-Marke, gleichzeitig verbessert sich die Erschwinglichkeit von Wohneigentum. Der aktuelle Interhyp-IW-Erschwinglichkeitsindex zeigt deutliche Unterschiede zwischen Regionen – und liefert Hinweise, wo Käufer noch Spielraum haben.

Die Zinsen für zehnjährige Darlehen nähern sich erneut der Marke von vier Prozent, nachdem sie sich im vergangenen Jahr weitgehend stabil gezeigt hatten. Gleichzeitig deuten aktuelle Daten darauf hin, dass Wohneigentum insgesamt wieder besser leistbar ist. Nach Angaben der Interhyp Gruppe liegt der durchschnittliche Zinssatz für zehnjährige Baufinanzierungen derzeit bei rund 3,8 Prozent.

„Wir haben zuletzt eine spürbare Aufwärtsbewegung bei den Bauzinsen gesehen“, erklärt Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe. Höhere Zinsen führten zwar zu steigenden Monatsraten, dennoch habe sich die finanzielle Belastung für Käufer in den vergangenen Jahren insgesamt entspannt.


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Utecht verweist auf mehrere Faktoren: Immobilienpreise hätten zwar zuletzt wieder angezogen, lägen aber weiterhin unter früheren Höchstständen. Zudem seien die Reallöhne gestiegen. „Trotz des jüngsten Zinsanstiegs sind wir von einem Niveau deutlich über vier Prozent, wie wir es vor geraumer Zeit erlebt haben, nach wie vor entfernt“, so Utecht.

Erschwinglichkeit von Eigentumswohnungen im Aufwind

Wie sich diese Entwicklung auswirkt, zeigt der aktuelle Interhyp-IW-Erschwinglichkeitsindex. In der jüngsten Auswertung wurde die Leistbarkeit von Eigentumswohnungen betrachtet. Mit 128 Punkten liegt der Index klar über der Schwelle von 100 Punkten und signalisiert damit einen erschwinglichen Markt.

Bundesweit mussten die untersuchten Modellhaushalte im Durchschnitt 29 Prozent ihres verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens für die Finanzierung einer Eigentumswohnung aufbringen. Im Oktober 2023 hatte der Index noch bei 118 Punkten gelegen. Ein Wert von 100 entspricht einer Belastung von 35 Prozent des Einkommens, ab der ein Immobilienkauf als erschwinglich gilt.

„Die Entwicklung der Erschwinglichkeit ist erfreulich“, sagt Utecht. Gerade für Ersterwerber böten Eigentumswohnungen aufgrund niedrigerer Preise und eines geringeren Eigenkapitalbedarfs einen vergleichsweise gut erreichbaren Einstieg in den Immobilienmarkt.

Metropolen bleiben unter Druck

Trotz der positiven Gesamttendenz zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. In den großen Metropolen München, Berlin, Hamburg, Frankfurt und Köln liegt der Erschwinglichkeitsindex weiterhin unter der Marke von 100 Punkten. Damit überschreitet die finanzielle Belastung dort nach wie vor die definierte Schwelle.

„Der Kauf einer Eigentumswohnung in den Metropolen ist nach wie vor herausfordernd“, betont Utecht. Aus seiner Sicht seien vor allem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie vereinfachte Bauvorschriften notwendig, um das Angebot auszuweiten und Kosten zu senken.

Abseits der Ballungszentren zeigt sich hingegen ein deutlich entspannteres Bild. In vielen Regionen profitieren Käufer von moderateren Preisen, was die gestiegenen Finanzierungskosten teilweise ausgleicht.

Zinsausblick der Bankpartner

Der Blick nach vorn fällt differenziert aus. In einer Befragung von Bankpartnern gehen 60 Prozent davon aus, dass die Bauzinsen in den kommenden sechs Monaten weitgehend stabil bleiben. Hintergrund sei unter anderem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Der Mitteilung von Interhyp zufolge erklärte eine Stimme aus dem Panel: „Die Leitzinsen der EZB bleiben in naher Zukunft voraussichtlich unverändert, da sich die Inflation in der Eurozone beim Zielwert von zwei Prozent einpendelt. Die langfristigen Kreditzinsen sind hingegen Schwankungen unterworfen, die insbesondere durch die steigende Staatsverschuldung, den Inflationsausblick sowie das erwartete Wirtschaftswachstum beeinflusst werden.“

40 Prozent der Befragten rechnen hingegen mit weiter leicht steigenden Zinsen rund um vier Prozent für zehnjährige Darlehen. Ein weiteres Panelmitglied verweist auf geopolitische Unsicherheiten und die Entwicklung der Staatsfinanzen. „Diese Unsicherheit wird eher wieder zu einer Flucht in sichere Häfen führen, womit die langfristigen Kapitalmarktzinsen bis auf weiteres stabil bleiben sollten. Im Laufe des Jahres bleibt aber der Anstieg der deutschen Staatsverschuldung der wichtigste Faktor hinter einem weiteren leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen.“

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